Per „Drive-Through“ auf dem Wasen zum Corona-Test. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Seit Kurzem gibt es auf dem Wasen eine neue Corona-Abstrichstelle. 3000 Tests pro Tag sind möglich. Der Abstrich ist für die Patienten unangenehm – und für manche Mitarbeiter nicht ganz einfach.

Stuttgart - Auf dem Cannstatter Wasen, wo sonst im September Volksfest-Fans in Lederhosen oder im Dirndl in Bierzelten feiern, Boxauto fahren oder sich Lebkuchen-Herzen schmecken lassen, stehen heute weiße Container, wartende Autos und Fußgänger – und statt Wasen-Trachten tragen einige Leute blaue Kittel, FFP2-Masken und Handschuhe. Die Rede ist vom Corona-Testzentrum, das seit vergangenen Montag in Betrieb ist – und bis März 2021 den Stuttgartern mit einem entsprechenden Nachweis für einen kostenlosen Corona-Test zur Verfügung steht. Bis dahin sollte erfahrungsgemäß die Grippe-Welle überstanden sein.

Über 2500 Testpersonen in den ersten vier Tagen

Ob Reiserückkehrer, Menschen mit Symptomen, Lehrer oder weitere Personengruppen – hier dürfen sich all diejenigen kostenlos testen lassen, die beispielsweise eine Überweisung vom Arzt oder vom Gesundheitsamt vorweisen, ein Reisedokument oder einen „Gutschein“ vom Schulamt mitbringen. „Manche Leute kommen auch einfach so, die müssen wir dann wieder wegschicken“, erzählt einer der Mitarbeiter.

Am Freitagmorgen stehen 19 Autos in der Schlange vor den weißen Containern. Jene sind mit weißen Zeltdächern verbunden, unter denen die PKWs stehen bleiben. Sechs Spuren gibt es für die Autofahrer, dazu zwei Schlangen für Radfahrer und Fußgänger. „In der Regel warten die Leute nicht mehr als eine Viertelstunde“, sagt Hausarzt Dr. Hans-Jörg Wertenauer, Leiter des Testzentrums.

Mit insgesamt 2578 Testpersonen bis Donnerstagabend hatten die Mitarbeiter der neuen Abstrichstelle schon zum Start alle Hände voll zu tun. Am alten Standort in der Jugendherberge Neckarpark konnten sie 600 Testungen am Tag durchführen. Jetzt sind in Zusammenarbeit mit den Laboren von Synlab in Leinfelden-Echterdingen und dem Klinikum Stuttgart sogar bis zu 3000 Tests pro Tag möglich. Rund 360 000 Euro lässt sich die Stadt Stuttgart bis Ende März 2021 die Teststation kosten, dazu kommt der Anteil, den die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) trägt.

Mit dem Wattestäbchen bis zum Gaumen

Wer von den Testpersonen an der Reihe ist, muss erst die Online-Terminbestätigung vorzeigen, einen entsprechenden Nachweis für einen kostenlosen Test liefern und anschließend die Krankenkassenkarte (Privatversicherte den Personalausweis) vorlegen. Dann folgt der für die meisten Patienten unangenehmste Teil: Einmal mit dem Wattestäbchen tief in den Rachen bis zum Gaumen, anschließend das gleiche Spiel durch die Nase. „Pro Patient brauchen wir weniger als vier Minuten“, berichtet einer der Mitarbeiter. Das Ergebnis erhalten die Testpersonen nach zwei bis drei Tagen.

Stefanie Moch (27) aus Stuttgart-Wangen, die sich aufgrund von Halsschmerzen und Schnupfen testen ließ, berichtet: „Es war alles ziemlich einfach und ging schnell.“ Der Abstrich selbst sei „ziemlich unangenehm“ gewesen: „Ich wusste nicht, dass man so tief in die Nase kommt.“

Auch für einige der 19 Mitarbeiter, von denen der Großteil keine medizinische Ausbildung hat, ist der Abstrich nicht ganz einfach: „Der größte Fehler ist, wenn sie nicht beherzt genug reingehen und dann zum Beispiel zu wenig Sekret am Stäbchen haben. Dann würde man jemanden falsch negativ testen, und dieser könnte Leute anstecken“, sagt Dr. Wertenauer. Dann doch lieber das unangenehme Gefühl in Kauf nehmen.

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