Solch einen Grund zur Freude, wie bei einer vergangenen Landtagswahl mit Werner Wölfle, Muhterem Aras und Anna Deparnay-Grunenberg (v. li.), haben die Grünen in Stuttgart zurzeit nicht. Foto: Achim Zweygarth

Fraktionschef Andreas Winter will mit dem Bürgermeister, gegen den die Staatsanwaltschaft ermittelt, die weiteren Schritte besprechen. Die Kreisvorsitzende Raphaela Ciblis fühlt mit. Nicht bei allen Parteifreunden wird das so der Fall sein.

Stuttgart - Raphalea Ciblis ist auch am Tag nach der Hiobsbotschaft noch hin- und hergerissen. Dass die Staatsanwaltschaft gegen Werner Wölfle ermittelt und dass sie Büro und Wohnung des grünen Sozialbürgermeisters durchsuchte, findet die Grünen-Kreisvorsitzende „persönlich ganz schade für ihn“. Wer Wölfle kenne, der wisse, „dass er ein Supersozialbürgermeister und ein Supertyp ist“. Doch das sei nun nicht mehr das Kriterium, gesteht sich Ciblis ein. Jetzt gehe es um Transparenz und „größtmögliche Aufklärung“ in der Affäre um Auslandsgeschäfte des Klinikums. Da gehe es um Wölfles Rolle, aber nicht nur. „Wir sollten keinen Sündenbock suchen“, sagt Ciblis, „nötig ist ein Gesamtblick, die Betrachtung des ganzen Geflechts“. Die Klinikumsaffäre sei „eine lange Geschichte mit vielen Akteuren“.

Fraktionschef Winter will mit Wölfle beraten

Nachdenken über Wölfle – damit ist nun nicht nur die Kreisvorsitzende Ciblis beschäftigt. Andreas Winter, Fraktionschef im Rathaus, will sich spätestens an diesem Samstag mit dem Parteifreund „offen über alle Möglichkeiten“ des Vorgehens sprechen. Auch über Forderungen, die nun von anderen Gruppierungen kommen, wie Rücktritt oder Ruhenlassen des Amtes. Die Kernfrage sei aber, wie Wölfle selbst mit der neuesten Entwicklung umgehen wolle. Er, Winter, habe am Donnerstag „keine neuen Fakten“ außer der reinen Tatsache der Ermittlungen erfahren.

Winter ist einer, mit dem Wölfle gut zusammenarbeitete. Viele andere, etwa die Landtagspräsidentin Muhterem Aras, zählen auch dazu. Daneben gibt es aber auch manche, mit denen Wölfle in der Partei zusammenrasselte. Das dürfte er jetzt zu spüren bekommen. Es gebe, sagt Andreas Winter, schon eine große Bandbreite von Stimmungen in der Partei – von viel Rückhalt bis weniger Rückhalt. Doch noch jüngst beim Neujahrsempfang der Grünen sei Wölfle mit freundlichem Beifall bedacht worden, erinnern Teilnehmer. Und jetzt? „Es gilt die Unschuldsvermutung“, sagt die Landtagsabgeordnete Brigitte Lösch wie auch die Kreisvorsitzende Ciblis.

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