Kaninchen sind sehr soziale Tiere, sie brauchen Kontakt zu Artgenossen. Im Filderstädter Tierheim wartet unter anderem der kleine Oskar auf nette Menschen. Foto: Hintermayr

Wer sich ein Kaninchen zulegt, sollte sich das gut überlegen – im Interesse der Tiere. Das Tierheim in Filderstadt gibt Tipps. Einer davon hat direkt mit dem nahen Osterfest zu tun.

Filderstadt - Sie sehen kuschelig aus mit ihren schwarzen Knopfaugen und dem weichen Fell. Doch Kaninchen sind keine Kuscheltiere. Und auch, wenn die Langohren zur Osterzeit als das passende Präsent für Kinder wirken: „Tiere sind keine Geschenke! Auch Hasen und Kaninchen nicht“, sagt Susanne Müller-Gilg, die Schriftführerin des Tierschutzvereins Tierfreunde Filderstadt. Der Trubel, der bei solchen Familienfesten herrscht, sei kein Vergnügen für ein Tier. Erst recht nicht, wenn es gerade in ein neues Zuhause gezogen ist.

Wer Kaninchen zu sich nimmt, muss sich darüber im Klaren sein, dass sie gut und gerne zehn Jahre alt werden können. „Auch, wenn ich ein Tier für mein Kind hole, muss ich mir bewusst machen, dass ich letztlich die Verantwortung dafür trage“, sagt Müller-Gilg. Generell seien die flinken Nager kein ideales Haustier für Kinder. Denn die wollen die Tiere vor allem streicheln. Das aber mögen viele Kaninchen nicht, oder zumindest nur in Maßen. Vor allem das Hochnehmen sei vielen unangenehm. „In der Natur kommt die Gefahr oft von oben, nämlich in Form von Greifvögeln“, erklärt Müller-Gilg. So ergreifen viele Kaninchen die Flucht, wenn man sie hochheben möchte. Haben sie Zutrauen zu ihren Menschen, kommen sie aber gerne freiwillig und freuen sich über Aufmerksamkeit.

Viele unterschätzen, wie viel Platz Kaninchen brauchen

„Kaninchen haben hohe Ansprüche an ihre Haltung“, sagt Müller-Gilg. Zum einen sind sie sehr sozial, das heißt, sie brauchen mindestens einen Artgenossen. Zum anderen haben sie einen großen Bewegungsdrang. „Ideal ist ein großzügiges Außengehege mit wetterfesten Unterschlupfmöglichkeiten“, sagt die Tierschützerin. „Kaninchen möchten springen und graben, sie brauchen viel Auslauf.“ Den Platz, den die Tiere benötigen, unterschätzten die Leute oftmals, berichtet Müller-Gilg.

Auch die Wohnungshaltung ist generell möglich, dann aber nur mit viel Platz, am besten einem eigenen Zimmer für die Nager. Mindestens zwei Quadratmeter sollten pro Kaninchen zur Verfügung stehen. Bei mindestens zwei Tieren sollte man also vier Quadratmeter Platz haben, besser mehr. Das Tierheim berät gerne zu den besten Haltungsmöglichkeiten. Wer ein Tier adoptieren möchte, muss nachweisen, dass er die Mindestbedingungen erfüllt. In die Käfighaltung vermittle das Tierheim generell keine Kaninchen. Die meisten Interessenten hätten Verständnis für die Bedingungen der Tierschützer. „Schließlich geht es um das Wohl der Tiere“, sagt Müller-Gilg. Wenn es die personellen Kapazitäten zulassen, schauen sich die Tierheimmitarbeiter das neue Zuhause ihrer Schützlinge selbst an.

Lieber ins Tierheim bringen, statt im Wald auszusetzen

Im Tierheim Filderstadt-Bonlanden leben im Schnitt zwischen 15 und 20 Kaninchen. In einem Außengehege haben sie Platz zum Hakenschlagen, im Sand zu buddeln und sich zu verstecken. Die Tiere, die aus Wohnungshaltung kommen, werden in den Wintermonaten im Kleintierhaus untergebracht.

Die Gründe, warum die Nager im Tierheim landen, sind unterschiedlich. Die Mitarbeiter haben schon manch ein Tier im angrenzenden Wald gefunden, weil jemand es ausgesetzt hatte. Andere Besitzer geben ihre Tiere ab. Die Gründe, die für die Abgabe angegeben werden, sind verschieden. „Manchmal ist es eine plötzliche Allergie des Kindes, manchmal haben die Menschen keine Zeit mehr für das Tier“, berichtet Müller-Gilg. Ob Ausreden oder Tatsachen – das ist ihr egal. „Die Leute müssen auch gar keinen Grund für die Abgabe angeben. Mir ist es lieber, sie bringen uns ihre Tiere, als sie einfach auszusetzen.“

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