Ein Sarg wird in den rund 850 Grad heißen Ofen eines Krematoriums in Essen (Nordrhein-Westfalen) gefahren. Foto: Roland Weihrauch/dpa

Eine Bestattung ist eine teure Angelegenheit. Der Anteil von kostengünstigen Verbrennungen steigt in Deutschland deshalb seit Jahren. Es muss auch nicht immer die klassische Erdbestattung sein mit Sarg und Kränzen. Alternative und unkonventionelle Bestattungsorte werden immer populärer.

Berlin - Auf rund 32 000 Friedhöfen finden Verstorbene in Deutschland ihre letzte Ruhe. Seit 2001 findet jedes Jahr am Sonntag des dritten Wochenendes im September der Tag des Friedhofs statt. Dieser Tag soll zur Auseinandersetzung mit den Tabuthemen Trauer, Tod und Bestattung anregen. Führungen über Friedhöfe, Präsentationen der Arbeiten von Floristen und Steinmetzen sowie kulturelle Veranstaltungen werden an diesem Tag angeboten.

Es muss nicht immer die klassische Erdbestattung sein mit Sarg und Kränzen. Alternative und unkonventionelle Bestattungsorte werden hierzulande immer populärer. Welche unterschiedlichen Bestattungsformen es gibt, zeigen wir in unserer Übersicht:

Waldbestattung

Bei der Waldbestattung wird die Urne mit der Asche des Verstorbenen im Wurzelbereich eines Baumes beigesetzt. Ein Namensschild am Baum weist darauf hin, wo sich die Grabstätte befindet. Anonyme Bestattungen sind ebenfalls möglich.

Die Idee der Bestattung auf festgelegten und genehmigten Waldflächen außerhalb von Friedhöfen hat 1993 der Schweizer Ingenieur Ueli Sauter entwickelt. Kennzeichnend für einen Friedwald oder Ruheforst ist, dass es keine individuelle Grabpflege gibt und das Grab als solches nicht erkennbar ist. Dennoch ist ein Platz für die Trauerarbeit vorhanden.

Naturbestattungen außerhalb von Friedhöfen setzen eine Einäscherung voraus. Der Baum für die letzte Ruhe kann bereits zu Lebzeiten für die Dauer von 99 Jahren erworben werden. Ein Partnerbaum für ein Ehepaar beispielsweise kostet je nach Art, Lager und Stärke des Gehölzes zwischen 2700 und 6400 Euro.

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Wiesenbestattung

Die Asche kann auch auf einer Wiese beigesetzt oder darauf verstreut werden. Geeignet sind Almwiesen, Bergbäche, Berghänge, Täler, Seeufer und neuerdings auch Weinberge (sogenannte Friedweinberge).

Da das deutsche Bestattungsrecht diese Art der Beisetzung – anders als die Schweiz oder Spanien – nicht zulässt, sollte ein entsprechender Wunsch des Verstorbenen schriftlich festgehalten sein, um den Angehörigen die Durchführung der Formalitäten zu erleichtern.

Urnenstele

Urnen können auch in säulenförmigen Gebilden aus Naturstein oder Beton beigesetzt werden. Die Urnenkammer wird mit einer Abdeckplatte fest verschlossen und kann den Namen des Verstorbenen tragen. Die Nachfrage nach Urnenstelen steigt, weil sie platzsparend und kostengünstig sind (ab 800 Euro). Der Friedhofsbetreiber übernimmt in der Regel die Pflege der Anlage.

Seebestattung

Wem die Schifffahrt oder das Meer viel bedeutet haben, kann sich nach seinem Ableben in der Nord- und Ostsee versenken lassen. Wenn das Beisetzungsschiff die richtige Position erreicht hat, wird die Schiffsglocke geschlagen und die wasserlösliche Urne dem Meer übergeben. Die Angehörigen erhalten eine Seekarte mit der genauen Position und einen Auszug aus dem Logbuch.

Luftbestattung

Dabei wird der Leichnam direkt auf den Boden oder auf ein Gerüst gelegt und Aasfressern überlassen. In Tibet und der Mongolei ist die „ Himmelsbestattung“ weit verbreitet, bekannt sind auch die „Türme der Stille“ in Persien und Indien oder die Gerüstbestattungen bei nordamerikanischen Indianerstämmen.

In Europa wird bei Luftbestattungen die Asche von einem Heißluftballon oder Flugzeug aus verstreut. Die Angehörigen bekommen eine Urkunde mit den Koordinaten des Ortes der Ausstreuung. Die Luftbestattung ist in Frankreich, der Schweiz oder in Tschechien erlaubt.

Das deutsche Bestattungsgesetz verbietet sie (mit Ausnahme bestimmter Gebiete über der Nord- und Ostsee), weil hierzulande eine generelle Friedhofspflicht besteht.

