Vom Kaninchen bis zur Katze: Das Interesse an Tierheimtieren ist in Corona-Zeiten groß. Foto: Henning Kaiser/dpa

In Pandemie-Zeiten sind mehr Menschen daheim als sonst. Das bringt offenbar viele dazu, sich ein Haustier anschaffen zu wollen. Das Tierheim in Filderstadt-Bonlanden schaut allerdings ganz genau hin, wer die Interessenten sind.

Bonlanden - Für die Tierheime bedeutet Corona nicht nur einen Einschnitt. Zwar müssen Veranstaltungen abgesagt werden und die Heime bleiben für den Publikumsverkehr geschlossen, dafür aber vermitteln die Tierschutzvereine mehr Tiere als sonst. „Viel mehr“, wie Iris Happold, Mitarbeiterin im Filderstädter Tierheim im Eichholz, sagt. Darüber sind die Tierschützer glücklich. Viele Menschen seien seit Monaten im Homeoffice beziehungsweise in Kurzarbeit und hätten nun mehr Zeit, sich mit einem tierischen Familienmitglied zu befassen, sagt Happold.

Interessenten werden genau unter die Lupe genommen

Doch die Tierschützer schauen sich die Interessenten ganz genau an. Eigenauskunft und Hausbesuche sind auch in Corona-Zeiten Pflicht. „Wir haben mehr Fragen als sonst“, sagt Happold. „Denn irgendwann ist das Homeoffice vorbei.“ Was ist, wenn man wieder fünf Tage die Woche ins Büro kann? Ist das Tier dann immer noch gut versorgt? Die Schützlinge des Tierheims werden zunächst mit einem Pflegevertrag vermittelt. Dieses zweiwöchige „Probewohnen“ soll zeigen, ob Tier und Mensch gut miteinander auskommen. Wenn das der Fall ist, bringen die Mitarbeiter beim Hausbesuch den endgültigen Vertrag zur Übernahme des neuen Mitbewohners mit.

Für die Tierheimhelfer hat sich mit Corona wenig geändert. Hygiene und Desinfektion spielten ohnehin eine wichtige Rolle in der täglichen Arbeit, sagt Iris Happold. Allerdings bleibt das Tierheim für Besucher geschlossen. „Bis auf Weiteres“, sagt die Tierpflegerin. Man habe die Vorgaben des Landes genau im Blick. Das für den 21. Juni geplante Sommerfest ist abgesagt worden, auch das Herbstfest, das am 20. September hätte stattfinden sollen, wird abgeblasen. Der Tierschutzverein Tierfreunde Filderstadt bedauert das, aber ihm seien die Hände gebunden. „Mit vielen Besuchern können wir die Abstandsregeln auf unserem Gelände schwer einhalten“, sagt Happold.

Der Erlös der Feste bringt normalerweise Geld in die Vereinskasse, Gäste nutzen die Gelegenheit oft für Spenden. Da dies nun fehlt, ist das Tierheim mehr als sonst auf finanzielle Zuwendungen angewiesen. „Wir freuen uns über jede Spende“, betont Happold. Denn die Näpfe der Tiere müssen selbstverständlich auch in Corona-Zeiten gefüllt werden.

Tierheime im Fokus von Einbrechern

Sorge bereitet dem Tierschutzverein Filderstadt, dass Tierheime in letzter Zeit offenbar vermehrt Ziel von Einbrechern sind. Aus Ulm, Reutlingen, Geislingen und Rottweil wurden seit Anfang August Einbrüche gemeldet. Auch in Sachsen stiegen Diebe in Tierheime ein. Die Täter erbeuteten oft Geld aus den Kassen, der Sachschaden, den die Einbrecher hinterließen, liegt in einzelnen Fällen in Bereich von mehreren Tausend Euro. Iris Happold sorgt sich um das Wohl der Tiere in Bonlanden. Geld sei ohnehin keines zu holen, „unsere Schätze sind die Tiere“, sagt sie. Das Tierheimgelände sei nachts abgeschlossen und kameraüberwacht. Die Tierpflegerin hofft, dass das mögliche Täter abschreckt.

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