SPD-Mitglied und zugleich unabhängiger Kandidat für die OB-Wahl in Stuttgart: Marian Schreier. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Ursprünglich wollte der junge Tengener Bürgermeister bei der Stuttgarter OB-Wahl im November auf dem SPD-Ticket kandidieren. Im Kreisvorstand hat jedoch Fraktionschef Martin Körner die Nase vorn. SPD-Mitglied Schreier tritt trotzdem an. Mit allen Konsequenzen.

Stuttgart - Marian Schreier hat seine Entscheidung getroffen: Der 29-jährige Bürgermeister des 4600-Einwohner-Ortes Tengen (Kreis Konstanz) und gebürtige Stuttgarter tritt am 8. November bei der OB-Wahl in Stuttgart an: „An meiner Absicht hat sich nichts geändert: Ich will Oberbürgermeister meiner Heimatstadt werden“, sagte Schreier am Montag unserer Redaktion. Er strebe eine überparteiliche Kampagne an. „Die Zeit ist reif für einen Wahlkampf jenseits ausgetretener Pfade.“

Startpunkt soll der kommende Samstag, 25. Januar, sein. An diesem Tag lädt Schreier für 16 Uhr zu einer öffentlichen Veranstaltung in die Design-Offices-Eberhardhöfe in die Eberhardstraße 65 ein. Dort wolle er aufzeigen, „wie mit Hilfe der Bürgerinnen und Bürgern eine überparteiliche Kampagne auf Augenhöhe organisiert werden kann“. Außerdem wolle er Ideen für Stuttgart präsentieren: „Nach acht Wochen Diskussion um Verfahrensfragen möchte ich jetzt gerne endlich in die inhaltliche Diskussion einstiegen.“

Kritik an SPD-Verfahren

Schreier spielt damit auf die Auseinandersetzung mit dem Stuttgarter SPD-Kreisverband an. Bereits Ende November hatte der 29-Jährige öffentlich den Finger gehoben und sein Interesse an einer Kandidatur bekundet – lange bevor sich Oberbürgermeister Fritz Kuhn am 7. Januar zu seinen eigenen Plänen äußerte. Zum Zeitpunkt seiner Wortmeldung hoffte Schreier nach eigenen Worten noch, einen Diskussionsprozess in der Stuttgarter SPD anzustoßen. Tatsächlich löste sein Vorpreschen im 15-köpfigen SPD-Kreisvorstand jedoch heftigen Unmut aus. Am 1. Dezember formulierte das Gremium ein negatives Votum gegen den SPD-Quereinsteiger. Sein Wunsch nach einem Mitgliederparteitag wurde abgelehnt. Im Kreisvorstand lagen und liegen die Sympathien bei SPD-Fraktionschef Martin Körner. Der 49-Jährige hat sein Interesse an einer Kandidatur inzwischen auch öffentlich bekundet.

Mit seiner Kandidatur widersetzt Schreier sich jetzt offen dem SPD-Kreisvorstand. Dieser hat für den 3. Februar zu einer SPD-Kreiskonferenz eingeladen, auf der sich neben Martin Körner auch Marian Schreier präsentieren sollte. Aufgrund der „Vorfestlegung“ im SPD-Kreisvorstand sieht Schreier darin keinen Sinn mehr. Die Veranstaltung wird ohne ihn stattfinden: „Ich stehe dafür nicht zur Verfügung“, sagte er unserer Redaktion. Gleichzeitig betonte er: „Ich hätte gerne in einem fairen und ergebnisoffenen Verfahren um die Unterstützung meiner Partei geworben. Dies war aus meiner Sicht leider zu keinem Zeitpunkt möglich. Deshalb habe ich der SPD heute mitgeteilt, mich nicht weiter um ihre Unterstützung zu bewerben.“ Den Zeitpunkt hat Schreier bewusst gewählt: am Montagabend kommt der SPD-Kreisvorstand zu einer Sitzung zusammen. Schreiers Entscheidung dürfte dort für Gesprächsstoff sorgen.

Schreier will Sozialdemokrat bleiben

Der Hinweis auf ein Parteiausschlussverfahren, das Schreier droht, wenn er unabhängig und damit auch gegen den offiziellen SPD-Kandidaten antritt, nimmt der studierte Verwaltungswissenschaftler und ehemalige Mitarbeiter des SPD-Politikers Peer Steinbrück gelassen: „Anders als man in der SPD Stuttgart gerne glaubt, ist ein Parteiausschluss kein Automatismus, sondern muss angestrengt werden. Ob das erfolgt, ist Sache der jeweiligen SPD-Gremien“, argumentiert er. In den zurückliegenden Wochen hätten ihn viele Stimmen – auch aus der SPD – erreicht, sich durch die Ausschlussdrohung nicht unter Druck setzen zu lassen.

Schreier, der seit etwa zehn Jahren SPD-Mitglied ist und dem erweiterten SPD-Landesvorstand angehört, sieht seine politische Heimat weiter in der SPD. „Für mich ist klar: Meine Solidarität gilt der Idee der Sozialdemokratie – und diese ist größer als das, was Teile des Parteiestablishments aus ihr machen.“ Im Gespräch mit unserer Redaktion hob der Sohn des ehemaligen Stiftskantors Manfred Schreier hervor: „Meine Bewerbung ist keine Kandidatur gegen die SPD. Die OB-Wahl in Stuttgart ist eine Persönlichkeitswahl, zu der ich mit meinen Ideen und Überzeugungen antrete.“

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