Ex-Weltmeister Guido Buchwald gehört den Stuttgarter Kickers nun offenbar nicht mehr an. Am Montagabend feierten die ... Foto: Pressefoto Baumann

Die Stuttgarter Kickers müssen künftig wieder ohne ihr bekanntestes Gesicht auskommen. Der frühere Nationalspieler Guido Buchwald ist nach drei Jahren als Präsidiumsmitglied des Fußball-Drittligisten zurückgetreten.  

Stuttgart - Die Vita liest sich gut; der Großteil der Millionen ehemaligen und aktiven Fußballspieler in Deutschland kann nicht auf solche Karriere-Daten zurückblicken. 207 Bundesliga-Spiele (16 Tore), 75 Zweitliga-Partien (7) sowie zehn Auftritte mit der deutschen U21-Nationalmannschaft. Erfahrung kann Horst Steffen niemand absprechen – und dieser reichhaltige Fundus war ein Punkt, warum die Kickers bei der Trainersuche auf den 44-Jährigen gestoßen waren und sich dann für ihn entschieden hatten.

Am Montag setzte der Ex-Profi wie erwartet seine Unterschrift unter den Vertrag bis 2015. „Ich freue mich auf die spannende und herausfordernde Arbeit bei einem Traditionsclub“, sagte er, nachdem die Tinte trocken war, „und hoffe, dass wir es gemeinsam schaffen, den Verein in ruhiges Fahrwasser zu führen.“ An diesem Dienstag steht Steffen zum ersten Mal bei einer Einheit auf dem Platz im ADM-Sportpark.

Jürgen Hartmann rückt wieder ins zweite Glied und arbeitet mit der U 23. Auch seine Beförderung zum Chef war eine Option. Diese hatte Guido Buchwald favorisiert. Der Weltmeister von 1990 hat daher noch am Montagabend die Konsequenzen gezogen und ist von seinem Amt als Präsidiumsmitglied zurückgetreten. Sein Rückzug habe „mit den letzten Entscheidungen des Vereins“ zu tun, sagte Buchwald an seinem Urlaubsdomizil in Österreich. Näher wollte sich der 52-Jährige nicht äußern. „Natürlich werde ich die Gründe erst einmal intern mit dem Aufsichtsrat bereden“, erklärte er. Der Schwabe, der seine Profikarriere einst bei den Kickers begann, soll sich weder für die kürzliche Einstellung von Ex-Profi Michael Zeyer als Sportdirektor der „Blauen“ ausgesprochen haben noch mit der Verpflichtung von Horst Steffen am Montag als neuem Trainer einverstanden gewesen sein. Buchwald erklärte, er werde mittelfristig sicher wieder im Fußball auftauchen. „Ich bin für alles offen.“

„Wir haben uns für die externe Lösung entschieden“, sagt Sportdirektor Michael Zeyer, „um den Verein weiter zu stärken.“ Dieser Beschluss ist eine Chance mit Risiko. Der Mönchengladbacher, der 2009 die U 17 und seit 2010 die U 19 des Bundesligisten betreute, bringt neue Ideen, andere Trainingsmethoden und Sichtweisen aus dem Innenleben eines Bundesligisten mit nach Stuttgart; andererseits sind die dritte Liga wie auch die Region Stuttgart für ihn Neuland, in dem er sich zunächst zurechtfinden muss. Zudem hat Steffen mit Ausnahme des SC Kapellen-Erft (Verbandsliga/2003 bis 2005) noch nie eine Herren-Mannschaft trainiert.

"Wir verlieren einen sehr guten Trainer"

An der Bereitschaft, alles für seinen neuen Job zu geben, dürfte es nicht mangeln. „Nachdem mich die Kickers gefragt hatten“, erzählt er, „bin ich zum Schluss gekommen, dass ich in meiner Karriere reif bin für den nächsten Schritt, dass ich nach vielen Jahren als Jugendtrainer wieder mit einem Senioren-Team arbeiten möchte.“ In Mönchengladbach ließen sie ihren Junioren-Coach mit einem lachenden und einem weinenden Auge ziehen. „Wir verlieren einen sehr guten Trainer“, sagte Borussia-Nachwuchsdirektor Roland Virkus, „aber für Horst Steffen ist das eine interessante Herausforderung, die wir ihm nicht verbauen wollten.“ Mit seinen Gladbacher A-Junioren erreichte Steffen vergangene Saison das Halbfinale im DFB-Pokal, in der Bundesliga West belegte sein Team in den zurückliegenden drei Spielzeiten zweimal Platz drei und einmal Rang vier.

An diesem Dienstag beginnt das Unternehmen Klassenverbleib bei den Blauen für den neuen Mann. Im ersten Spiel unter seiner Regie treffen die Kickers am diesem Samstag (14 Uhr) bei Darmstadt 98 auf einen Ex-Trainer. Seit Dirk Schuster Mitte November 2012 beurlaubt wurde, ist Horst Steffen bereits der fünfte Coach, der auf der Trainerbank Platz nimmt – verbunden mit der Hoffnung, dass dieser Übungsleiter bis (mindestens) 2015 bleibt.

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