Ganz ohne Chauffeur rollert der E-Scooter der Uni Stuttgart durch das Foyer der Hochschule für Technik – und von Mitte nächsten Jahres an auch auf dem Campus in Stuttgart-Vaihingen. Nach dem Transport fährt er allein zum Standort zurück. Foto: Lg/Christoph Schmidt

Beim landesweiten Ideenwettbewerb für nachhaltige Mobilität auf dem Campus haben gleich vier Stuttgarter Hochschulen und die Hochschule Biberach gepunktet. Den ersten Preis hat die Uni Stuttgart mit ihrem Konzept für ein Reallabor zu Forschungsfahrzeugen, -straße und -parkhaus abgeräumt.

Stuttgart - Großer Bahnhof für das Thema Mobilität: Beim landesweiten Ideenwettbewerb „Mobilitätskonzepte für einen emissionsfreien Campus“ haben gleich vier Stuttgarter Hochschulen und die Hochschule Biberach Preisgelder abgeräumt. Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) hatte insgesamt 800 000 Euro für die innovativsten Konzepte ausgesetzt. Ziel sei, dass Hochschulen im Kurs auf Klimaneutralität Schrittmacher für die Städte werden. „Sie können zeigen, wie nachhaltige Mobilität nutzerfreundlich umgesetzt werden kann“, so die Ministerin bei der Preisverleihung in der Hochschule für Technik, der auch Verkehrsminister Winfried Hermann beiwohnte. „Technische Lösungen allein reichen nicht – wir brauchen auch Verhaltensänderungen“, so Bauer. „Sie müssen und können zeigen, was geht und wie es geht.“ An dem Wettbewerb, der Teil des Strategiedialogs Automobilwirtschaft der Landesregierung ist, nahmen insgesamt elf Hochschulen teil. Als künftige Ziele nannte Bauer die Einrichtung eines landesweiten Mobilitätsmanagers sowie eines Hochschulfonds für kleinere Campusmaßnahmen.

Uni Stuttgart: E-Scooter allein unterwegs

Mit ihrem Konzept eines Reallabors zu den Themen Forschungsfahrzeug, Forschungsstraße und Forschungsparkhaus räumte die Uni Stuttgart den mit 300 000 Euro dotierten ersten Preis in der Kategorie „Hochschule im urbanen Raum“ ab. Mit ihrem Hingucker, einem chauffeurlos fahrenden E-Scooter, beeindruckte die Uni die Festgäste. „Was kann denn der?“, fragte Minister Hermann. Darauf Unirektor Wolfram Ressel: „Der kann auch leer fahren – statt zwei bis drei Fahrten am Tag schafft der mindestens 30.“ Und: „Die Scooter sind so codiert, dass man sie nur auf dem Unigelände nutzen kann“, ergänzte ein Kollege. Ein Start-up baut und entwickelt die Fahrzeuge. Ab Mitte nächsten Jahres sollen sie auf dem Vaihinger Campus eingesetzt werden. In einem zweiten Schritt sollen sie auch unterwegs autonom geladen werden – Ressel: „Wir wollen auch die Forschung mit einbinden.“ Außerdem geplant: ein automatisierter Elektro-Shuttlebus, um Parkhaus und S-Bahn mit den Campuseinrichtungen zu verbinden.

Uni Hohenheim: Mit dem Rad über den Campus

Emissionen verringern, Erreichbarkeit verbessern, Aufenthaltsqualität steigern: mit ihrem ausgefeilten Konzept für diesen Plan schaffte es die Uni Hohenheim in der Kategorie „Besonderes Engagement“ auf Platz zwei und kassierte dafür 150 000 Euro Preisgeld. Ministerin Bauer hob hervor, dass die Uni in besonderer Weise die Stärken und Schwächen ihres Standorts analysiert und in das Konzept eingearbeitet habe. Diese finden sich auch im Masterplan 2030 für Bauen und Mobilität der Uni wider, der teilweise bereits umgesetzt ist. Dafür sorgen ein eigens beauftragter Mobilitätsmanager sowie ein Fahrradmanager. So baute die Uni 400 Fahrradstellplätze, richtete Regio-Rad-Stationen mit Leihfahrrädern ein und stellte Duschen und Umkleiden bereit. „Ab nächsten Sonntag fährt der 65er-Bus von der Mensa bis zum Flughafen“, berichtete Unirektor Stephan Dabbert erfreut. Denn dort sei ja Stuttgarts künftiger Bahnhof Süd. Auch der Wohnheimbau kommt voran: Dann entstehe erst gar kein Verkehr, so Dabbert. „Wir wollen es leichter machen für Fahrradfahrer und Fußgänger.“ Aber: „Tempo 30 auf dem Campus ist viel schwieriger umzusetzen, als man glaubt.“

HFT: „Waldi“ folgt selbstfahrend aufs Wort

Mit ihrem besonderen Fokus auf das Mobilitätsverhalten ihrer Mitglieder hat die Hochschule für Technik (HFT) in der Kategorie „Sonderpreis für Originalität“ ein Preisgeld von 100 000 Euro abgeräumt. Basis war eine Erhebung des Verkehrsverhaltens der 4000 Studierenden, 200 Angestellten und 530 Dozenten. Danach legen 9 Prozent die Wege von und zur HFT mit dem Fahrrad zurück, aber alle sind mit der Rad-Infrastruktur unzufrieden: Es fehlen sichere Abstellplätze, Spinde, Duschen. Eine Neuentwicklung der HFT könnte Menschen motivieren, trotz Lasten zu Fuß zu gehen: nämlich mit „Waldi“. Ein elektrisch fahrendes Transportkistchen, das auch als Sitz taugt. Den Tag der Mobilität im Stadtgarten, bei dem neue Möglichkeiten der Fortbewegung, aber auch für Straßenraumgestaltung präsentiert wurden, wolle man künftig mit der Dualen Hochschule gemeinsam veranstalten – „vielleicht ist im übernächsten Jahr auch die Uni Stuttgart dabei“, sagte Prorektor Lutz Gaspers.

Duale Hochschule: Flexibilität beim Wohnort für Studenten

Auch die DHBW Stuttgart konnte in der Kategorie „Sonderpreis für Originalität“ punkten und erhält 100 000 Euro. Zwar möchte die Hochschule im Blick auf ihre 800 externen Dozenten nicht auf Parkplätze verzichten, aber dennoch für alle Hochschulmitglieder „die Erreichbarkeit optimieren“ und die Emissionen gering halten – zum einen durch „flying spaces“, also flexible Wohnmodule für die Studierenden während ihrer Theoriephase in der Stadt. „Auch unsere dualen Partner haben die Möglichkeit, ‚flying spaces’ zu erwerben und selber zu nutzen“, sagte Rektor Joachim Weber. Zum anderen ist auch „Smart Parking, E-Mobility & Sharing“ geplant. Auch zwei Bike-Tower für Fahrräder sowie Regio-Rad- und Servicestationen sieht das Konzept vor.

Hochschule Biberach: Mitfahrbänke an den Hauptstraßen

Für ihr Konzept eines Maßnahmenmixes aus E-Roller-Flotte, von Alumni bezahlten Wohnplätzen auf dem Campus und Mitfahrbänken entlang der Hauptstraßen außerhalb der Stadt erhält die Hochschule Biberach in der Kategorie „Hochschule im ländlichen Raum“ ein Preisgeld von 150 000 Euro.

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