Zwei Fraktionen des Militärs im Südsudan befehden sich gegenseitig. Foto: EPA FILE

Im jüngsten Staat der Welt sind heftige Kämpfe mit mehr als 200 Toten ausgebrochen.

Juba - Der Friedensprozess im Südsudan scheint zusammen gebrochen zu sein, nachdem es am Wochenende in der Hauptstadt Juba zu schweren Kämpfen zwischen Regierungssoldaten und Vize-Präsident Riek Machar loyal gegenüber stehenden Truppen gekommen ist. „Die Situation hier ist dramatisch. Die Kämpfe breiten sich aus, und wir können uns nicht bewegen“, sagte Jürg Eglin, Repräsentant des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes, am Sonntag auf Anfrage unserer Zeitung. „Die Menschen flüchten in großer Zahl. Es gibt zahllose Tote und Verletzte.“

Mehr als 200 Tote am Wochenende

Die heftigsten Kämpfe brachen am Sonntagmorgen im nur wenige Kilometer südlich des Stadtzentrums gelegenen Ortsteil Jebel aus, wo die Truppen des Oppositionspolitikers Machar kaserniert sind und wo Machar auch seine Residenz hat. Machar war nach einer zeitweiligen Flucht erst im April im Rahmen eines Friedensvertrages wieder als Stellvertreter von Präsident Salva Kiir eingesetzt worden. Regierungstruppen hätten Jebel mit Panzern und Helikoptern angegriffen, teilten Augenzeugen mit: Der Wohnsitz Machars sei aus der Luft attackiert worden. Offenbar gelang es den Truppen des Vizepräsidenten im Laufe des Tages, die Regierungssoldaten zurück zu schlagen. Die ersten Kämpfe waren am Donnerstag ausgebrochen, als Regierungssoldaten an einer Straßensperre einen Konvoi der Truppen Machars kontrollieren wollten. Bei den anschließenden Schießereien sollen fünf Menschen getötet worden sein. Noch während eines Treffens zwischen Machar und Staatspräsident Kiir kam es am Freitag in der Nähe des Präsidentenamts zu Scharmützeln. Journalisten, die während der Schießereien in einem Konferenzraum des Präsidentenbüros auf dem Boden Schutz suchten, sahen mehrere tote Regierungssoldaten auf dem Gelände des Präsidentenamtes liegen.

Bei den Kämpfen sollen weit über 200 Menschen ums Leben gekommen sein. Sowohl Kiir wie Machar riefen anschließend ihre Truppen zur Ruhe auf: Zumindest am Samstag kam es zu keinen weiteren Zwischenfällen. Die am Sonntag wieder aufflammenden Kämpfe legen nun allerdings nahe, dass der im vergangenen Jahr ausgehandelte Friedensvertrag in Trümmern liegt. Der Südsudan befinde sich wieder „im Kriegszustand“, sagte Machars militärischer Sprecher Oberst William Gatjiath am Sonntagnachmittag gegenüber der BBC.

Nach einem politischen Zerwürfnis zwischen Kiir und Machar war es im Dezember 2013 in Juba zu ähnlichen Kämpfen gekommen. Nach einem im August 2015 Jahres unterzeichneten Friedensvertrag war Machar im April mit mehreren Tausend ihm loyalen Soldaten in die Hauptstadt Juba zurückgekehrt. Doch die Spannungen zwischen Kiir und Machar hielten an und kamen ausgerechnet jezt, zum fünften Jahrestag der einst überschwänglich gefeierten Unabhängigkeit wieder zum Ausbruch.

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