Wegen großen Durstes hat sich dieser Stieglitz zutraulich gezeigt. Foto: Brigitte Hess

Erneut sind mehrere heiße und trockene Tage in Sicht. Wie kann man durstigen Tieren wirkungsvoll helfen? Vielen Tieren fehlt Feuchtigkeit.

Fellbach - Ganz ohne Scheu hat sich kürzlich ein junger Stieglitz an der Überlaufrinne des F3-Freibads niedergelassen und Wasser getrunken. Selbst Schwimmer, die den kleinen Piepmatz aus der Nähe bestaunten, vertrieben ihn nicht.

In der Not ist Freibadwasser wohl besser als gar nichts

Im Gegenteil: Der kleine gefiederte Freund hüpfte sogar zutraulich auf den Finger einer Frau. Erst als er seinen Durst gelöscht hatte, flog er in einen Baum.

Die Fellbacher Tierärztin Tina Matzen sagt: „Wild lebende Tiere können Wassermangel gut und lange kompensieren. In langen Hitzeperioden stellt fehlendes Wasser aber auch für die Tierwelt ein Problem dar.“ In der Not ist Freibadwasser wohl besser als gar nichts.

Vielen Tieren fehlt Feuchtigkeit. Sylvia Reiner stolperte kürzlich beinahe über einen großen, ausgewachsenen Igel, der sich nicht wie sonst bei drohender Gefahr einrollte. Er sei zitternd und regungslos verharrt, sie habe den Eindruck gehabt, dem Tier gehe es gar nicht gut. Sylvia Reiner rief bei der Tiernothilfe an, wo ihr geraten wurde, dem Stacheltier ein Schälchen Wasser hinzustellen.

Ein Stück schwimmendes Holz hilft gegen Ertrinken

Der Igel nahm das kühle Nass sofort an – und nach einigen Minuten trollte er sich seines Weges. „Es hat sich herumgesprochen, dass auch Tiere unter solch einer Trockenheit leiden, viele Gartenbesitzer bieten ihnen regelmäßig in flachen Schalen frisches Wasser an“, sagt Tina Matzen. Sie rät dazu, eine Schale auf dem Boden, vielleicht geschützt in einem kleinen Gebüsch, aufzustellen und eine weitere etwas erhöht. Und zwar so, dass Katzen sie nicht erreichen können. Dort könnten dann Vögel ungestört trinken. Für sie hat der Wassermangel im heißen Sommer gleich zwei Auswirkungen. Erstens fehlt ihnen selbst Flüssigkeit, und zweitens stirbt ihre wichtigste Nahrungsquelle, Insekten, ebenfalls an Wassermangel. „Man sollte auf jeden Fall einen flachen Stein oder ein Stück Holz in die Wasserschale legen, damit Insekten nicht ertrinken, sondern eine Ausstiegshilfe haben“, sagt Tina Matzen. Ein Stück schwimmendes Holz in einen der immer häufiger zu sehenden privaten Pools zu legen, sei sogar besonders wichtig. Wenn Insekten dort trinken, drohen sie sonst zu ertrinken, sie brauchen sozusagen eine „Ausstiegshilfe“.

Dass Hunde bei hitzigem Sommerwetter nicht, auch nicht „nur kurz“ im Auto zurückgelassen werden dürfen, sei inzwischen so gut wie allen Hundebesitzern klar, sagt Tierärztin Matzen. Kam dies vor Jahren immer mal wieder vor, und etliche Hunde starben sogar, komme heute fast niemand mehr auf eine solch schlechte Idee. „In einem in der Sonne abgestellten Auto steigen die Temperaturen sehr schnell auf mehr als 50 Grad, und das hält buchstäblich kein Hund aus. “

Ob dem kleinen Stieglitz im Freibad das gechlorte Wasser geschadet hat? „Das glaube ich nicht“, sagt Tina Matzen, „schließlich nimmt ja auch manches Kind und mancher Schwimmer mal unbeabsichtigt einen großen Schluck und überseht das tadellos.“

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