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Felsbestattung

Bei einer Felsbestattung wird die Urne unter der Grasnarbe eines Felsens bestattet oder die Asche an einem Felsen verstreut. Man kann seinen eigenen Felsen erwerben oder an einem Gemeinschaftsfelsen beigesetzt werden.

In Deutschland ist die Felsbestattung – anders als in der Schweiz – verboten, da die Bestattungsgesetze der Länder die Beisetzung außerhalb eines Friedhofs oder ausgewiesener Flächen untersagen.

Diamantbestattung

Wer seinen Angehörigen nach dessen Ableben weiter bei sich haben möchte, kann dies in Form eines Erinnerungsdiamanten tun. Hierfür werden die sterblichen Überreste bei sehr viel höheren Temperaturen als bei der normalen Kremation verbrannt und Asche zum Diamanten umgewandelt.

Neben den Ausgaben für die Herstellung (ab 5000 Euro) fallen Beisetzungskosten an, da der größte Teil der Asche in einer Urne beigesetzt wird. In Deutschland ist die Diamantbestattung nicht zulässig, der Prozess kann jedoch in den Niederlanden oder der Schweiz durchgeführt werden.

Hydrolyse

Diese Bestattungsform gewinnt in den USA, in Kanada, Australien und Großbritannien immer mehr Anhänger. Bei der sogenannten alkalischen Hydrolyse wird der Leichnam in einem Druckbehälter aus Edelstahl in stark ätzende Kalilauge gelegt. Bei Temperaturen von 150 bis 160 Grad Celsius zersetzt sich der Körper innerhalb von Stunden. Außer einigen Knochenresten bleibt nur eine braune Flüssigkeit übrig, die entsorgt wird.

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Feuerbestattung

Wegen hoher Nachfrage nach Feuerbestattungen ist die Zahl der Krematorien in Deutschland gestiegen. Seit 2010 eröffneten etwa 20 solcher Anlagen, und die Gesamtzahl stieg auf etwa 150, wie der Bundesverband Deutscher Bestatter mitteilt. Ein Grund für die hohe Nachfrage: Eine Feuerbestattung kann günstiger sein als eine Erdbestattung, etwa weil eine Urne in einem deutlich kleineren und damit günstigeren Grab beigesetzt werden kann als ein Sarg.

Allerdings kann es laut Verband enorme Preisunterschiede geben bei den Beisetzungen durch unterschiedliche Kosten für Sarg oder Urne sowie bundesweit sehr unterschiedlichen Friedhofsgebühren. Rund 4000 vorwiegend mittelständische Bestattungsunternehmen erwirtschaften nach Angaben des Bundesverbands einen weitgehend unveränderten Umsatz von knapp zwei Milliarden Euro erwirtschaftet.

Nach Verbandsschätzungen liegt der Anteil der Feuerbestattungen inzwischen bei 64 Prozent (2017), der Anteil der Verbrennungen ist demnach seit 2010 jährlich um ein bis zwei Prozent gestiegen. Das allerdings liegt auch am demografischen Wandel. Die Zahl der Gestorbenen stieg laut Statistischem Bundesamt in den vergangenen zehn Jahren um knapp 90 000 bundesweit.

Einbalsamieren

Die Begegnung am offenen Sarg ist ein wichtiger Bestandteil der Trauerbewältigung. Vielfach ist der Leichnam durch die Folgen einer Krebserkrankung, eines Suizids oder Unfalls so entstellt, dass der letzte Blick auf den Toten für Hinterbliebene traumatisch wirken kann. Damit sie ihn in guter Erinnerung behalten, ruft man Embalming-Fachleute.

Modern Embalming (so lautet der englische Fachbegriff für das Einbalsamieren) meint eine spezielle Form hygienischer Totenversorgung für die offene Aufbahrung – also eine befristete Erhaltung auch unter extremen Bedingungen und ohne Kühlung.

So funktioniert das Einbalsamieren: Der Thanatologe oder Thanatopraktiker, wie sich Einbalsamierer nennen, richtet Verstorbene so her, dass Angehörige von ihnen würdig und ohne Schrecken Abschied nehmen können. Nach der hygienischen Grundversorgung (Desinfektion, Waschung und Verschließen der Körperöffnungen mit Watte) wird mit Hilfe einer Einbalsamierungsmaschine fünf bis sieben Liter einer Formaldehyd-Wasser-Mischung in die Arterien gepumpt, um den Organismus kurzfristig zu konservieren. Gleichzeitig wird das Restblut durch das Venensystem herausgepresst, um die Autolyse (Verwesung) aufzuschieben.

Während das Modern Embalming in Deutschland immer noch in den Kinderschuhen steckt, wird es in den USA bei rund 90 Prozent aller Erdbestattungen angewandt. Die Thanatopraxis wurde während des amerikanischen Bürgerkrieges (1861-1865) entwickelt und später von Kolonialmächten wie Frankreich und England übernommen. Die Konservierung diente dazu, gefallene Soldaten oder Kolonialbeamte unverwest in ihre Heimat zu überführen.

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