Georg Hartmann führt mit einer Stuttgarter Investorin Böses im Schilde. Foto: Horst Rudel

Noch in drei Aufführungen ist Martin Kaufmann als gerissener Schultes Georg Hartmann zu erleben.

Rudersberg - Das Dorf Steinenberg im Wieslauftal ist bekannt für seine Freilicht-Theatertradition. Alle zwei Jahre schließen sich mehrere Amateur-Ensembles zusammen, um am Dorfplatz eine groß angelegte Aufführung zu stemmen, für die eigens Tribünen angemietet werden und die Zuschauer aus einen größeren Umkreis anreisen. Nicht nur der schönen Dorfkulisse wegen, nicht nur wegen der vielen Fahrzeuge, welche die Steinenberger in die Aufführung einbauen, dieses Mal mit einer noch größeren Attraktion. Im Stück „’S Freibädle muaß bleiba!“ spielt Martin Kaufmann mit, der amtierende Bürgermeister von Rudersberg – und zwar als der Schultes Georg Hartmann. „Es macht riesig Spaß“, sagt Martin Kaufmann über seine neue Rolle, die ihm die Theatertruppe um den Regisseur Rolf Kappler zum Geburtstag geschenkt hat.

Hartmann hat Schlimmes vor

Martin Kaufmann ist im vergangenen Jahr 50 Jahre alt geworden, er hatte bei früheren Gelegenheit schon geäußert, am liebsten mitspielen zu wollen – und die Theaterleute, gut ein dutzend Spieler und viele, viele Helfer, nahmen ihn beim Wort. Im Stück von Marina Kunzi gibt Kaufmann nun den Bürgermeister Georg Hartmann, der freilich mit seinem Flecken wenig Gutes im Schilde führt. Der Schultes will einer Stuttgarter Investorin dazu verhelfen, in seiner Gemeinde ein Wellness-Hotel samt Golfplatz zu bauen. Und das anstelle des geliebten Freibädles, welches es im Original in Steinenberg tatsächlich gibt, das aber politisch völlig unangefochten ist und nur wegen eines Fließenschadens und Personalmangels gegenwärtig geschlossen ist.

Georg Hartmann muss nun aber als cleverer Schultes agieren, der nicht nur einem Dorfbewohner ein Wiesle für einen Golfplatz abschwatzt, sondern auch den Versuch der Dorfbewohner, die Bädlespleite mit einer Modenschau zu retten, durchkreuzen will und dafür in das Kostüm eines Einbrechers schlüpft. In den Dialogen im schwäbischen Idiom muss Hartmann einiges erleiden, immer wieder wird er spaßhaft beschimpft, man kann sogar an einigen Stellen leise Andeutungen auf seine aktuelle Kandidatur als Oberbürgermeister in Leonberg herauszuhören. „Das ist natürlich eine Rolle“, versichert Kaufmann, der im Theater am Hochdeutsch festhält.

Anleihe bei Donald Trump

Am Schluss des Stücks gelingt den Dorfbewohnern eine spektakuläre Rettung ihres Freibädles. Der anfangs skrupellose Georg Hartmann geht geläutert aus der Sache hervor, und für seinen finalen Ausruf bekommt er am Ende viel Beifall: „Make Steinenberg great again!“

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