Die Außen- und Innenbecken des Heilbades laden zum Entspannen ein. Foto: Vinzenz-Therme

Die Gäste kommen nicht nur nach Bad Ditzenbach zum Baden in der Vinzenz-Therme. Gefragt sind auch das Wandern, Radeln und Einkaufen.

Bad Ditzenbach - Der Fund der Canisiusquelle in Bad Ditzenbach war eine Pioniertat der Barmherzigen Schwestern von Untermarchtal. 1971 wurde zum ersten Mal nach Thermalwasser auf der Schwäbischen Alb gebohrt. Heute versorgt diese Quelle mit 40 000 Litern pro Stunde das im Besitz der Vinzentinerinnen befindliche Mineralthermalbad Vinzenz-Therme. Deutlich älter ist der örtliche Sauerbrunnen, dem schon im 16. Jahrhundert Heilkraft nachgesagt wurde. Weil aber die Besucherzahlen rückläufig sind und das Kuren seit der Gesundheitsreform aus der Mode gekommen ist und das Wasser als Heilmittel gleich dazu, wollen die Bad Ditzenbacher die leicht angestaubte Tradition neu beleben.

In den Thermen im oberen Filstal sind die Besucherzahlen rückläufig

„Ein Spaßbad wird die Vinzenz-Therme nicht werden“, rückt Herbert Juhn falsche Erwartungen zurecht. Der Bad Ditzenbacher Bürgermeister wird mit Gleichgesinnten am diesjährigen Weltwassertag, am Freitag, 22. März, den Freundeskreis Vinzenz-Therme Bad Ditzenbach aus der Taufe heben, der „das Bewusstsein für die Besonderheit unserer Quellen stärken möchte“. Juhn fungiert als einer von drei Sprechern im Freundeskreis. Bad Ditzenbach arbeitet auch mit den beiden anderen Bäderkommunen im Kreis, Bad Boll und Bad Überkingen, eng zusammen. Als Gradmesser für die Akzeptanz des Bades betrachten die Akteure die Besucherzahlen – und die sind rückläufig. „Früher kamen die Stammgäste zwei- bis dreimal pro Woche“, heute habe sich das auf einen Besuch reduziert, berichtet Betriebsleiter Michael Skorzak.

Im vergangenen Jahr stiegen in Bad Ditzenbach 145 000 Gäste ins warme Nass, von denen die meisten als Tagesgäste anreisten. Der Anteil der Besucher aus der benachbarten Vinzenzklinik sei dagegen eher gering. Auch das filsabwärts gelegene Thermalbad in Bad Überkingen lebt von den Tagesgästen. Rund 62 000 waren es 2018, deutlich weniger als in den Vorjahren. Zufrieden mit den Gästezahlen ist dagegen Geschäftsführerin Birgit Kälb­ling vom Badhaus in Bad Boll. Das liege an der guten Belegung der angeschlossenen Rehaklinik.

Die Gäste kommen auch zum Wandern, Radeln und Einkaufen

Die beiden Badkommunen im Filstal setzen aber nicht nur auf den Bäder-, sondern auch auf den Rad- und Einkaufstourismus. Einen regelrechten Boom erlebe das Wandern, besonders seitdem die sogenannte Felsenrunde zum zweitschönsten deutschen Wanderweg gekürt wurde. Einen gesteigerten Naherholungswert soll eines Tages auch die Tälesgartenschau bringen, an deren Konzept die fünf beteiligten Kommunen noch bis zum Abgabetermin Ende des Jahres feilen.

Doch zurück zur Profilfrage. Während sich das kommunal geführte Überkinger Bad familienfreundlich gibt und beim monatlichen Sternebaden auch viele Pärchen mit Cocktails an den Beckenrand lockt, setzt die Vinzenz-Therme verstärkt auf ihren Gesundheitscharakter.

Prävention und Rehabilitation sind weiterhin bedeutsam

Dank der Fördertemperatur von 46 Grad Celsius und um einiges heißer als viele vergleichbare Quellen im Land biete es nicht nur angenehme Badetemperaturen in vier Bassins – besonders sei auch der landesweit einmalig hohe natürliche Kohlensäureanteil. Der rege nicht nur die Durchblutung an, senke den Stresshormonspiegel und erhöhe die Sauerstoffversorgung im Gewebe, sondern verbessere auch die Fließeigenschaften des Bluts. Für Chefarzt Rudolf Lorenz steht fest, dass die Kurortmedizin und ihre ortsgebundenen Heilmittel bei Prävention und Rehabilitation eine herausragende Rolle spielen. Mit seinem Slogan „Wasser, Leben, Werte“ möchte das christliche Unternehmen auch zur Besinnung und Orientierung gerade in schnelllebiger Zeit einladen. Oder wie es Ordensschwester Raphaela Heimpel, die Oberin der Vinzenz-Klinik und der Vinzenz-Therme Bad Ditzenbach philosophisch ausdrückt: „Wasser trägt alle Lasten.“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: