Bratkartoffeln fliegen durch die Luft: Alexander Neuberth. Foto: Peter-Michael Petsch

Kein Nachwuchskoch in Baden-Württemberg ist so gut wie er. Doch das reicht Alexander Neuberth noch nicht: Im Oktober will der 23-Jährige sich mit dem Rest der Republik messen – und den Titel holen.

Stuttgart - Im August war Alexander ­Neuberth bei Sternekoch Johann Lafer zu Gast. Nicht nur zum Essen, sondern auch zum Fachsimpeln. Da wo Lafer schon ist, möchte Neuberth einmal hin. „Klar, später mal einen Stern zu bekommen ist schon ein Traum“, sagt er, und seine grau-grünen ­Augen strahlen.

Obwohl erst 23 Jahre alt, ist Neuberth auf einem guten Weg, das zu schaffen: Seine dreijährige Ausbildung machte er im Burgrestaurant Staufeneck in Salach, wo Sternekoch Rolf Straubinger hinter den Töpfen steht. „Da habe ich viel gelernt“, ist der junge Mann sicher. Als alleinige Vorbilder sieht er die Starköche aber nicht: „Ich finde, man muss von jedem für sich das Beste mitnehmen. Vielleicht kann man so mal sein eigenes Vorbild werden“, meint er und lacht ­verschmitzt.

Während seiner Lehre war der junge Mann schon bei sieben Koch-Wettbewerben erfolgreich – meistens holte der Stuttgarter sogar den ersten Platz. Erst im Juni wurde er Landesjugendmeister der Jungköche in Baden-Württemberg und setzte sich gegen 100 Konkurrenten durch. Jetzt will Neuberth bei den deutschen Meisterschaften in Bonn (19. bis 22. Oktober 2012) zeigen, dass er der beste Nachwuchskoch in ganz Deutschland ist.

„Es ist mein Traumberuf, definitiv. Weil mir so viele Dinge dabei Spaß machen“

Die Küche ist sein Paradies: Locker schwenkt der Jungkoch ein paar Bratkartoffeln in der Pfanne, lässt sie sogar kurz durch die Luft wirbeln. Er ist der Herr am Herd und Kochen sein Leben : „Es ist mein Traumberuf, definitiv. Weil mir so viele Dinge dabei Spaß machen. Und es ist toll, anderen Leuten mit gutem Essen eine Freude zu bereiten.“ Dafür nimmt der Nachwuchs-Lafer auch mal lange Arbeitszeiten in Kauf. Zehn Stunden in der Küche seien die Regel – zumindest habe er es noch nie anders erlebt. Erst recht nicht, wenn mittags und abends warme Speisen geboten werden und viel Betrieb herrscht. Am Wochenende kann der VfB-Fan auch nicht mal einfach so ins ­Stadion, denn „da ist das Hauptgschäft“.

Aktuell ist Alexander Neuberth für seinen Vater im Einsatz, der den Catering-Service Rent a Butler leitet und das Restaurant Neuberths Gastwerk in Stuttgart-Rohr führt. „So bin ich flexibel und kann auch mal was ausprobieren und mich auf die Meisterschaft vorbereiten“, erklärt der Junior. Im ­elterlichen Betrieb entdeckte er auch seine Leidenschaft fürs Kochen. Nach dem Abitur habe er zunächst viel im Service ausgeholfen. „Das war aber nicht so mein Ding. Also habe ich die Seite gewechselt und bin in die Küche gegangen. Da habe ich sofort gemerkt: das passt“, erinnert sich der Jungkoch.

Komplett in den Familienbetrieb einsteigen will er vorerst aber nicht, sondern weiter Erfahrungen in der Gourmet-Branche ­sammeln: „Sonst habe ich ja nur einen ­Laden gesehen und mache dann 40 Jahre meinen Stiefel. Nee, nee. Ich will noch mehr Input“, meint der junge Mann bestimmt. An seiner Heimatstadt schätzt er vor allem die kulinarische Vielfalt, das „Multikulti-Stuttgart“ mit Spezialitäten vieler Nationen. Und, natürlich, die schwäbische Küche: „Die ist am besten daheim!“ In seiner Freizeit testet er darüber hinaus Gourmet- Restaurants, denn er will in weiteren „Läden, die Sterne haben“, Erfahrungen sammeln. Wo es ihm mundet, wird er sich bewerben.

„Nach jedem Wettbewerb schimpfe ich wie ein Rohrspatz“

Alexander Neuberth stellt hohe Ansprüche, vor allem an sich. „Ich bin selbst mein größter Kritiker“, gesteht er und redet sich in Rage: „Nach jedem Wettbewerb schimpfe ich wie ein Rohrspatz, weil ich denke, dass ich viele Dinge noch besser machen könnte.“ Dann sage er sich immer:„Das war das letzte Mal.“ Doch er macht weiter. Weil es ihn eben reizt, sich mit anderen zu messen, weil er die Herausforderung sucht und den Austausch mit den anderen Jungköchen genießt. Außerdem bringe einen das unheimlich weiter, zum Beispiel in der eigenen Organisation. Die Teilnehmer müssen nicht nur einen theoretischen Test bestehen und in der ­Warenkunde beweisen, dass sie sämtliche Kräuter, Gewürze und Lebensmittel bestimmen können. Wer das geschafft hat, bekommt einen vorgegebenen Warenkorb und hat dann 45 Minuten Zeit, um daraus ein Vier-Gänge-Menü für zehn Personen zu planen. Das muss hinterher natürlich auch gekocht werden – innerhalb von 4,5 Stunden und ohne Hilfe.

Bei den Jugendmeisterschaften im Oktober wird es besonders hart. „Die Konkurrenz ist groß, viele gute und bekannte Häuser sind dabei“, weiß Neuberth. Trotzdem will er in guter Tradition den Sieg wieder nach Baden-Württemberg holen. Auch Johann Lafer machte ihm bei dem Treffen im August Mut: „Gib Gas, das schaffst du!“

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: