Für 2021 muss sich das Weindorf einen anderen Platz suchen. Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

2021 wird das Rathausvorfeld umfassend saniert und neu gestaltet. Diverse Veranstaltungen müssen daher auf andere Plätze in der Stadt verlegt werden. Stadt und Land suchen nach Alternativen.

Stuttgart - Wegen der Sanierung und Neugestaltung des Stuttgarter Marktplatzes müssen im Jahr 2021 zahlreiche Traditionsveranstaltungen wie das Stuttgarter Weindorf oder das Festival der Kulturen auf andere Plätze in der Stadt ausweichen. Ob der über die Grenzen der Landeshauptstadt hinaus beliebte Weihnachtsmarkt während der heißen Phase der insgesamt zweijährigen Umbauphase wie gewohnt stattfinden kann, ist zumindest fraglich: Der Bauzeitenplan ist extrem eng gestrickt, bei Verzögerungen, etwa aufgrund technischer Probleme im Untergrund, könnte es auch für den vorweihnachtlichen Budenzauber eng werden.

Dass der Stuttgarter Marktplatz neu gestaltet werden soll, hatte der Gemeinderat schon 2005 beschlossen. Mittlerweile wurde das damalige Konzept über den Haufen geworfen, die Stuttgarter Landschaftsgestalter Gauder + Gehring (g2) gingen aus der neuerlichen europaweiten Ausschreibung für die Planung als Sieger hervor. Das Büro hat am Dienstag im Technischen Ausschuss des Gemeinderats seine Entwürfe vorgestellt und dafür breite Zustimmung geerntet.

Der Haken an der Sache: Die Stadt veranschlagt für die verschiedenen Bauabschnitte, die auch die Münz- und Marktstraße umfassen, zwei Jahre Bauzeit. 2019 werden die Ausschreibung der Arbeiten vorbereitet, ein Beleuchtungskonzept erprobt und über die Muster für die neuen Pflasterbeläge entschieden. Nach dem Weindorf 2020 beginnt dann der erste Bauabschnitt am Marktplatz, zunächst in den Randbereichen. Auch der Weihnachtsmarkt im November/Dezember ist davon nicht berührt.

Marktbrunnen soll angehoben werden, Wasserfontänen werden installiert

Anders 2021: Dann werden die Hauptbauarbeiten auf dem Marktplatz durchgeführt. Geplant ist, ab Februar die Oberfläche mit einem neuen Pflaster aus Granit zu belegen und vor dem Nespresso-Shop eine Fläche mit Wasserfontänen anzulegen. Zudem sollen neue Bänke installiert – die Planer sprechen in dem Zusammenhang von „nicht kommerziellem Sitzen“ – und der historische Marktbrunnen auf das Höhenniveau des Platzes angehoben und anschließend restauriert werden.

Allerdings steht die Genehmigung der Denkmalschutzbehörde noch aus. Denkbar sei auch, das Original im Stadtarchiv einzulagern und ein Duplikat an seine Stelle zu setzen. Zudem sollen unterirdische Stromanschlüsse verlegt und das Pflaster mit Steckdosen garniert werden, um für künftige Veranstaltungen eine professionelle technische Infrastruktur zu haben.

Weil der Marktplatz dafür gesperrt werden muss, sind zahlreiche Veranstalter gezwungen, umzuziehen. Neben dem Wochenmarkt, der wie schon in der Vergangenheit auf die Königstraße ausweichen könnte, sind etwa das Festival der Kulturen, der Christopher Street Day (CSD), Karnevalsveranstaltungen und das Weindorf betroffen. In Gesprächen zwischen Stadt und Land wird nun mit Hochdruck nach Ausweichquartieren gefahndet.

Der Veranstalter des Stuttgarter Weindorfs, der Verein Pro Stuttgart, könnte sich laut seiner Geschäftsführerin Bärbel Mohrmann einen Umzug auf den Schlossplatz vorstellen, bräuchte dafür aber die Zustimmung des Landes als Eigentümer. Man sei in guten und konstruktiven Gesprächen, sagte Bärbel Mohrmann am Dienstag am Rande der Sitzung.

Veranstalter in Stuttgart sieht Weihnachtsmarkt von Bauarbeiten nicht tangiert

Das Ende der Hauptbauphase ist für November 2021 terminiert, Ende November beginnt der Weihnachtsmarkt. Bei der städtischen Veranstaltungsgesellschaft in Stuttgart zeigt man sich dennoch gelassen: „Der Weihnachtsmarkt wird auf jeden Fall stattfinden, das ist mit den Ämtern so abgestimmt“, sagt Pressesprecher Jörg Klopfer. Falls es bei den Arbeiten je zu Verzögerungen komme, werde man improvisieren.

Nach Abschluss der Hauptbauphase finden bis August 2022 noch Belagsarbeiten in der Münz- und Marktstraße statt. In der Markstraße werden zudem drei neue Ulmen gepflanzt. Schon ab Februar ist der dann komplett erneuerte zentrale Platz vor dem Rathaus wieder bespielbar.

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