Anfang Juni 2018 wurde der Angeklagte bei Heidelberg festgenommen. Foto: dpa

Mit gerade mal 14 Jahren soll er für die Terrormiliz IS gekämpft und getötet haben. Seit Dienstag steht der junge Mann in Stuttgart vor Gericht. Er lebt seit mehr als zweieinhalb Jahren in Deutschland.

Stuttgart/Heidelberg - Rund vier Jahre nachdem er in seiner Heimat Irak als jugendlicher IS-Terrorist gegen die Regierung gekämpft und getötet haben soll, steht ein 18-Jähriger in Stuttgart vor Gericht. Der Iraker, der seit mehr als zweieinhalb Jahren in Deutschland lebt, räumte am Dienstag beim Prozessauftakt am Oberlandesgericht ein, sich schon im Alter von 14 Jahren dem IS angeschlossen zu haben.

Nachdem sein Vater im Jahr 2008 von Unbekannten erschossen und er fortan von seinem ältesten Bruder immer wieder blutig geschlagen und gequält worden sei, habe er einen eigenen Platz im Leben gesucht, sagte er zur Begründung. „Ich war wie sein Sklave“, sagte der Angeklagte in gutem Deutsch. Ausgiebig äußerte er sich zu seinem Lebenslauf und der Zeit beim IS. „Ich bin im Krieg geboren. Ich kenne nichts anderes.“

Anklage: Mitgliedschaft in einer Terrorvereinigung

Laut Anklage soll er im Sommer 2015 an blutigen Kämpfen gegen die irakische Armee beteiligt gewesen sein. Im Herbst 2015 kehrte er den Angaben zufolge dem IS den Rücken und verließ den Irak in Richtung Europa. Im Februar 2016 kam er nach Deutschland. Anfang Juni 2018 wurde er bei Heidelberg festgenommen.

Gerade 14 Jahre alt nahm er laut Anklage in einem Ausbildungslager an paramilitärischen Schulungen teil. Danach leistet er zunächst vor allem Wachdienste. Angeklagt ist er wegen Mitgliedschaft in einer Terrorvereinigung im Ausland. Auch versuchter Totschlag und die Teilnahme an der Sprengung einer Moschee in Baidschi wird ihm vorgeworfen.

Als zentrale Frage für den Prozess bezeichnete der Vorsitzende Richter Hartmut Schnelle am Dienstag die Frage, warum sich der junge Mann damals dem IS anschloss, obwohl sein Vater womöglich von islamistischen Terroristen ermordet worden sein soll. „Da brauchen wir eine Antwort“, sagte Schnelle.

Der Asylantrag des 18-Jährigen in Deutschland ist abgelehnt, er lebt mit einer zeitlich begrenzten Duldung hier. Das OLG hat neun weitere Verhandlungstage bis zum 17. Januar 2019 eingeplant.

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