Szene aus dem Theaterstück Netzflimmern in der BW-Bank Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Mit dem Theaterstück Netzflimmern, das kostenlos an Schulen gastiert, wollen verschiedene Initiatoren auf die Gefahren Aufmerksam machen, die die digitale Welt für Schüler bietet.

Stuttgart - Mama ist entsetzt: Da kommt sie einmal unverhofft ins Zimmer des pubertierenden Sohnes, und schon erwischt sie ihn mit runtergelassener Hose bei der Anfertigung von Bildern, die offenbar verschickt werden sollen. Ein Vater schafft es nicht, seine Tochter vom Smartphone loszueisen. Schließlich rutscht ihm die Hand aus.

Die Szenen stammen aus dem Theaterstück „Netzflimmern“, das der Theaterpädagoge Allan Mathiasch und seine Bühnenpartnerin Daniela Baumgärtner erarbeitet haben. Auftraggeber ist jene Stuttgarter Sicherheitspartnerschaft von Stadt, Polizei, Schulamt, Landesmedienzentrum und der BW-Bank, die bereits seit 2012 aufklärende Stücke auf den Weg bringt. Diesmal steht unter der Schirmherrschaft von OB Fritz Kuhn die Medienkompetenz im Mittelpunkt. Zielgruppe sind vor allem die Eltern von Fünft- und Sechstklässlern. Gespielt wird direkt an interessierten Schulen.

21 Prozent waren schon Opfer von Cybermobbing

„Das Problem brennt uns auf den Nägeln“, erklärt Ordnungsbürgermeister Martin Schairer. „Einer aktuellen Erhebung zufolge sind 21 Prozent der Kinder und Jugendlichen schon einmal Opfer von Cybermobbing geworden. Prävention ist also unerlässlich.“

„Heute sind 98 Prozent der Jugendlichen intensiv im Netz unterwegs“, ergänzt Polizeipräsident Franz Lutz. „Das Bewusstsein dafür, wie rasant sich üble Nachrede oder peinliche Bilder online verbreiten, ist bei vielen von ihnen leider nicht vorhanden. Gleiches gilt für die Tatsache, dass Beleidigungen oder die Verletzungen der Rechte am eigenen Bild Straftatbestände sind.“

Viele Anzeigen, hohe Dunkelziffer

Hinzu kommt die Gefahr, Kontakt suchenden Pädophilen zu begegnen. Etwa 1000 Anzeigen, die mit Internetdelikten zusammenhängen, werden jährlich in Stuttgart erstattet. Die Dunkelziffer ist hoch. Eltern mangelt es oft nicht nur am Wissen über die Gefahren, die im Netz lauern, es fehlt auch an Erfahrungen im Umgang mit Whatsapp. Wer weiß, dass schon Zwölfjährige täglich bis zu 3000 Nachrichten erhalten, versteht vielleicht besser, warum sie nur schwer vom Smartphone loskommen.

Wer in die Welt von kryptischen Chat-Kürzeln wie „wm“ („was machst?“) eintaucht, kann sich besser vorstellen, wie es zu dieser Flut an Botschaften kommt. Das ist eine gute Basis, um sich zu positionieren, mit dem Nachwuchs ins Gespräch zu kommen und Lösungen zu finden. Es gehe nicht darum, Verbote auszusprechen, stellt Barbara Graf, die Schulleiterin des Hegel-Gymnasiums, klar. „Man kann die Kinder nicht von der virtuellen Welt fernhalten, und wir wollen auch nicht mit erhobenem Zeigefinger auftreten. Das macht es besonders interessant, das Thema mit dem Medium Theater anzugehen.“

„Unser Stück zielt eher auf das Bauchgefühl ab“, bestätigt Mathiasch. „Deshalb beziehen wir das Publikum auch direkt ins Geschehen ein.“ Für die harten Fakten stehen Experten von Polizei und Landesmedienzentrum als Ansprechpartner bereit. Auch zusätzliche Workshops sind möglich. Was die Anzahl der Aufführungen angeht, gibt es keine Obergrenze, wie der Schauspieler betont: „Es wäre toll, wenn wir alle weiterführenden Schulen erreichen könnten.“

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