Am Samstag. 15. August, schließt die Rote Kapelle am Feuersee für immer. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Mit Abstandsregeln, sagt die Wirtin der Roten Kapelle am Feuersee im Stuttgarter Westen, kann sie die hohe Pacht nicht bezahlen. Vergeblich hat sie sich bei dem Eigentümer um einen Nachlass bemüht. Am 15. August ist endgültig Schluss.

Stuttgart - Corona sorgt für die Schließung einer Traditionsbar am Feuersee: In der Roten Kapelle sind die Stammgäste sehr traurig über diese Nachricht. Vergeblich haben sie versucht, die Wirtin Cordelia Seitz zu überreden, trotz aller Widrigkeiten weiterzumachen. Am Samstag, 15. August, wird die Chefin nach fast 20 Jahren das Tapas-Lokal im Stuttgarter Westen zum letzten Mal öffnen. Ein Abschiedsfest wird es nicht geben. „Wir haben gewiss keinen Grund zum Feiern“, sagt die Gastronomin, „auch für das Personal tut es mir wahnsinnig leid.“

Nur noch 66 Plätze sind im Inneren erlaubt

Doch eine Alternative zu diesem Schritt sieht Cordelia Seitz nicht, was sie außerordentlich bedauert. Die Wirtschaftlichkeit eines Betriebes in dieser Größenordnung sei bei Corona-bedingt sinkenden Umsätzen und gleichbleibend hohen Fixkosten leider nicht gegeben. „Traurig, aber wahr“, hat die Wirtin auf einen großen Zettel am Eingang geschrieben, auf dem sie sich emotional bei den Gästen in ihrer gesamten Vielfalt bedankt. Wegen der Abstandsregeln in der Pandemie dürfe sie nur noch Gäste auf 66 Plätze im Inneren der Roten Kapelle verteilen, sagt Cordelia Seitz unserer Zeitung. Damit könne man die hohe Pacht nicht finanzieren. Vergeblich hatte die Wirtin versucht, den Eigentümer des Hauses um einen Nachlass in der schwierigen Corona-Zeit zu überreden. Doch dieser habe weiterhin auf die volle Pacht bestanden.

Die Pacht soll bei 13 000 Euro im Monat liegen

Gastro-Insider sagen, dass die Rote Kapelle 13 000 Euro im Monat an Pacht bezahlen muss. Nach einer in der Gastronomie bekannten Rechnung muss, um überleben zu können, an einem Tag ein Betrag an Umsatz erwirtschaftet werden, der ein Drittel der Pacht ausmacht. In diesem Fall wären das über 4300 Euro – an jedem einzelnen Tag im Jahr, ob im Sommer oder Winter. Dass ausgerechnet jetzt, da der Feuersee nach dem Ufer-Umbau aufgewertet ist, das Ende kommt, bedauern viele Freunde der Roten Kapelle. Benannt ist die Bar nach Widerstandsgruppen während des Zweiten Weltkriegs.

Im November hätte die Tapas-Bar, die morgens mit zeitungslesenden Gästen den Flair eines Kaffeehauses besaß, den 20. Geburtstag gefeiert. Nach 30 Jahren in der Gastronomie will sich Cordelia Seitz endgültig aus einer Branche verabschieden, die ihr viel Spaß gemacht hat, aber die auch immer schwerer geworden ist.

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