Rudi Molleker steht in Stuttgart im Achtelfinale und schreibt weiter an seiner Erfolgsgeschichte. Foto: Getty

Rudi Molleker hat mit seinem Sieg in Heilbronn erstmals Aufsehen in der Tenniswelt erregt, beim Turnier auf dem Stuttgarter Weissenhof legt der 17-Jährige nun gewaltig nach. Er gilt als möglicher nächster Star der Szene – daran hat womöglich auch Tennislegende Boris Becker ihren Anteil.

Stuttgart - Rudolf, den alle nur Rudi nennen, Molleker ist zum Auftakt der Rasensaison beim ATP-Turnier in Stuttgart den größten Erfolg seiner Tennis-Karriere gelungen. Der 17-Jährige besiegte zum Auftakt im deutschen Duell den elf Jahre älteren Daviscup-Spieler Jan-Lennard Struff (Warstein) überraschend 6:4, 6:7 (5:7), 6:3 und steht erstmals in einem Achtelfinale auf der ATP-Tour. „Ich habe von Anfang an gut aufgeschlagen und an meine Stärken geglaubt“, sagt der junge Mann aus Oranienburg, der in der Runde der letzten 16 am Donnerstag auf den an Position zwei gesetzten Titelverteidiger Lucas Pouille aus Frankreich trifft.

Schon beim Münchner ATP-Turnier Anfang Mai hatte Rudi Molleker zwei aufregende Erlebnisse. Zu Beginn der Tennisfestivitäten hatte ihn Alexander Zverev zu einem Sparringsprogramm eingeladen, eine gute Stunde ging es „hart und anstrengend zur Sache“, erzählt Molleker. Doch ein weiterer spektakulärer Höhepunkt folgte noch: Zum Lehrgang der besten deutschen Junioren stieß auch ein gewisser Boris Becker hinzu. Becker habe ihm den ein oder anderen technischen Kniff verraten, so Molleker, aber das Wichtigste sei der Austausch mit dem legendären Champion über die „mentale Seite“ gewesen: „Es war eine absolut großartige Erfahrung“, sagt Molleker, „wenn er spricht, vergisst du alles um dich herum.“

Molleker ist 17 Jahre und sechs Monate alt, also nur etwas jünger als Becker, als der in Wimbledon zu seinem historischen Triumph stürmte, vor fast 33 Jahren. Aber die Zeiten dieser jugendlichen Himmelsstürmer sind vorbei im Welttennis, Karrieren haben heute einen ganz anderen Zeithorizont, manche Spitzenspieler sind froh, wenn sie einen Grand-Slam-Titel noch um die 30 gewinnen. Molleker, der draufgängerische Teenager, hat also noch gebührend Zeit, um seine Talente zur vollen Entfaltung zu bringen.

Molleker fühlt sich als Beckers Protegé

Aber Molleker ist ehrgeizig, hungrig, gierig nach Erfolg. Er will nicht übermäßig lange warten, und dass er schon in seinem Alter und in diesem Stadium seiner Karriere zu Außergewöhnlichem in der Lage ist, zeigte er beim sehr gut besetzten Challenger-Turnier in Heilbronn: Die Organisatoren gaben dem hoffnungsvollen Burschen eine Wildcard, um erstmals bei einem Wettbewerb dieser Kategorie mitzumischen. Und was tat Molleker? Er reihte Sieg an Sieg aneinander, und im Finale schlug er schließlich mit dem Tschechen Jiri Vesely einen ausgebufften Top-100-Spieler. „Unwirklich“ sei das alles, sagte Molleker später, „das ist bisher der beste Moment meiner Karriere“. Und dann schickte Molleker noch einen Dank an den Mann hinterher, als dessen Protegé er sich empfindet, an Boris Becker: „Es hat mir unheimlich geholfen, mit ihm zu reden. Ich war bei diesem Sieg so stark wie nie zuvor in den kritischen Momenten.“

Das, in der Tat, war Mollekers bisheriger Malus: Molleker hatte und hat zwar alle Schläge drauf, die es braucht, um im Tennis vorneweg mitzumarschieren. Aber er brachte dieses Potenzial nur sehr launisch auf den Platz, er schwankte zwischen erstklassigen und mittelmäßigen Leistungen. Vieles davon hatte auch mit dem Erwartungsdruck von außen, aber auch von Molleker selbst zu tun, immerhin gilt der junge Kerl aus Brandenburg schon seit vielen Jahren als das „next big thing“ im internationalen Tennis. Ein Film, den der Berliner Sender RBB vor einiger Zeit über Molleker anfertigte, trug den Titel „Von Oranienburg nach Wimbledon“, Molleker konnte natürlich nichts für den Titel, aber er litt ein wenig unter dem Hintergrundgeräusch, das sich darin ausdrückte. Das Motto: Molleker, der Mann, der in Wimbledon dereinst ein Wörtchen mitsprechen wird, gar als Erbe Boris Beckers.

Mit Daviscup-Chef Kohlmann stimmte die Chemie nicht

Mit Nicola Kuhn gewann Molleker 2014 die U-14-Weltmeisterschaft, auch Kuhn wird sehr hoch gehandelt, er spielt aber mittlerweile für den spanischen Verband. Molleker ist nun der Spieler, auf dem die deutschen Hoffnungen für die Generation nach Alexander Zverev ruhen, ein verrückter Gedanke irgendwie, da Zverev auch gerade erst so richtig loslegt. Aber die Branche, schnelllebig, wie sie ist, braucht ständig neue Gesichter, neue Projektionen für die Zukunft.

Störungsfrei ging Mollekers Entwicklung keineswegs voran in den Juniorenjahren, er war oft, zu oft verletzt. Er kam auch nicht mit jedem Trainer zurecht, auch mit Daviscup-Chef Michael Kohlmann, der ihn vorübergehend betreute, stimmte die Chemie nicht. Deswegen verließ Molleker auch rasch wieder den DTB-Stützpunkt in Oberhaching. Nun trainiert er mit dem Verbandscoach Jan Velthuis im Leistungszentrum in Hannover, es scheint wesentlich besser zu funktionieren. Alles richtig gemacht, und vielleicht ist der Weg des Youngsters in Stuttgart auch am Donnerstag noch nicht zu Ende.

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