Die Rohversion des Anti-Verschlaf-Weckers Foto: Jan Reich

Die Tüftler sterben nicht aus. Die nächste Generation macht sich bereits ans Werk und entwickelte bei „ Jugend forscht“ ein Konzept für weniger Fleischkonsum, die App zum Finden von Schlüsseln und einen Anti-Verschlaf-Wecker für Schlafmützen.

Stuttgart - Für viele Menschen war die Nachricht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ein Schock: Wurst und Schinken sollen krebserregend sein. 88 Kilo Fleisch isst der Durchschnittsdeutsche im Jahr. Anja Kobzev, Schülerin am Königin-Olga-Stift im Stuttgarter Westen, will gegen den immensen Fleischkonsum der Deutschen vorgehen. Für ihren Beitrag am jährlich stattfindenden Wettbewerb „Jugend forscht“ bedient sie sich deshalb einer bewährten Idee: Schockbilder und -texte. Nur beklebt die 16-Jährige anstatt Zigarettenschachteln abgepacktes Fleisch aus dem Supermarkt.

Um herauszufinden, welche Bilder und Texte am effektivsten sind, hat Anja 70 Passanten jedes Alters befragt. Auf dem Tablet zeigte sie ihnen selbst verfasste Sprüche und verschiedene Motive zu den Themen Gesundheit, Umwelt und Ethik und beobachtete die Reaktionen der Menschen. Jeweils drei Sätze und drei Bilder haben es in die Präsentation für „Jugend forscht“ geschafft.

Schockierende Bilder

Beim Thema Ethik schockierte die Befragten am meisten ein Bild mit dicht an dicht gedrängten Schweinen, ein typischer Fall von Massentierhaltung. „Ihr Fleischkonsum kostete dieses Tier das Leben“, lautet Anjas aufrüttelnder Spruch. Sie zeigte Bilder und Texte getrennt, beides zusammen hätte aber die größte Wirkung, ist sie sich sicher. Wobei man nicht alle erreiche: „Viele reagierten gleichgültig.“

Anja ist keine Vegetarierin, obwohl der Verdacht aufgrund ihres Engagements naheliegt. Sie wolle einfach einen maßvollen Umgang mit Fleisch erreichen. Beim Regionalwettbewerb in Sindelfingen holte sie den zweiten Platz im Fachbereich Biologie, trotzdem ist für sie bei „Jugend forscht“ Schluss. Nur die Erstplatzierten nehmen am Landeswettbewerb teil. Ihr Projekt soll aber weitergehen. Mitschüler und Lehrer waren von Anjas Erfolg überrascht, niemand wusste von ihrem Vorhaben. „Erst als ich wegen des Wettbewerbs zwei Tage freigestellt werden wollte, haben sie es erfahren“, sagt Anja, die nach dem Abitur Medizin studieren will .

Die App für Schussel

Am Möhringer Königin-Charlotte-Gymnasium dagegen, ist die Teilnahme von Schülern bei „Jugend forscht“ fest eingeplant. Seit vier Jahren besteht die gleichnamige Arbeitsgemeinschaft (AG), jeden Freitag treffen sich Schüler ab Klasse fünf zum gemeinsamen Experimentieren. Zwei Lehrerinnen und zwei ehrenamtliche Helfer aus der Industrie stehen mit Rat und Tat zu Seite. Auf Ideen müssen die Schüler aber selbst kommen. Ein Glück, wer sich da einfacher Alltagsprobleme bedienen kann. „Seit der fünften Klasse verliere ich ständig meinen Schlüssel“, sagt Annalena Pleß. Die logische Konsequenz: Gemeinsam mit ihrer Freundin Katharina Häußler entwickelte sie eine Smartphone-App, mit deren Hilfe sie ihren Schlüssel wiederfindet.

Im Schlüsselanhänger befindet sich ein Sender. Diesen haben die beiden 17-Jährigen so programmiert, dass das Smartphone via Bluetooth ein Signal empfängt, wenn der Sender sich nicht mehr in unmittelbarer Reichweite befindet. Auf dem Mobiltelefon ertönt dann ein Warnton. Die beiden Schülerinnen der Jahrgangsstufe eins haben im Bereich Mathematik und Informatik in der Region den ersten Preis gewonnen. Beim Landeswettbewerb im März soll die bisherige Rohversion verfeinert werden. Das Mädchen-Duo befindet sich in bester Gesellschaft. Der Anteil an Nachwuchs-Forscherinnen in den vergangenen 50 Jahren kontinuierlich gestiegen. 2016 liegt er bei knapp 40 Prozent.

Annalena und Katharina sind nicht die einzigen erfolgreichen Teilnehmerinnen des Königin-Charlotte-Gymnasiums. Hannah Dieterle hat bei „Schüler experimentieren“, dem Wettbewerb für die jüngeren Nachwuchsforscher, den ersten Preis eingeheimst. „Obwohl mein Wecker gestellt war und geklingelt hat, habe ich oft verschlafen“, sagt Hannah. Sie habe ihn einfach ausgeschaltet. Das kann mit dem Anti-Verschlaf-Wecker nicht passieren: Der klingelt solange, bis man aufsteht. Das Besondere ist ein Drucksensor, der sich im Bett befindet. Beim Aufstehen löst sich der Druck vom Sensor, der Wecker lässt sich ausschalten. Bleibt man liegen, geht das nicht. Der Sensor sendet die Signale an den Wecker.

Bisher benutzt die 14-Jährige einen schlauchähnlichen Sensor, der sonst an Stadtbahn-Türen angebracht ist. Ideal wäre eine Matte, die auf dem Bett liegt: „Dann kann man nicht beschummeln.“ Hannah muss sich bis zum Landeswettbewerb länger gedulden, als ihre Mitschülerinnen. Die nächste Runde von „Schüler experimentieren“ findet im April statt. Zweimal heißt es im Frühling also: Daumen drücken für die jungen Forscherinnen.

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