Nikolaus Koliusis kreiert zu jedem Konzert dieser Reihe Leuchtkörper in Blau. Foto: Thomas Niedermüller

Goethe schrieb in seiner Farbenlehre: „Die Erfahrung lehrt uns, dass die einzelnen Farben besondre Gemütsstimmungen geben.“ Das freilich gilt auch für die Musik. Bei den Stuttgarter Philharmonikern kommt nun beides zusammen. So trägt die Abo-Reihe Sextett den Titel „Blau“.  

Und die Farbe ist nicht nur Thema aller sechs Konzerte, als Artist in Residence steuert auch Nikolaus Koliusis Werke bei: Zu jedem Konzert dieser Reihe kreiert der Künstler Leuchtkörper in Blau – in unterschiedlichsten Konstellationen. Der gebürtige Salzburger ist in seinem Œuvre dem Sehen auf der Spur und erforscht das Verhältnis des Betrachters zum Raum.

Wir stellen zwei Kunstwerke nebeneinander

„Wir bebildern nicht die Musik – und wollten auch keine Inszenierungshandschrift. Wir stellen zwei Kunstwerke nebeneinander“, verdeutlicht Tilman Dost, Kaufmännischer Intendant der Philharmoniker. Und Koliusis ergänzt, dass diese Eigenständigkeit und Offenheit beider Seiten die Zusammenarbeit trage. Kunst und Klänge erzeugten jeweils ihren eigenen Raum, könnten Zuhörende in unterschiedliche Zustände versetzen.

„So entsteht ein Hyperraum, den die Zuschauer mit Emotionen und eigenen Gedanken füllen können.“ Blau ist für den gebürtigen Salzburger die Farbe des Lichts, die einen Moment des Fliegens ermögliche. „Wir schweben doch gewisser­maßen alle auf unserem Planeten.“ Dabei gehe es um das Experiment, an dem es in der Gesellschaft fehle. „Das ist normalerweise an alternativen Orten zu Hause. Doch unseres findet mitten in der Stadt, in der Liederhalle, statt.“ Experiment bedeute denn auch Freiheit auf viele Ebenen, so Dost.

So hochkarätig wie kontrastreich

Blaues Licht machte denn auch die Verantwortlichen der Philharmoniker, die Blau im Signet haben, auf Koliusis aufmerksam: Beim Lichtkunstfestival „Aufstiege“ der Kulturregion Stuttgart 2016 bestrahlte er mit einer horizontalen Folge von Leuchtkästen von der Birkenwaldstraße aus die Stadt bei Dunkelheit mit einem intensiven Blau.

Der Künstlerische Intendant Michael Stille, seines Zeichens auch Musikwissenschaftler, habe dann zum Projekt „Blau“ das musikalische Programm entworfen. Das ist so hochkarätig wie kontrastreich. Zu hören ist etwa am 15. Dezember die Sopranistin Chen Reiss in Gustav Mahlers Sinfonie Nr. 4 unter Leitung von Chefdirigent Dan Ettinger. Am 29. Januar dirigiert Joana Mallwitz Ottorino Resphigi, Niccolò Paganini und Hector Berlioz, Solistin ist die Geigerin Hwayoon Lee.

Abo-Reihe Sextett – Blau: Nächste Termine am 15. Dezember, 19 Uhr, und 29. Januar, 20 Uhr, jeweils Liederhalle, Tickets unter 07 11 / 2 555 555

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