Johannes Waller (links) und Philipp Kessler zeigen Reagenz-Gläser der sogenannten Fehling-Probe. Foto: privat

Während andere in ihrem Alter zum Fußballspielen gehen, tüfteln zwei 17-Jährige lieber im Chemielabor. Johannes Waller und Philipp Kessler aus Ludwigsburg und Tamm treffen vielleicht bald auf echte Nobelpreisträger.

Ludwigsburg - Die ersten beiden Hürden haben die Jungforscher aus Ludwigsburg und Tamm bereits erfolgreich genommen: Erster Platz beim Regionalentscheid, erster Platz beim Landeswettbewerb von „Jugend forscht“. Für die 17-jährigen Philipp Kessler und Johannes Waller geht es in dieser Woche um die nächste Herausforderung, wenn sie von Donnerstag an beim Bundeswettbewerb im fränkischen Erlangen ihr Forschungsprojekt vorstellen.

Die Grundlage für die Forschung der beiden Chemie-Asse ist die sogenannte Fehling-Probe, die im Jahr 1848 von dem 1885 in Stuttgart gestorbenen Chemiker Hermann Fehling entwickelt wurde. Sie dient als Nachweis auf reduzierende Zucker wie etwa Glucose. Sie wurde damals zur Diagnose von Diabetes eingesetzt. „Heute arbeitet man aber nur noch im Chemieunterricht in der Schule mit diesem Test“, erzählen die beiden.

Fehling-Probe als Forschungsgrundlage

Die Fehling-Probe läuft folgendermaßen ab: In zwei Reagenzgläsern befindet sich jeweils eine chemische Flüssigkeit, die sich „Fehling eins“ und „Fehling zwei“ nennen. Eine ist farblos, die andere blau. Diese werden miteinander vermischt, anschließend kommen einige Tropfen Urin des zu untersuchenden Patienten hinzu. Dann wird das Ganze auf 60 Grad erhitzt. Innerhalb von etwa zwei Minuten färbt sich das Gemisch entweder rot, oder es bleibt blau. Färbt es sich rot, ist das der Nachweis für einen erhöhten Zuckergehalt im Urin des Patienten. Mittels eines weiteren Verfahrens kann anschließend noch die tatsächliche Menge an Zucker und somit eine eventuelle Zuckerkrankheit (Diabetes) bestimmt werden. Bleibt die Testsubstanz blau, ist entweder kein Zucker enthalten, oder aber es ist ein Zucker darin, der nicht positiv auf den Test reagiert: Dazu gehört etwa der normale Haushaltszucker.

In den Lehrbüchern werde erklärt, dass sich Fructose (Fruchtzucker) bei der Reaktion zunächst in Glucose (Traubenzucker) umwandle. „Erst das macht dann auch den Zuckertest positiv und löst die Fehling-Reaktion aus“, sagt Kessler. Konkret bedeute dies, dass man bislang davon ausgegangen sei, dass Fructose langsamer sei als Glucose. Doch während ihrer monatelangen Tüftelei im Stuttgarter Schülerforschungslabor Kepler-Seminar fanden sie beim Probieren und dem Vergleich der beiden Zuckerarten hinsichtlich ihrer Reaktion bei der Fehling-Probe anderes heraus: Tatsächlich sei die Fructose geringfügig schneller und verantwortlich für die Reaktion der chemischen Stoffe. „Somit hätte man auch das Ergebnis der Fehling-Probe einige Sekunden schneller“, erklären sie.

Gute Chancen auf wichtige Praktika und Stipendien

Doch so sehr sich die beiden 17-Jährigen über ihre Entdeckung freuen: Einen praktischen Nutzen hat sie nicht. „Unsere Ergebnisse sind irrelevant, man setzt sie weder in der Medizin noch in der Forschung ein – aber wir freuen uns, dass wir es herausgefunden haben“, sagen sie. Noch viel mehr freuen würden sie sich natürlich über einen ersten Platz in Erlangen. Denn die Preisträger dürfen an der Abschlussfahrt der Nobelpreisträgertagung am 30. Juni in Lindau teilnehmen und dabei auf echte Genies treffen. Mindestens ebenso wichtig seien aber die Kontakte, um an Praktika und Stipendien zu kommen, ebenso die mögliche Teilnahme an Kongressen. „Dort trifft man immer viele interessante Menschen“, sagen Philipp Kessler und Johannes Waller. Beide wissen schon ganz genau, in welchem Bereich sie später arbeiten möchten: Im Forschungsbereich der Chemie.

Der Wettbewerb „Jugend forscht

Geschichte
: Der „Stern“-Chefredakteur Henri Nannen rief im Dezember 1965 unter dem Motto „Wir suchen die Forscher von morgen“ erstmals zur Teilnahme an „Jugend forscht“ auf.

Finanzierung
: Etwa 250 Partner wie Unternehmen, Hochschulen und Stiftungen unterstützen „Jugend forscht“ mit einer jährlichen Summe von mehr als zehn Millionen Euro.

Ablauf
: Pro Runde finden auf Regional-, Landes- und Bundesebene 112 Wettbewerbe statt.

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