Die Gemütslage beim Derby im Gazistadion: Die Kickers trauern, die VfB-II-Spieler jubeln. Foto: Baumann

Die Wege der beiden Stuttgarter Stadtrivalen in der Fußballl-Regionalliga scheinen sich zu trennen: Der VfB II trumpft im Derby im Stile einer Spitzenmannschaft auf. Die Kickers müssen nach der desolaten Leistung den Blick hingegen eher nach unten richten.

Stuttgart - Stuttgarter Kickers: Christian Dinkelacker stand in den Katakomben des Gazi-Stadions, und sein blaues Herz blutete. „Wir haben sämtliche Grundtugenden vermissen und uns vorführen lassen. Das tut so sehr weh“, klagte der Aufsichtsratsvorsitzende nach dem 1:5(0:2)-Debakel in der Fußball-Regionalliga gegen den Stadtrivalen. Ob die erbärmliche Vorstellung Konsequenzen habe, wollte einer wissen, und deutete in Richtung Trainer. „Ach was“, entfuhr es Dinkelacker, nicht ohne allerdings Tomasz Kaczmarek (Vertrag bis 2019) in die Pflicht zu nehmen: „Das Trainerteam ist jetzt gefordert, den Kampfgeist in der Mannschaft schnell wieder zu wecken.“

Schwächste Saisonleistung der Kickers

Blutleer, emotionslos, uninspiriert, zweikampfschwach, ohne Plan auch beim Anlaufen gegen den Ball, dafür mit dramatischen individuellen Fehlern vor allem in der Hintermannschaft – so hatten sich die Kickers bis auf gut 20 Minuten nach der Pause den 3720 Zuschauern im Gazi-Stadion präsentiert. Da konnte und wollte Kaczmarek nichts beschönigen: „Das war unsere mit Abstand schlechteste Saisonleistung“, sagte er erst im normalen Tonfall. Dann wurde er auf dem Podium plötzlich richtig laut, was am Spielfeldrand beim introvertierten Polen eher selten der Fall ist. „Ich übernehme zu 100 Prozent die Verantwortung. Es ist mein Job, die Mannschaft besser einzustellen.“ Warum das diesmal grandios schiefgegangen war? Kaczmarek legte die Stirn in Falten: „Das Derby, die tolle Choreografie der Fans, ein Livespiel im Fernsehen – vielleicht waren wir übermotiviert, wollten zu viel.“

Viele solcher Auftritte darf es nicht geben

Richtig schlüssig klang das alles nicht. Der 32-Jährige weiß genau: Viele solcher Auftritte kann er sich mit seinem Team nicht erlauben, sonst wird die Luft auch für ihn dünn. „Zu einer Entwicklung gehören auch Rückschläge“, sprang Sandro Abruscia seinem Coach zur Seite. Dann gelobte der Rechtsverteidiger artig Besserung. „Wir müssen und werden im nächsten Spiel eine Reaktion zeigen.“

Dass es dabei an diesem Samstag (14 Uhr) zu Kickers Offenbach geht, das nach einem 1:5 beim SC Freiburg II auf Platz zwei abrutschte, spiele keine Rolle. Der Gegner sei vollkommen egal. Die Kickers müssen nach dieser Lehrstunde im Derby ihre Wunden lecken. Und es ist kein Vorteil, dass es bei den Blauen außerhalb des Trainerteams keinen ausgewiesenen Fußball-Fachmann gibt, der die Dinge auf Augenhöhe kritisch hinterfragt und auch den Markt kennt.

Unter Hinkel läuft es beim VfB Stuttgart II

VfB Stuttgart II „Derbysieger, Derbysieger“, tönte es aus der Kabine des VfB II. Saisonübergreifend war das Team zum 14. Mal hintereinander ungeschlagen geblieben. In der Tabelle des Kalenderjahrs 2017 belegt es Platz zwei. Warum es so rund läuft, seit An­dreas Hinkel (35) in der vergangenen Winterpause das Traineramt übernommen hat? „Er macht ruhig und besonnen seinen Job, findet einen super Zugang zu den jungen Spielern“, lobt Kapitän Tobias Feisthammel (29) den ehemaligen Nationalspieler.

Diese jungen Spieler zeigten im Derby ihre fußballerische Extraklasse. Der zweifache Torschütze Caniggia Elva, Nicolas Sessa oder Joel Sonora spielten die Blauen schwindlig. „Diese Jungs sind zu Höherem berufen“, ist sich Routinier Feisthammel sicher, der mit Pascal Breier (25) das Team führt. Breier hat mit seinem Doppelpack im Derby nun schon sieben Saisontreffer auf seinem Konto. Doch wichtig ist dem Offensivmann der Mannschaftserfolg. „Wir wollen unter den ersten fünf mitspielen“, sagte Breier. Zuzutrauen ist es dem Team allemal, auch wenn es nicht immer gegen einen solch schwachen Gegner wie die Kickers geht.

Stuttgarter Kickers - Regionalliga

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