Unter vier Augen: Die Jungs von Elektro Guzzi. Foto: Klaus Pichler

Am 22. Mai gastieren die Jungs von Elektro Guzzi gemeinsam mit dem Stuttgarter Kammerorchester im Theaterhaus.

Denken Sie an einen Raum, in dem gerade Klassik gespielt wird. Vermutlich haben Sie ein bedächtig lauschendes Publikum vor Augen, tief in die Musik versunkene Streicher und einen Dirigenten, der jede Note lebt. Denken Sie nun an einen Raum, in dem gerade Techno gespielt wird. Womöglich sehen Sie jetzt ein paar umherwabernde Körper im Neonlicht, schwitzende Menschen, die ihre Tanzleistung gegebenenfalls auch mit ein wenig Chemie verbessert haben. Und denken Sie nun an ein Konzert, bei dem das Stuttgarter Kammerorchester gemeinsam mit dem österreichischen Techno-Trio Elektro Guzzi auftritt. Wie geht das zusammen? Geht das überhaupt? Am 22. Mai treffen die beiden im Theaterhaus aufeinander, und zwar im Rahmen der Reihe „Klassik? Klassik!“, die jedes Mal wieder aufs Neue beweist, dass das Klassik-Genre keineswegs angestaubt ist.

Keine gewöhnliche Techno-Truppe

Wobei Elektro Guzzi keine gewöhnliche Techno-Gruppe ist. Sie spielen sogenannten akustischen Techno: Jakob Schneidewind steht am E-Bass, Bernhard Breuer bedient das Schlagzeug und Bernhard Hammer die Gitarre. Aber wie kommt es denn überhaupt zu so einer Kooperation? Elektro Guzzi stehen Rede und Antwort: Nach einem Konzert, das die drei gemeinsam mit einem Ensemble für Alte Musik – Trompete, Barockharfe und Cello – in Innsbruck gespielt hatten, sei der geschäftsführende Intendant des Stuttgarter Kammerorchesters, Markus Korselt, mit der Idee an sie herangetreten, gemeinsam ein Konzert zu spielen und dafür ein abendfüllendes Stück zu komponieren, erzählen sie. Als Ausgangsbasis diente „Shaker Loops“ von John Adams, aus dem sie auch Teile spielen werden.

Vielfältige Klangmöglichkeiten des Orchesters

Als besonders reizvoll empfinden sie die vielfältigen Klangmöglichkeiten der einzelnen Streichinstrumente, aber auch den Gesamtklang des Orchesters: „Wir haben die Komposition so angelegt, dass das Orchester in seiner gesamten Klangfülle vorkommt, aber auch einzelne Instrumente und Gruppen detailliert hörbar sind und mit unserem Sound verschmelzen werden.“ Dies funktioniere, weil es bei elektronischer und neuer klassischer Musik überraschend viele Überschneidungen gebe. Experimenteller Techno und Spielformen der Neuen Musik wie Minimal Music hätten sich stets gegenseitig beeinflusst. „Komponisten wie Iannis Xenakis, Giacinto Scelsi und Morton Feldman haben sich zudem immer für elektronische Musik interessiert und ihre Konzepte wurden in der elektronischen Musik übernommen.“

Durchgehendes hypnotisches Set

Und wie läuft so ein Abend ab? Elektro Guzzi: „In der Trioformation spielen wir immer ein durchgehendes hypnotisches Set. Dieses Konzept werden wir auch auf diese Besetzung umlegen beziehungsweise die Komposition dementsprechend anlegen. Allerdings wird es einerseits Teile geben, die das Orchester allein bestreitet. Und andererseits werden wir ebenfalls einen Teil nur im Trio spielen.“ So verspricht die Kollaboration also sowohl für Techno-Fans als auch für Klassik-Enthusiasten eine horizonterweiternde Erfahrung. Für die Techno-Herren sind Genregrenzen ohnehin nicht relevant: „Da wir selbst nicht in derartigen Kategorien denken, und wir auch glauben, dass das Publikum keine derartigen Klassifizierungen braucht, soll es an dem Abend vor allem um die Entstehung eines gemeinsamen neuartigen Klangs gehen und den Spaß am gemeinsamen Experiment, diese Komposition umzusetzen.“ Der Spaß dürfte dabei jedoch nicht nur auf Künstlerseite, sondern auch auf der des Publikums sein.

Elektro Guzzi und SKO: 22. Mai, 20 Uhr, Theaterhaus, Tickets unter 07 11 / 4 02 07 20 und online buchbar. 

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