The Beatles live 1964: John, Paul, George und Ringo Foto: imago images/Kyodo News

Am 10. April 1970 erklärte Paul McCartney öffentlich seinen Ausstieg bei den Beatles und besiegelte damit, vor genau 50 Jahren, das Ende der einfluss- und erfolgreichsten Band der Musikgeschichte - ein Blick auf die letzten Ereignisse.

Am 30. Januar 1969 standen John, Paul, George und Ringo auf dem Dach des "Apple"-Gebäudes in der Londoner Savile Row, um mit dem "Rooftop Concert" ihren letzten Live-Auftritt zu geben. Das letzte Mal gemeinsam im Studio standen die vier am 18. August 1969 für "The End", den letzten Song ihres Albums "Abbey Road". Die letzte Zeile daraus klingt wie die eigene programmatische Liebeserklärung an die Scheidung: "And in the end the love you take is equal to the love you make." Das im Mai des darauffolgenden Jahres veröffentlichte "Let It Be" sollte offiziell ihre letzte Platte werden, doch "Abbey Road" war ihr eigentliches Goodbye.

"Abbey Road - 50th Anniversary (Ltd. 3LP Box)" - das legendäre Album der Beatles jetzt hier auf Vinyl bestellen

Aber bereits hier lagen zwischen den Musikern unausweichliche Spannungen in der Luft der Londoner Abbey Road Studios. Etwa einen Monat nach jenen Aufnahmen teilte John Lennon (1940-1980) seinen drei Bandkollegen mit, dass er die Gruppe verlässt. Sie hielten die Trennungspläne noch einige Zeit geheim, bevor Paul McCartney (77) am 10. April 1970 öffentlich seinen Ausstieg erklärte und damit das Ende der Beatles besiegelte. Und so löste sich, vor genau 50 Jahren, die einfluss- und erfolgreichste Band der Musikgeschichte auf.

Einfach auseinandergelebt?

"Es ist nur eine Band, die auseinandergeht. Es ist nicht das Ende der Welt", spielte Lennon die historische Entscheidung anschließend herunter. Doch es war eben nicht einfach nur eine Band, sondern womöglich die wichtigste kulturelle Institution aller Zeiten. Der Einfluss der Beatles nicht nur auf die Musikwelt, wie sie heute existiert, kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Film, Mode, Lifestyle - gerade das Leben in den westlichen Ländern atmet das Werk und Wirken der Fab Four.

Erst knapp fünf Jahre nach McCartneys offizieller Erklärung, am 9. Januar 1975, waren die Beatles dann auch auf dem Papier getrennt, da sie sich in einem komplizierten Rechtsstreit lange nicht einigen konnten. Und obgleich die formale Trennung erst deutlich später stattfand, war die berühmteste Band der Popkultur noch zu aktiven Zeiten längst keine Einheit mehr. Aus der Liverpooler Jugendliebe wurde im Laufe der Jahre eine alte, zerstrittene Ehe. Haben sich die Beatles einfach auseinandergelebt, war es wirklich so einfach? Was war mit den geschäftlichen Differenzen um ihren Manager Allen Klein und war nicht vor allem, wie durch Fans und Medien über Jahrzehnte hetzerisch befeuert, Yoko Ono (87) Schuld am Ende der Band?

Lennon vs. McCartney statt Lennon & McCartney

Letztere These entkräftete dann Sir Paul McCartney höchstpersönlich, allerdings erst viele Jahre später. Im Jahr 2012 gab Macca gegenüber Moderatoren-Legende David Frost - derselbe Frost, der sich einst mit Richard Nixon duellierte - zu, dass es "nicht Yoko Onos Schuld war". Natürlich habe es ihn und die anderen beiden oft genervt, dass Lennons Neue ständig im Studio abhing und das männliche Quartett in seiner kreativen Geschlossenheit störte. Dass Ono aber als Persona non grata von vielen Beatles-Anhängern für die Trennung der Band verantwortlich gemacht wurde, hielt McCartney für Unsinn. "Sie hat sicher nicht die Gruppe auseinandergebrochen. Die Gruppe ist selbst auseinandergebrochen." Im Zentrum dieses Konflikts dürfte dabei die Entfremdung der einst so engen Männer-Musiker-Freundschaft des Songwriter-Duos Lennon/McCartney gestanden haben, die in einer Pressemitteilung heute unter dem Deckmantel "kreativer Differenzen" abgehakt würde.

