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Gesundheitsminister Rösler will Mediziner locken - gut so, findet Willi Reiners.  

Stuttgart - Seit Jahr und Tag warnen Ärztevertreter vor einem Medizinermangel insbesondere auf dem Land. Fachpolitiker hatten, von rühmlichen Ausnahmen abgesehen, dafür bisher kaum mehr übrig als ein Schulterzucken. Damit ist nun Schluss. Gesundheitsminister Philipp Rösler hat ein ganzes Bündel von Maßnahmen vorgeschlagen, um der drohenden Unterversorgung zu begegnen. Gut so! Wir leben in einer alternden Gesellschaft. Die Zahl hoch- und höchstbetagter Patienten, die auf kurze Wege zur Praxis angewiesen sind, wird zunehmen. Es ist höchste Zeit, jetzt gegenzusteuern. Denn schon heute ruht die landärztliche Betreuung vielerorts auf der Generation 60 plus.

Die überwiegenden Reaktionen auf den Vorstoß des Liberalen sind typisch für ein Land, in dem Bedenkenträger zu oft politische Debatten dominieren. Da packt einer mutig ein Thema an, prompt mäkeln Hinz und Kunz daran herum. Natürlich kann man darüber streiten, ob beispielsweise eine Senkung des Numerus clausus für angehende Landärzte nicht eine ganze Berufsgruppe in den Ruf bringen könnte, es handle sich um Minderbegabte. Doch sicher ist auch: Das Problem wird nur zu lösen sein, wenn man auch ungewohnte Pfade zu gehen bereit ist. Mehr Geld allein - das wird es nicht bringen. Und abgesehen davon gibt es ausreichend Einserärzte, von denen sich selbst Kollegen fragen, wie man sie auf die Menschheit loslassen konnte.

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