Die Besucher von Rock am Ring bringen ihren Protest gegen die ständig schwelende Terrorgefahr zum Ausdruck. Foto: dpa

Die Empörung des Konzertveranstalters Marek Lieberberg mag vordergründig verständlich sein – seine Äußerungen sind es mitnichten, kommentiert Lukas Jenkner.

Stuttgart/Nürburg - So verständlich die Empörung des Konzertveranstalters Marek Lieberberg angesichts der Unterbrechung des Mega-Festivals Rock am Ring am Freitagabend wegen Terroralarms vordergründig gewesen sein mag, so problematisch sind seine Äußerungen bei näherer Betrachtung.

Dies gilt erstens für seine Unterstellung, dass die Sicherheitsbehörden mit zweierlei Maß messen würden. Als Beispiel nennt Lieberberg den Fußball und speziell das Champions-League-Spiel von Borussia Dortmund gegen AS Monaco, das nur einen Tag nach dem Bombenanschlag auf den Mannschaftsbus von Borussia stattfand. Nun hat sich der Konzertmanager zu einem Zeitpunkt echauffiert, zu dem noch unklar war, ob nicht das komlette Festival abgebrochen wird, und am Samstagmittag ging es ja dann doch weiter – so wie seinerzeit in Dortmund, möchte man anfügen.

Fakt bleibt aber: Jedes Großereignis hat seine eigene Sicherheitslage und muss individuell bewertet werden. Vergleiche zum Beispiel zwischen Champions-League-Spielen und Musikfestivals verbieten sich schlicht. Schon der Veranstaltungsort macht aus jedem Großreignis einen Einzelfall. Und es muss immer noch gelten: Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig Alarm schlagen. Was in diesen Zeiten leider möglich ist, hat erst vor wenigen Tagen der grauenvolle Anschlag auf das Popkonzert in Manchester gezeigt.

Fragwürdig ist zweitens Lieberbergs pauschale Forderung an Menschen muslimischen Glaubens, gegen den islamistischen Terror Stellung zu beziehen, was bisher nicht passiert sei. Dies ist zum einen nicht wahr: Immer wieder finden sich nach Anschlägen in den Reihen der Trauernden und Protestierenden auch Muslime und sprechen sich führende Vertreter des Islam gegen den islamistischen Terror aus.

Zum anderen wird die Forderung auch durch ihre stetige Wiederholung nicht sinnvoller und richtiger. Der Terror betrifft alle friedliebenden Menschen gleichermaßen. Ein vordergründig gemeinsamer Glaube verpflichtet doch nicht dazu, sich mehr als andere Menschen gegen die Gewalt irrgeleiteter Spinner zu positionieren zu müssen.

Diese Forderung ist blanker Populismus. Dass Lieberberg, und damit ist er mitnichten in die rechte Ecke gestellt, sie in einem Moment ehrlicher Empörung stellt, macht diesen Populismus umso problematischer.

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