Die durch die immer größeren Erfolge gestiegenen Erwartungen an die Band ließen auch den Wettstreit nach dem "besten Beatle" innerhalb der Gruppe ansteigen. Drummer Ringo Starr (79) und gerade das fünfte Rad am Wagen, Lead-Gitarrist George Harrison (1943-2001), der auf die Lebenszeit-Rolle des unterschätzten Beatle abonniert war, fühlten sich schon länger schöpferisch unterfordert und von den musikalischen Leadern unterbuttert - beide stiegen zwischenzeitlich sogar aus der Band aus. Auch Lennon war mit McCartneys Art und Weise, Songs zu komponieren, nicht mehr glücklich, obwohl sein eigenes Songwriting durch den hohen Heroinkonsum gegen Ende ebenfalls verhältnismäßig schwach ausfiel. Und müsste man, wenn überhaupt, nicht ihm Vorwürfe für das Infiltrieren der japanisch-amerikanischen Künstlerin machen? So war es doch gerade Lennon, der darauf bestand, Yoko Ono als seine Muse mit ins Studio zu nehmen und bei Beatles-Songs mitzuwirken. Höchstwahrscheinlich wäre John Lennons Solo-Werk ohne Onos Einfluss nicht annähernd stark von Avantgarde und Experimentellem inspiriert gewesen - er hätte Jahrhundert-Songs wie "Imagine" oder "Jealous Guy" vielleicht gar nicht erst geschrieben.

Der Anfang vom Ende

Zusätzlich zu den künstlerischen und persönlichen Problemen wurde damals auch finanziell ein Keil zwischen die Beatles getrieben, der das Fass schließlich zum Überlaufen gebracht haben dürfte. Nach dem Tod ihres geliebten Musikmanagers Brian Epstein, der 1967 an einer Überdosis Tabletten starb, übernahm der knallharte US-Geschäftsmann Allen "The Shark" Klein dessen Posten. Laut ihm wollte Lennon für die geschäftlichen Angelegenheiten "einen richtigen Hai, damit die anderen Haie uns in Frieden lassen". Er sollte die Beatles vor weiteren Schulden bewahren und ihnen die Rechte an ihrem Songkatalog wiederholen. Doch Kleins krude Verhandlungsstrategie ging nicht auf. "Du nimmst uns aus. Ich weiß nur noch nicht wie", soll Paul McCartney, der von Anfang an gegen einen Vertrag mit Klein war, innerhalb kürzester Zeit erkannt haben.

Der Zwist mit Epsteins Nachfolger ging in die Popmusik-Annalen ein und besiegelte den Anfang vom Ende der Band. 1969 unterschrieben Lennon, Harrison und Starr einen Vertrag von Allen Klein, der den finanziellen Konflikt zwischen den vier Musikern anheizte. "John wollte zu Klein, also gingen George und Ringo mit ihm", erklärte McCartney später in der "Beatles Anthology". "Eigentlich haben wir es immer so gehandhabt, dass alle vier Bandmitglieder einem Plan zustimmen mussten, sonst wurde er verworfen. Diese Drei-gegen-Eins-Situation war also sehr seltsam und hat einige Dinge in Gang gebracht." Als sich die Gruppe dann 1970 trennte, verklagte McCartney sogar seine ehemaligen Bandkollegen, um seine Obligationen von Klein loszuwerden - der wiederum wurde von den anderen drei verklagt.

Und so bleibt die Auflösung der Beatles auch 50 Jahre später eine Aneinanderreihung verschiedener Ereignisse, die die Gruppe entfremden ließ. Eine Reunion schien nie infrage zu kommen, auch wenn sie nicht unmöglich war. Doch jegliche Hoffnung auf eine Wiedervereinigung wurde spätestens in der Nacht des 8. Dezembers 1980 begraben, als John Lennon vom geistig verwirrten Mark David Chapman auf offener Straße vor dem Dakota Building in New York erschossen wurde. Die Beatles waren für immer Geschichte.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: