Fassungslos: Die Kickers-Spieler haben eine große Chance verpasst. Foto: Baumann

Nach der Pleite im WFV-Pokalfinale gegen Dorfmerkingen herrschte bei den Verantwortlichen der Stuttgarter Kickers Fassungslosigkeit. Alles soll auf den Prüfstand kommen – nur am Trainer wird nicht gerüttelt.

Stuttgart - Um 14.45 Uhr war dieses denkwürdige WFV-Pokal-Finale zu Ende. Die Spieler und Fans des Fußball-Landesligisten SF Dorfmerkingen zündeten im Stuttgarter Gazi-Stadion ein Feuerwerk der Emotionen: Jubelschreie, Umarmungen, Freudentänze. Im Lager der Stuttgarter Kickers herrschte nach dem unerwarteten 1:3 (0:1) Niedergeschlagenheit. Präsident Rainer Lorz befand sich zunächst in Schockstarre. „Das war eine peinliche Vorstellung“, presste er später über die Lippen. Aufsichtsratschef Christian Dinkelacker ergänzte: „Die Elf ist an ihrer Arroganz und an ihrer Selbstüberschätzung gescheitert.“

Kickers verspielen auch 140 000 Euro

Durch die verpasste Qualifikation für den DFB-Pokal entgehen den Blauen mehr als 140 000 Euro. Fast genauso schlimm: Die positive Grundstimmung nach dem doch noch erreichten Regionalliga-Verbleib ist wieder futsch. Die mit größte Blamage der Vereinsgeschichte ließ alle Kickers-Fans unter den 5150 Zuschauern vollkommen fassungslos nach Hause gehen. Ein Teil der Anhängerschar beließ es nicht dabei: Sie beschimpfte die Spieler lautstark. Schon beim Stand von 0:3 (65.) waren im B-Block einige Anhänger auf den Zaun geklettert. Es flogen Plastikbecher. Es fehlte nicht viel und einzelne Fans wären auf den Platz gestürmt. Der Schiedsrichter Carl Höfer (Unterweissach) unterbrach die Partie für zehn Minuten. Danach blieb alles im Rahmen.

Eine erbärmliche Vorstellung

Die Kickers hatten vom Anpfiff weg eine erbärmliche Vorstellung gezeigt. Dorfmerkingen war von seinem Trainer Helmut Dietterle glänzend eingestellt, spielte mit Herz und Leidenschaft – aber das Bittere aus Sicht des Viertligisten: Der drei Klassen tiefere spielende Dorfclub musste nicht einmal über sich hinauswachsen, um den Pott zum zweiten Mal nach 1998 auf das Härtsfeld zu holen. Locker-flockig gingen sie durch drei Tore von Fabian Weiß (34., 62., 64.) mit 3:0 in Führung. Nach der Unterbrechung traf Shqipon Bektasi zum 1:3. Kurz danach sagte der Stadionsprecher durch: Noch elf Minuten zu spielen. Doch wer jetzt ein letztes Aufbäumen der Blauen erwartet hatte, wurde maßlos enttäuscht.

„Das ist ein Tag, der Konsequenzen haben wird“

„Wir hatten nach dem Klassenverbleib nicht gefeiert. Wir waren fokussiert. Aber es war nur Mist, was hier passiert ist“, fasste der Kickers-Coach Tomasz Kaczmarek das Unerklärbare zusammen. Dann ergänzte er: „Das ist ein Tag, der Konsequenzen haben wird – sportlich und finanziell.“ Wobei die fehlende Geldspritze sich auf den Kader auswirkt. Der wird nun noch genauer überdacht. „Jeder Spieler kommt auf den Prüfstand“, kündigte Lorz an. Also auch die, die noch Verträge besitzen. Und der Trainer? Den nahm der Präsident auch nach dem Scheitern im Finale in Schutz: „Er macht gute Arbeit. Daran ­ändert sich nichts. Wir können jetzt nicht alles infrage stellen“, erklärte Lorz. Auch wenn das nach diesem erbärmlichen Auftritt mehr als schwer fällt. Stuttgarter Kickers Königshofer – Scioscia, Schulz, Kaffenberger, Landeka (66. Scepanik) – Blank (54. Mannström), Müller – Thermann (Badiane), Pfeifer (64. Tunjic), Weißenfels – Bektashi. SF Dorfmerkingen Zech – Hasenmaier, ­Michael Schiele, Jeffrey Janik, Gruber – Vesel (83. Scherer), Weißenberger, Brenner (90. Niederer), Philipp  Schiele (85. Fabian Janik) – Nietzer, Weiß (84. Sauer).

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