Hanna Plaß als Nicole Pütz in „Think Big!“ Foto: Sat 1/Frank Dicks

Die Ex-Stuttgarterin Hanna Plaß spielt in der Sitcom „Think Big!“ auf Sat 1 Nicole Pütz, die davon träumt, ein eigenes Nagelstudio zu eröffnen

Stuttgart - Polly Peachum wird zur Plattenbau-Barbie, die nicht mehr übers „Chelsea Hotel“ singt, sondern „Pinky für billig!“ schreit: Hanna Plaß, die bis 2017 im Ensemble des Schauspiels Stuttgart war, ist der Star der Sat-1-Sitcom „Think Big!

Frau Plaß, wie halten Sie es eigentlich mit dem Nagellack?

Ich mag Nagellack, habe aber in der Serie noch sehr viel dazugelernt über Techniken und Formen. Nur: Mit diesen langen Nägeln kann ich privat nichts anfangen. Wer mich aus Stuttgart kennt, weiß, dass ich gerne Klavier spiele. Und mit solchen Nägeln ist das unmöglich.

Sie spielen in der Sitcom „Think Big!“ Nicole Pütz, eine Plattenbau-Barbie, die mit gefälschtem Abi ein BWL-Studium beginnt, um ein Nagelstudio eröffnen zu können.

Ich wäre auch gerne so wie Nicole Pütz: so stark, so kämpferisch, so schlagfertig, so witzig. Deswegen hatte ich große Lust, diese Figur zu spielen. Und dann dieser Look, diese Klamotten und diese Nägel – sich als Nicole Pütz zu verkleiden, machte einen Riesenspaß. Als ich das Drehbuch für den Piloten bekommen habe, bin ich erst einmal in den Supermarkt gegangen, um mir Anklebenägel zu kaufen. Und zum Casting bin ich wahnsinnig aufgebrezelt und mit fetter Schminke nach Köln geflogen, ein echter Businessflug. Die Anzugträger haben mich total angeglotzt (lacht).

Ist Ihr Job als Schauspielerin im Theater ein ganz anderer als der in einer TV-Serie?

Im Theater versuchen wir immer erst einmal, uns auf unser Stück einzustellen, und fragen: Was wollen wir eigentlich von diesem Stoff? Für dieses Wir-finden-allmählich-uns-und-unser-Thema hat man bei einer Serie, bei der wir innerhalb von zwei Monaten neun Folgen drehen, keine Zeit. Beim Theater findet die Auseinandersetzung mit dem Stoff während der Proben statt, bei einer Serie wie „Think Big!“ hat diese Auseinandersetzung schon stattgefunden, bevor die Dreharbeiten beginnen.

Sie haben mal gesagt, dass im Theater oft noch patriarchalische Strukturen vorherrschen. Ist das beim Film und Fernsehen ­anders?

Es gibt hier auch patriarchale Strukturen. Die Situation im Theater ist allerdings dadurch anders, dass man als Ensemblemitglied über längere Zeiträume mit den gleichen Leuten zusammenarbeitet und dadurch mehr Zeit hat, die hierarchischen Strukturen zu verstehen. Wobei es auch durchaus wichtig für künstlerisches Arbeiten ist, dass jemand sagt: Ich entscheide das jetzt, und ich halte den Kopf dafür hin, während der Rest experimentieren und Dinge ausprobieren darf.

Sie waren von 2013 bis 2017 Ensemblemitglied am Schauspiel Stuttgart. Inzwischen leben Sie in Berlin und haben dort kürzlich an der Deutschen Oper die Hauptrolle in „Die Schneekönigin“ gespielt – in einer Inszenierung von Brigitte Dethier, die in Stuttgart das Jes leitet.

Ich habe Brigitte Dethier immer wahnsinnig als diese lebhafte, strahlende, politische Kunstschaffende bewundert und war extrem glücklich, als sie mich gefragt hat, ob wir das zusammen machen wollen. Das war für mich das erste Mal, dass ich überhaupt in Berlin gearbeitet habe – eine fantastische Produktion: Wir haben 33 Vorstellungen am Stück gespielt, und es war nie langweilig.

Bleibt da Zeit, Stuttgart zu vermissen?

Total. In Stuttgart hatte ich fantastische Freunde, ein großartiges musikalisches und künstlerisches Umfeld, lauter tolle, schlaue Leute um mich herum. Die Kulturszene dort ist vernetzt und sehr lebhaft. In Berlin ist vieles mehr vom Kampf bestimmt, gesehen zu werden. Man kann dort wahnsinnig viel erleben, aber in Stuttgart geht es viel persönlicher zu. Und es hilft natürlich, dass Stuttgart eine Stadt ist, die Geld hat und die das Geld gerne für Kunst ausgibt.

Sind Sie eigentlich ein Serienfan?

Ja. Wie bei den meisten hat es auch bei mir mit den „Sopranos“ angefangen.

Solche anspruchsvollen Serien bekommt man allerdings bisher eher selten bei Sat 1 zu sehen, sondern bei Streamingdiensten oder im Bezahlfernsehen. Das lineare Fernsehen scheint ein bisschen aus der Mode gekommen zu sein.

Ich kenne tatsächlich nur wenige Leute, die noch einen Fernseher zu Hause haben und ganz klassisch das gucken, was gerade so läuft. Die, die das machen, haben aber ­meistens Sendungsfavoriten und feste Rituale. Und ich hoffe sehr, dass sie jetzt immer sagen: Oh, es ist Freitagabend, jetzt müssen wir Sat 1 einschalten und „Think Big!“ schauen!

In welcher anderen Serie würden Sie gerne mal einen Gastauftritt machen?

Ich habe gerade die Serie „Fleabag“ gesehen. Es gibt diese fantastische Schwesterngeschichte. Ich würde gerne eine entfernte Verwandte spielen, die zu Besuch kommt und bei dieser absurden Familie einfach mal am Tisch sitzt.

Und welchen Star wünschen Sie sich als Gast in „Think Big!“?

Diane Keaton. Die finde ich super, auf die hätte ich total Lust. Ich glaube, sie hätte auch Spaß an unserem Format. Sie hat diese gewisse Eleganz. Sie könnte eine extrem reiche Kundin bei meiner besten Freundin im Nagelstudio sein: Sie würde uns dann anbieten, unser Nagelstudio zu finanzieren, weil sie unseren Spirit so gut findet.

Hanna Plaß und „Think Big!“

Person Die Schauspielerin und Musikerin Hanna Plaß (31) wurde in London geboren und ist in Deutschland aufgewachsen. Zwischen 2013 und 2017 war sie Ensemblemitglied am Schauspiel Stuttgart, hat in den Kinofilmen „Hirngespinster“ (2013) und „Brechts Dreigroschenfilm“ (2017) mitgespielt und hat unter dem Künstlernamen Ginger Redcliff zwei Indiepop-Alben veröffentlicht.

Serie Sat 1 hat „Think Big!“ bisher immer freitags um 20.15 Uhr in Doppelfolgen ausgestrahlt. Weil die Einschaltquoten aber hinter den Erwartungen blieben, wird von diesem Freitag an der „Fun Freitag“ von beliebten Kinokomödien wie „Willkommen bei den Hartmanns“ eröffnet. „Think Big!“ läuft dann, weiterhin in Doppelfolgen, im Anschluss. Am Freitag, 21. Februar, um 22.20 Uhr.

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