SWSG-Wohnungen an der Haldenrainstraße. Foto: Georg Friedel

Bei der Mieterbeirats-Vollversammlung der SWSG ist es hoch hergegangen. Vorwürfe wurden laut. Dabei gab es auch verbale Entgleisungen. Die Chefetage versuchte zu besänftigen.

Stuttgart - „Wir sind noch in der Findungsphase“, betonte Roland Heine, Vorsitzender des Mieterbeirats der Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG), zu Beginn der Vollversammlung, am Mittwoch im Rathaus. Rasch zeigte sich, dass dies nicht nur für den im Juli gewählten, dreiköpfigen Vorstand gilt. Die Suche nach dem richtigen Ton und einer zielführenden Diskussionskultur prägte den Abend. Immer wieder entluden sich Spannungen in Gepolter und verbalen Entgleisungen.

So bezichtigte Horst Fleischmann, Mieterbeirat für den Fasanenhof, die SWSG der „vorsätzlichen Lüge“. Man habe Mieter „beschissen“, indem erhöhte Nebenkosten, die einer nicht funktionierenden Solaranlage geschuldet waren, in Rechnung gestellt worden seien. Die Inbetriebnahme der Installation oder Angaben zu ihrer Leistungsfähigkeit habe man wiederum nicht kommuniziert. „So viel zur Begegnung auf Augenhöhe!“, ereiferte sich Fleischmann und warf der SWSG Arroganz im Umgang mit Mietern und Mieterbeiräten vor. Deren Vertreter verwahrten sich gegen die Wortwahl, signalisierten aber Bereitschaft, für mehr Transparenz zu sorgen. „Wir werden Ihnen alle Daten zukommen lassen“, so Lars Hoffmann, vom SWSG-Bestandsmanagement.

Mieterbeirat vollständig einladen

Sachlich und ruhig blieb die Wortmeldung von Mieterbeirat Matthias Ehm (Hallschlag). Er regte in Form zweier ausformulierter Anträge an, auch stellvertretende Mieterbeiräte zu den Sitzungen einzuladen, damit diese über den Stand der Diskussion im Bilde seien. Auch solle man das Prozedere bei der Besetzung von Arbeitskreisen überdenken. Bislang bestimmt der Vorstand, wer einem Arbeitskreis angehören soll.

Roland Heine und seine Vorstandskollegin Ruth Gunia reagierten abwehrend auf diese Vorschläge. Es gehe nicht an, dass man mit Anträgen „bombardiert werde“, betonte der Beiratsvorsitzende unter Bezugnahme auf Ehm, aber auch auf andere Anfragen, die er laut eigener Aussage erhalten habe. „Lassen sie uns unsere Arbeit machen, wie bisher“, forderte er.

Geschäftsführer beruhigt die Gemüter

Mehrfach wurde von den Vorständen der Verdacht geäußert, Mieterbeiräte legten es darauf an, Zwietracht zu sähen. Heine mutmaßte gar, mancher sei gekommen, um die Vertreter des Gremiums „fertig zu machen“. Samir Sidgi, Geschäftsführer der SWSG, versuchte, zu beruhigen und Lösungen zu finden. Ehms Ansinnen bezeichnete er als „gute Diskussionsgrundlage“. Ein Antrag sei nichts Schlimmes. Man müsse die Vorschläge in Ruhe diskutieren und bewerten.

Die SWSG musste ihrerseits etliche Punkte aus der Vollversammlung mitnehmen: Beschwerden wegen ausbleibender Aufzugreparaturen und abwesender Hausmeister etwa, aber auch grundsätzliche Kritik an der Arbeit der Notfallhotline. Aus Sicht der SWSG geht es hier um Einzelfälle. Ein Indiz dafür bilden auch die Ergebnisse der jüngsten Umfrage unter 900 Mietern: 86 Prozent von ihnen sind mit den Leistungen des Wohnungsunternehmens zufrieden.

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