Sichere Passwörter und gesundes Misstrauen sind zwei Schlüssel für den sicheren Abschluss von Online-Geschäften. Foto: dpa/Visa Europe

Wo Geld ist, da lauern die Abzocker. Damit sie keinen Zugriff aufs Konto bekommen, sollte man bei Online-Geschäften wissen, wem man vertrauen kann. Der Bank-Experte Thomas Rohr hat Tipps.

Rohr - Der Lebensunterhalt muss sauer verdient werden, und kaum fließt das Geld, geht ein Teil davon an den Fiskus und die Sozialkassen, die berechtigte Anliegen haben. Leider liegen aber auch Ganoven auf der Lauer. Wer seine Geschäfte im Internet erledigt, braucht also guten Rat, damit er nicht Unbefugte durchfüttert. Thomas Rohr vom bereits 1958 gegründeten Beratungsdienst Geld und Haushalt der Sparkassen-Finanzgruppe hat im Rohrer Seniorenzentrum Hans-Rehn-Stift nach dem Motto „Bei Online-Geschäften auf der sicheren Seite“ Tipps gegeben, wie man verhindert, dass Kriminelle aufs Konto zugreifen.

Was bei Kreditkarten zu beachten ist

Fast jeder braucht heutzutage eine Kreditkarte. Für den sicheren Umgang damit ist es unerlässlich, die Karte und die Pin getrennt voneinander aufzubewahren. Nach dem Erhalt der Karte sollte man sie sofort unterschreiben. Um die Übersicht zu behalten, muss man die Abrechnungen kontrollieren. Wer sie verliert, sollte die Karte sperren lassen. Die Notrufnummer fürs Sperren lautet 116 116. Wichtig ist auf jeden Fall ein geeignetes Passwort zu wählen. Dabei sind das eigene Autokennzeichen, Vornamen und Geburtsjahre eher ungeeignet. Gut ist eine Anzahl von Zeichen und Ziffern, die man sich mit einer Eselsbrücke merken kann. Beispiel: ZSInM1BhuaEgdD! Was kompliziert aussieht, löst sich einfach auf, denn jeder Buchstabe steht für einen Wortanfang. Dann ist die Pin die Abkürzung für den Satz: Zweiundzwanzig Spieler laufen neunzig Minuten 1 Ball hinterher und am Ende gewinnen die Deutschen!

Vorsicht vor manipulierten Geldautomaten

Es gibt mehrere Methoden, wie Gauner an Kontonummern und Pins kommen. Vor allem an Wochenenden präparieren sie Geldautomaten. Sie versehen sie zum Beispiel mit einem falschen Kartenschlitz und einer falschen Tastatur, die über der echten liegt. Damit greifen sie die Daten ab, die der Bankkunde eingegeben hat. Der Bankkunde selbst bekommt mit dieser Konstruktion keine Auszahlung. „Wenn Sie vor allem an Wochenenden keine Auszahlung bekommen, obwohl sicher ist, dass Sie Geld bekommen sollten, dann lassen Sie dies nicht auf sich beruhen. Wenden Sie sich mit Ihrem Verdacht auf Manipulation an die Polizei“, rät Thomas Rohr. Um Betrügern das Handwerk zu erschweren, werde es künftig nicht mehr genügen, zum Beispiel an Tankstellen zum Bezahlen die Kreditkarte durchzuziehen. Wahrscheinlich komme die Zwei-Faktor-Autorisierung mit Geheimzahl und Fingerabdruck.

Kriminelle fälschen Mails und Internetseiten

So wie im realen Leben falsche Polizeibeamte unterwegs sind, so sind es im Internet falsche Banken und falsche Anwälte. Wer von seiner vermeintlichen Bank auf eine täuschend echte Webseite weitergeleitet wird, mit der Aufforderung seine Tan-Nummern fürs Online-Banking auszufüllen, sollte die Nachricht sofort löschen. „Wenn Sie das ausfüllen, dann ist Ihr Geld weg. Sinnieren Sie erst gar nicht nach, ob die Nachricht echt ist. Niemals bekommen Sie von Ihrer Bank eine solche Aufforderung per E-Mail“, sagt Thomas Rohr. Eben so wenig gebe es Anrufe vom Bankberater mit der Aufforderung, die Tan-Nummern herauszugeben. „Lassen Sie sich nicht von der Bank-Nummer auf dem Telefondisplay irritieren. Die kann man manipulieren. Auch die Polizei ruft Sie nicht unter der Notrufnummer 110 an“, sagt Thomas Rohr. Weitere Indizien für Phishing-Mails seien „Schreiben von Online-Shops oder Firmenketten, mit denen Sie nie geschäftlich zu tun hatten. Es geht um Waren, die Sie nie bestellt haben. Oder es werden Gebühren für Kreditkarten fällig, die Sie gar nicht besitzen. Ihnen wird mit einem Inkasso-Unternehmen gedroht, Ihr Name ist falsch geschrieben und taucht in der so genannten Mahnung gar nicht auf“, führt Thomas Rohr weiter aus.

Zwei sichere Online-Bezahlverfahren

Paypal und Paydirekt bieten laut Thomas Rohr sichere Online-Bezahlverfahren. Sie sind laut Thomas Rohr für Verkäufer und Kunden risikolos. Das amerikanische Paypal habe gegenüber der europäischen Variante Paydirekt den Vorteil, dass es weltweit verbreiteter sei. „Die Europäer wollten mit Paydirekt eine bessere Variante anbieten, aber sie haben zehn Jahre gebraucht, bis sie fertig war. Das hat Paypal einen Vorsprung gegeben, den Paydirekt nur schwer aufholen kann. Bis jetzt gibt es weltweit zwei Millionen Annahmestellen. Das ist nicht viel“, sagt Thomas Rohr.

Gefahren beim Zahlen mit dem Handy

Die Zukunft des Zahlens kommt per Funk oder mit dem Handy. Künftig haben Bankkarten ein Symbol, dass sie funken können. „Wer im Supermarkt seine Bankkarte im Abstand von maximal vier Zentimetern an ein Lesegerät hält, der kann zur Zeit noch bis maximal 25 Euro einkaufen. Das geht vier mal am Tag. Damit will der Handel das Bezahlen beschleunigen“, erläutert Thomas Rohr. Meistens trage man seine Karte im Geldbeutel. Damit nun im Gedränge der S-Bahn niemand mit einem Lesegerät die Daten abgreifen könne, gebe es sehr teurere Geldbeutel. „Sie sind mit Aluminium und noch einem anderen Metall versehen, damit kein Funksignal nach außen dringt.“ Das Zahlen mit dem Handy funktioniere bereits mit Android-Geräten, bald auch mit dem iPhone. Wer das Handy knacken wolle, habe es besonders schwer, denn er müsse erst den Fingerabdrucksensor oder die Gesichtserkennung überlisten, dann gebe es noch vier Sicherheitsstufen: „Ihm geht es wie einem Einbrecher, der nach der Haustüre vor vier weiteren verschlossenen Türen steht, bevor er am Tresor ist“, sagt Thomas Rohr.

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