Karin Kneffel kommt am 4. Dezember in die Staatsgalerie Stuttgart Foto: Sven Vogel/Museum Frieder Burda

In der „Stuttgarter Nachrichten“-Reihe „Über Kunst“ in der Staatsgalerie Stuttgart kommen herausragende Persönlichkeiten zu Wort. Nächster Gast ist am Mittwoch, 4. Dezember, die Malerin Karin Kneffel.

Stuttgart - Viel wird über die gesellschaftliche Bedeutung von Kunst diskutiert. In der „Stuttgarter Nachrichten“-Reihe „Über Kunst“ in der Staatsgalerie Stuttgart kommen herausragende Persönlichkeiten zu Wort. Nächster Gast ist am Mittwoch, 4. Dezember, die Malerin Karin Kneffel. Sie können dabei sein. Beginn ist um 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei – Ihre Anmeldungen nehmen wir gerne entgegen. Unter: www.stn.de/galerie.

„Es geht um das Erzeugen eines Zweifels“

„In der Kunst“, sagt Karin Kneffel, „geht es um das Erzeugen eines Zweifels, um etwas, was man selber noch nicht ganz verstanden hat. Das ist mein Antrieb. Kunstwerke erzeugen einen Haltegriff, der im Moment des Zugreifens verschwindet.“

Großartiger Auftritt im Museum Frieder Burda

Ist es da nicht konsequent, den „Haltegriff“ Kunst bewusst unerreichbar, bewusst distanziert zu präsentieren? Eben dies geschieht aktuell im Museum Frieder Burda in Baden-Baden. Da hängen Karin Kneffels überrealistische Äpfel von 1996 hoch über den Köpfen des Publikums, bestimmen den Raum und ziehen sich doch eigenwillig auf sich selbst zurück.

Beobachtung statt Behauptung

Beobachtung statt Behauptung – das ist die Grundposition der 1957 in Marl geborenen Malerin Karin Kneffel. Und als Beobachterin reagiert sie mit ausdrücklich malerischen Mitteln so selbstverständlich auf Strukturen, Techniken und Ansprüche anderer Kunstformen wie Film und Fotografie, aber auch auf die unter Szenografie gefassten Fragen zur Präsentation künstlerischer Äußerungen, dass sich die Debatte über Kneffels Werk gerne auf die Frage technischer Brillanz einpendelt. Dies aber greift zu kurz.

2017 mit der Sammlung Klein im Kunstmuseum Stuttgart

Von Beginn an stellt sich die Malerin Kneffel – in Stuttgart zuletzt 2017 in der Schau mit Werken der Sammlung klein im Kunstmuseum präsent – quer. Dem „Verschwinden der Kunst im Ring der Kommentare“, wie der 1993 verstorbene Kritiker Wolfgang Max Faust die Situation der zweiten Hälfte der 1980er kommentierte, stellt Kneffel, Studierende der Klasse von Gerhard Richter an der Düsseldorfer Kunstakademie, übergroße und mit lockenden Oberflächenreizen spielende Früchte und Tiere entgegen. Das Contra wirkt – Kneffel wird schnell bekannt. Zugleich formiert sich Widerstand. Was zu sehen ist, wird bald nicht mehr als Befragung der Möglichkeiten von Realität verstanden, sondern als Realität selbst – ein Affront in ausgerufenen Zeiten künstlerischer Forschung.

Malerei als Forschungsarbeit

Spätestens mit der mit dem so einfach wie mehrfach richtigen Titel „Still“ versehenen und die Querbezüge in den Bildern klug in weiterführende Dialoge verwandelnden Ausstellung in Baden-Baden wird jedoch deutlich: Karin Kneffels Malerei ist als künstlerische Forschung zu verstehen. In ihren Bildern ist die Frage, unter welchen Bedingungen wir Geschautes und Gehörtes (beziehungsweise dessen Zusammenklang) wie wahrnehmen, zentral. Ja, es ist Ausgangspunkt – und begründet so auch Kneffels Auseinandersetzung mit der Frage, welche Wirkung welche Präsentation von Kunst hat und unter welchen Einflüssen sich diese Wahrnehmung wie verändert.

Velazquez mit Smiley

Der Kritiker Dirk Schümer formuliert in der „Welt“: „In einem intellektuellen Meisterstück lässt Kneffel die Meniñas von Velazquez von der Leinwand in den Prado herabsteigen, wo sie gemeinsam mit den irritierten Besuchern durch eine Scheibe zu bestaunen sind, auf welche die Malerin einen riesigen Smiley gewischt hat.“ „Damit“, so Schümer weiter, „tritt sie in direkte Kommunikation mit einer der komplexesten optischen Versuchsanordnungen der Kunsthistorie: Karin Kneffel sieht, wie Velazquez sich im Spiegel sieht, wenn das spanische Königspaar den Kindern zuschaut, die es nicht sehen, während die Besucher im Prado all das sehen und von uns durch ein großes Grinsemännchen beim Sehen verschwommen gesehen werden“.

Kunst, Architektur und Film verschmelzen

Konsequent wird so die in Zusammenarbeit mit der Berliner Galerie Klaus Gerrit Friese realisierte Schau im Museum Frieder Burda (zuvor in der Kunsthalle Bremen) mehr und mehr zu einer Ausstellung über eine Ausstellung, zu einem Bild über die Möglichkeit bildnerischer Äußerungen.

Widerspricht dem aber nicht, wenn Karin Kneffel sagt, sie wolle programmatische Bilder „nicht sehen müssen“? Tatsächlich muss man wohl einen Schritt zurück. Oder in Karin Kneffels Worten über ihren Dialog mit Velazquez: „Wenn ich meinen Bildern eine ähnliche Unauslotbarkeit verleihen könnte, eine sinnliche Dimension des Immer-weiter-Denkens – das wäre es.“

Klar ist: Kneffels Weg führt zur Frage, was Malerei in der Medienwelt noch und wieder sein kann. Mit komplexen Bildräumen, in denen Zeit- und Bildebenen sowie Kunst, Architektur und Film miteinander verschmelzen.

Staatsgalerie Stuttgart als „Über Kunst“-Bühne

Wie entstehen diese Bildwelten? Welche Bedeutung hat für Karin Kneffel, die in der ersten Reihe der international bekannten deutschen Künstlerinnen steht, das Untersuchen von Bildmacht an sich? Und wie wichtig ist ihr die für ihre Malerei beschworene geheimnisvolle Distanz? Diese und andere Fragen sind Thema des „Über Kunst“-Abends unserer Zeitung mit Karin Kneffel am 4. Dezember im Vortragssaal der Staatsgalerie Stuttgart.

So können Sie dabei sein

Am Mittwoch, 4. Dezember, ist die Malerin Karin Kneffel zu Gast in der Gesprächsreihe „Über Kunst“ der „Stuttgarter Nachrichten“.

„Über Kunst“ findet statt in der Staatsgalerie Stuttgart (Vortragssaal). Beginn ist um 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei, Ihre Anmeldungen nehmen wir gerne entgegen: www.stn.de/galerie .

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