Langsam geht es aufwärts: Michael Branik konnte bei seiner Abschiedsfeier im Funkhaus spüren, wie beliebt er bei den Kollegen ist. Im Hintergrund auf dem Foto: sein Lebensgefährte Bernd Reichel. Foto: SWR/Enderlin

Trotz allem heiter. Bei einem Schlaganfall hat SWR-Star Michael Branik die Sprache verloren. Nach 40 Jahren verabschiedet er sich nun in den Ruhestand und bringt die Kollegen bei einer sehr emotionalen Feier mit Gesten zum Lachen.

Stuttgart - Es hilft alles nichts. In ihrer langjährigen Liebe hatten der Moderator Michael Branik, 65, und der Chirurg Bernd Reichel, 67, die Rollen klar verteilt. Fürs große Wort war der Radiomann zuständig, während sich der Arzt im Hintergrund um den Rest kümmerte. Doch nun, da sich in den SWR 4-Konferenzraum mehr Kollegen, Weggefährten und Ruheständler drücken, als darin Platz haben, da sich auf dem Flur davor eine Frau bei ihrem Vordermann laut beschwert, sie könne nichts sehen, nun muss der sonst eher stille Mediziner vor dem mit Sektgläsern ausgerüsteten Auditorium die Gedanken aussprechen, die sein Lebenspartner im Kopf hat, aber noch nicht verbal ausdrücken kann.

Selbst bei Familienfesten habe er sich immer vor Reden gedrückt, gesteht Reichel. Schon nach wenigen Sätzen fliegen ihm und seinem „Michi“, der neben ihm steht, die Herzen zu. Der Arzt scheint genau das zu sagen, was der Freund denkt. An den Reaktionen in Braniks Gesicht, an dessen Gesten und an dem „Ja“ oder „Danke“, an den knappen Worten, die der strahlende Radiostar beisteueren kann, lässt sich erkennen, wie eng die beiden verbunden sind.

Den Lebenswillen hatte er zeitweise verloren

Seit dem Schlaganfall, der Anfang dieses Jahres einen der bekanntesten Radiomoderatoren des Südwestens im Urlaub auf Sri Lanka ohne Vorwarnung überfallen hat, nachdem Branik kurz davor den Blasenkrebs überwinden konnte, stoßen beide immer wieder an ihre Grenzen. Den Lebenswillen habe der Freund zeitweise verloren, verrät der Redner ganz offen, und alle schlucken schwer.

Wie unverschämt ist das Schicksal doch, wenn es ausgerechnet bei einem Radiomann das Sprachzentrum zerstört. Endlich geht es mit der Genesung aufwärts. Branik zeigt es mit seinen Augen, die unterm schwarzen Käppi strahlen und die sehr flink von einem Anwesenden zum anderen wandern. Sein Blick verrät auf sympathische Weise: Wie schade, dass ich euch nicht selbst sagen kann, wie lieb ich euch alle hab’!

In der schweren Zeit haben Kollegen und Freunde geholfen, indem sie ihn nicht allein ließen, aber vor allem auch die vielen Fans, die Mails schrieben, Geschenke ins Funkhaus schickten und fragten, wann ihr Star zurück ans SWR-Mikrofon kommt. Er wird nicht zurückkehren. Bis zu seinem Ruhestand Ende 2018 hat Branik moderieren wollen – danach, frei von Radiozwängen, bei allerlei schönen Anlässen. Der Partner sieht das Positive: „Durch die Erkrankung fällt er nicht in ein Loch, wie dies vielen ergeht, die ihre Arbeit lieben und dann ausscheiden.“

Die Chefin nennt ihn eine „Radiolegende“

Michael Branik hat viel zu tun. Therapien, Übungen, eiserne Disziplin – so sieht sein Alltag aus. Die Prognosen sind besser geworden. Seine Sprachbegabung, die ihn zeitlebens ausgezeichnet hat, könnte helfen, dass er vielleicht in ein oder in zwei Jahren wieder normal sprechen kann. SWR 1- und SWR 4-Chefin Carola Oldenkott nennt Branik in ihrer ergreifenden und persönlichen Dankesrede eine „Radiolegende“. In der heutigen Zeit mit der Fülle der Digitalkanäle könne man sich diese Auszeichnung nicht mehr erarbeiten. Sie erinnert an die Höhepunkte einer einzigartigen Karriere, die 1978 mit einem Moderatorenwettbewerb begonnen hat. Den zweiten Platz beim Vorsprechen belegte ein BWL-Student von der Fachhochschule Heilbronn – Michael Branik

Angefangen hat er bei SDR 3, moderierte später im regionalen Fernsehen, spielte bei der „Lindenstraße“ mit, kam vor 20 Jahren zu SWR 4, wo er mit Charme rasch zum Star wurde. Beliebt waren auch seine Reihe „Branik kocht“ und seine Außenmoderationen vor Zehntausenden von Fans. Fotos und kurze Filme, die bei der Abschiedsfeier gezeigt werden, beweisen dies.

„Selbst in der schweren Zeit haben wir zusammen viel gelacht“

Verena Neuhausen, eine der jungen Reporterinnen von SWR 4, sagt, warum sie ihn so sehr vermisst: „Wenn du im Stress warst oder Ärger hattest – Michael hat nicht lang gebraucht, um dich aufzuheitern.“ Richling-Regisseur Günter Verdin, der wie Branik zur aussterbenden Gattung der SWR-Legenden gehört, lobt beim Feiern das „besondere Talent“ seines Freundes: „Michi konnte und kann seine Mitmenschen in seine gute Laune mitreißen. Selbst in dieser schweren Zeit haben wir zusammen immer viel gelacht.“

Trotz allem heiter. Im Kreis der Kollegen ist Branik witzig auch ohne Worte. Dies könnte der Genesung weiteren Auftrieb geben.

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