Noch herrscht Krieg in Syrien. Foto: DPA

Der Iran und Saudi-Arabien ringen um Einfluss im Nahen Osten. Bislang zeigten sich die beiden Seiten unversöhnlich. Doch Diplomatie und die Bedrohung durch den IS bringen die beiden Rivalen ins Gespräch.

Teheran/Riad - Zumindest in einem Punkt stimmt die Rhetorik von Syriens Regime und Opposition überein: Beide betonen immer wieder, nur die Syrer hätten über das Schicksal des Landes zu entscheiden. Das ist nachvollziehbar einerseits, doch realitätsfern andererseits. Schon seit langem hat sich der Bürgerkrieg in einen regionalen Konflikt ausgeweitet, in dem sich vor allem der schiitische Iran und das sunnitische Saudi-Arabien duellieren. Über ein Ende der Gewalt wird weniger in Damaskus, als in Teheran und Riad entschieden.

Der Iran ist - noch vor Russland - treuester Verbündeter von Syriens Machthaber Baschar al-Assad. Iraner und Kämpfer der von Teheran finanzierten libanesischen Schiitenmiliz Hisbollah gehen am Boden Seite an Seite mit der syrischen Armee gegen Rebellen vor. Teheran sieht Assad auch als Teil einer politischen Lösung.

Die Saudis wiederum fordern: Assad muss weg. Das konservative islamische Königreich gehört neben der Türkei zu den wichtigsten Unterstützern und Geldgebern der Regimegegner. Schon seit langem sind sich die Saudis und Iraner spinnefeind. Beide versuchen, ihre dominante Rolle in der arabischen Welt auszubauen. Auch in anderen Ländern stehen sie sich gegenüber, etwa im jemenitischen Bürgerkrieg.

Iran sitzt erstmals mit am Tisch

Doch es gibt einen Hoffnungsschimmer, zumindest für Syrien. Mit dem Abschluss des Atomabkommens ist der Iran in die internationale Gemeinschaft zurückgekehrt. Erstmals sitzt er bei den Gesprächen der großen Mächte über Syriens Zukunft mit am Tisch. Beim Treffen vor knapp zwei Wochen in Wien sah es zudem so aus, als hätten sich Teheran und Riad im Syrien-Konflikt etwas aufeinander zubewegt.

Dafür spricht die Einigung aller Seiten auf einen ehrgeizigen politischen Fahrplan mit Übergangsregierung und Wahlen. Die Gegensätze zwischen den Regionalmächten mögen noch immer riesig sein. Aber nach der Flüchtlingskrise in Europa und besonders nach den Terroranschlägen in Paris mussten sie zumindest vorübergehend die Interessen der Weltmächte über ihre eigenen stellen.

Als Vermittler nachgeholfen hat auch Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier. Um die zwei tief verfeindeten Länder zumindest an einen Tisch zu bringen, besuchte er Mitte Oktober Teheran und Riad. Offensichtlich mit Erfolg. Gleichzeitig trägt die Bedrohung durch die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ihren Teil bei. Wie Russland glaubt auch der Iran, dass eine gemeinsame Front gegen den IS ohne eine politische Lösung in Syrien nicht machbar sei.

Globale Gefahr

Teheran gibt sich pragmatisch. Laut Präsident Hassan Ruhani geht es spätestens nach den Anschlägen in Paris nicht mehr um eine regionale, sondern um eine globale Gefahr. Daher müsse man Prioritäten setzen. „Die höchste Priorität ist, die Terroristen zu vernichten“, sagte er dem französischen Präsidenten François Hollande. Je mehr über die Person Assad diskutiert werde, desto wahrscheinlicher würden auch weitere IS-Aktionen.

Allerdings ist die Annäherung zwischen den beiden Regionalmächten ein zartes Pflänzchen. Den Wiener Entscheidungen dürften sie mit wenig Begeisterung gefolgt sein. Die Saudis hatten sich lange geweigert, den Iran überhaupt dabei zu haben. In ihrer Haltung zu Assad liegen die zwei Länder soweit auseinander, dass die Kluft nur schwer überbrückbar scheint. Keiner der beiden wird seine Position so einfach aufgeben. Wie weit sich Teheran und Riad tatsächlich annähern werden, entscheidet sich letztlich am Schicksal des syrischen Präsidenten.

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