Eine Nacht an der Raststätte Sindelfinger Wald: Hier gehen Autoknacker um. Foto: PPFotodesign Peter-Michael Petsch

Wer mit dem Wohnmobil auf Reisen geht, sollte auf den Autobahnen im Großraum Stuttgart etwas vorsichtiger sein. Offenbar sind nachts wieder Autoknacker unterwegs, die es auch nicht stört, wenn die Besitzer im Wagen schlafen.

Stuttgart - Die beiden Eheleute aus Trier merken nichts. Der 61-jährige Fahrer schläft tief und fest, seine Frau hat Ohrstöpsel, um trotz Autobahnlärm Nachtruhe zu finden. So schlägt ganz unbemerkt auf dem Gelände der Raststätte Sindelfinger Wald an der A 8 ein Autoknacker zu – und erbeutet Wertsachen wie Handy, Digitalkamera und Bekleidung. Für die Polizei gibt es keine heiße Spur.

Der Fall, der sich am Freitag zwischen 0.30 und 7.30 Uhr abspielte, ist für die Autobahnpolizei ein Alarmsignal. Offenbar sind wieder reisende Täter unterwegs, die es auf Wohnmobil-Reisende abgesehen haben. „Auf den Autobahn-Raststätten ist auch nachts viel Betrieb, deshalb fallen die Täter kaum auf“, sagt Polizeisprecher Peter Widenhorn. Sie agieren wie Phantome – selbst Täterbeschreibungen sind selten.

Offenbar sind sie nun ebenfalls wieder auf den Raststätten und Parkplätzen im Großraum Stuttgart aktiv. Und sie Besitzer im Wohnmobil schlafen. Dass die Opfer dabei mit einem Gas betäubt werden, ist meist Legende. „In diesem Fall jedenfalls gibt es keinerlei Hinweise darauf“, sagt Polizeisprecher Widenhorn.

Der Täter griff nach allem rund um den Fahrersitz

Der oder die Täter machten sich unauffällig am Schloss der Fahrertür des Wohnmobils zu schaffen – das dürfte im Grundrauschen der Autobahn relativ lautlos gewesen sein. „Anschließend griff der Täter nach allem, was rund um den Fahrersitz zu greifen war“, so Widenhorn. Dazu gehörten Hemd und Hose, ein Rucksack mit einer Digitalkamera, ein Mobiltelefon – der Wert wird auf mehrere Hundert Euro geschätzt. Besonders ärgerlich für das Paar aus Rheinland-Pfalz: Die Alarmanlage war nicht aktiv.

Droht nun eine neue Serie von Wohnmobil-Aufbrüchen? Nach einer Großserie im Jahr 2015 schien zunächst wieder Ruhe eingekehrt zu sein. Offenbar hatten sich die Autoknacker andere Tatorte in der Republik ausgesucht. Im vergangenen Jahr hatte es einzig im Juni einen Fall gegeben. Am Rastplatz Höllberg bei Rutesheim (Kreis Böblingen) hatten Unbekannte einen VW-Transporter aufgebrochen, in dem zwei Touristen schliefen. Die Täter entkamen mit Bargeld und einem tragbaren Rechner. Der Fall konnte nie geklärt werden.

Bisher konnte kein Aufbrecher gefasst werden

Ohne Ermittlungserfolg blieb die Serie von Wohnmobil-Aufbrüchen zwischen April und August 2015. Auch da hatten die Täter unter anderem an der Rastanlage Sindelfinger Wald zugeschlagen. Betroffen waren Reisende aus Niederbayern und aus dem Saarland, die keine Angaben machen konnten, wie die Täter aussahen, die Geldbörsen, Tablet, Digitalkamera erbeuteten. Andere Reisende hatten zwar verdächtige Männer beobachtet, konnten aber den Ermittlern auch nur mitteilen, dass ein Täter wohl 20 bis 30 Jahre alt und 1,90 Meter groß gewesen sein soll, unterwegs mit einem Auto mit gelbem Kennzeichen. Ein aussichtsloser Ansatz für eine Fahndung.

Den Reisenden wird empfohlen, die Wertsachen einem schnellen Zugriff zu entziehen – sprich: nicht beim Fahrer abzulegen. Man sollte auch nicht darauf bauen, die Täter auf frischer Tat zu ertappen. Denn alles geht blitzschnell – und ehe die Opfer die Lage realisieren, sind die Autoknacker auch schon wieder auf und davon. Selbst ein Hund, der an der A-81-Raststätte Schönbuch im Kreis Böblingen bellte, hielt die Täter nicht auf. Im jüngsten Fall bittet die Polizei um Hinweise über Telefon 07 11 / 68 69 - 0.

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