Die mittelständische Wirtschaft im Südwesten sieht sich beim Technologietransfer vernachlässigt. Foto: dpa

Die Arena 2036 auf dem Unicampus in Stuttgart-Vaihingen gilt als Vorzeigeprojekt der Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft. Doch beim Technologietransfer in den Mittelstand gibt es noch viele Defizite, meint Ulrich Schreyer.

Stuttgart - Was da auf den Uni-Campus in Stuttgart-Vaihingen hingestellt wurde, kann sich durchaus sehen lassen. Nicht nur, weil der Neubau der Arena 2036 mit seiner Länge von 150 Metern und seiner Aluminiumhülle ein markantes Zeichen setzt. Auch was im Innern vorgeht, ist beachtlich. Aus den wenigen Gründungspartnern ist inzwischen eine ganze Reihe von Beteiligten mit durchaus renommierten Namen geworden: Daimler mischt ebenso mit wie BASF, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Fraunhofer-Institute und die Automatisierungsspezialisten Festo und Balluff.

Die Themen, die bearbeitet werden, weisen in die Zukunft, müssen aber heute schon angegangen werden: Bei der Arena 2036 geht es um die Fabrik von morgen, Stichwort Industrie 4.0. Es geht aber auch darum, welche Antriebe Autos künftig fortbewegen und ob überhaupt noch ein Fahrer nötig ist. Ein Ziel der Aktivitäten ist zudem, die Fahrzeuge leichter zu machen.

Doch alles, was auf dem Vaihinger Uni-Campus geschieht, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es beim Technologietransfer im Musterländle noch erhebliche Defizite gibt. Es reicht nicht, wenn Landespolitiker im Jahresturnus darauf hinweisen, mit den Ausgaben für Forschung und Entwicklung liege Baden-Württemberg europaweit mit an der Spitze. Entscheidend ist, was mit dem Geld geschieht.

Kritik von IHK und Handwerk

Und da hapert es. So verlangt etwa die Industrie- und Handelskammer Region Stuttgart, die gesamte Forschungsförderung sollte stärker auf die kleinen und mittleren Unternehmen ausgerichtet werden. Und der Baden-Württembergische Handwerkstag hat zwar im Prinzip die Absichtserklärungen des Landesbeauftragten für den Technologietransfer, Wilhelm Bauer, begrüßt, aber gleichzeitig hat er auch festgestellt, dass in Bauers Papier das Wort Handwerk nicht einmal vorkommt. Zu sehr ist der Technologetransfer immer noch auf die größeren Unternehmen ausgerichtet.

Diese können und sollen zwar die Spitze der Pyramide bilden und zeigen, wohin die Reise geht – aber diese Pyramide braucht eine solide Basis. Die Mittelständler stellen in der Summe die meisten Arbeitsplätze im Südwesten und dürfen schon deshalb nicht abgehängt werden.

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