Zu den Aufgaben von Isabel Fezer gehören die Sanierungen von Schulen und die Bereitstellung von Kitaplätzen. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Die Stuttgarter Jugend- und Bildungsbürgermeisterin Isabel Fezer fühlt sich nach acht Amtsjahren „in Stadtgesellschaft und Gemeinderat akzeptiert“. Ihre Wiederwahl scheint gesetzt zu sein. Doch manch einer wünscht sich von der freundlichen Frau mehr Impulse.

Stuttgart - Isabel Fezer ist guten Mutes: Selbstverständlich wolle sie weiter als Bürgermeisterin für Jugend und Bildung im Stuttgarter Rathaus arbeiten. „Ich habe die Lust, die Kraft, die Energie – ich habe gute Ideen, und ich fühle mich akzeptiert in der Stadtgesellschaft und im Gemeinderat“, sagt die 58-jährige Juristin aus Radolfzell.

Das klingt, als wäre das Stuttgarter Rathaus eine Wohlfühlzone. Nein, sagt sie, so sei es nicht. Es gibt zu viele Brocken, die bewältigt und Bretter, die gebohrt werden müssen: Schulsanierungen, Ganztagsschule, Schulfusionen, Personalsuche, Kitaplätze und Rechtsanspruch. Eine Hausmacht hat sie als FDP-Mitglied im Stuttgarter Gemeinderat nicht. Im 60-köpfigen Gremium besetzt die FDP nur drei Sitze. Doch anders als vor acht Jahren, als Fezer sich mit hauchdünner Mehrheit gegen Werner Wölfle (Grüne) durchsetzen konnte, gilt sie diesmal als gesetzt. Einen Gegenkandidaten gibt es dem Vernehmen nach nicht.

Isabel Fezer tritt niemanden gegen’s Schienbein

Also alles in Butter für Bürgermeisterin Fezer? Hat sie in den acht Jahren mit ihrer Arbeit überzeugen können, sachlich und politisch? Zunächst in den Bereichen Soziales, Jugend und Gesundheit, seit zwei Jahren verantwortet sie das Ressort Jugend und Bildung. Fest steht: Isabel Fezer ist freundlich und verbindlich, kann zuhören und hat nach anfänglicher Unsicherheit gelernt, Menschen für sich einzunehmen – auch durch ihren Humor. Tritte gegen’s Schienbein sind ihre Sache nicht.

Aber viele vermissen bei ihr eine Agenda, die große Linie – und Durchsetzungsfähigkeit. Sie selber sieht das anders. An erster Stelle stehe bei ihr das Thema Bildungsgerechtigkeit: „Ich möchte jedem Kind die Möglichkeit geben, seine Potenziale zu entfalten.“ Deshalb setzt sie sich sehr klar für das Stuttgarter System bei der Schulkindbetreuung ein: entweder verbindlicher Ganztag oder Halbtag, aber kein Flickenteppich von Betreuungsangeboten mehr. Gute Noten heimste sie bei der Qualitätsanalyse der Ganztagsgrundschulen ein.

Eine Teilausgliederung des großen Jugendamts lehnt die Bürgermeisterin ab

Weniger Biss bewies sie beim Zuschnitt ihres Ressorts. So sind Schulkind- und Kitabetreuung immer noch in zweierlei Ämtern angesiedelt, für eine Bündelung sei es „zu früh“, meint sie. Fezer will den Personalwechsel in der Leitung des Schulverwaltungsamts im Januar 2019 abwarten. Eine Aufteilung des Jugendamts mit fast 4000 Beschäftigten, etwa durch eine Teilausgliederung als Eigenbetrieb, lehnt sie ab.

Nicht nur aus Gründen der Bildungsgerechtigkeit, sondern schlicht wegen des Rechtsanspruchs sollte die Stadt für jedes Kind ab dem vollendeten ersten Lebensjahr einen Kitaplatz bieten. Doch trotz aller Ausbaubemühungen fehlen seit vielen Jahren mehr als 3000 Kitaplätze und mittlerweile auch 1700 Erzieherinnen. „Ein Megathema“, räumt Fezer ein. Ein umfangreiches Paket zur Personalgewinnung gemeinsam mit den freien Trägern sei in Vorbereitung. Doch die für den 11. Juni vorgesehene Beschlussvorlage wurde wegen verwaltungsinterner Abstimmungsprobleme zurückgestellt. Und Fezers Vorhaben, angehende Erzieherinnen nicht mehr auf den Personalschlüssel anzurechnen, wird wohl erst nach dem nächsten Haushalt, also frühestens in 2020, realisiert werden können.

Die anstehenden Schulfusionen gehen langsamer voran als gewünscht

Neben den von Fezers Vorgängerin Susanne Eisenmann (CDU) erstmals systematisierten Schulsanierungen – „eine Daueraufgabe“, so Fezer, müssen auch für die geschrumpften Werkreal- und Sonderschulen Lösungen gefunden werden. Doch die Fusionspläne könnten „nicht mit dem Druck bearbeitet werden, wie wir das möchten, weil wir im Schulverwaltungsamt auf Kante genäht sind“, so Fezer. Aber: „Ich kann mich nicht beschweren, dass wir im Ressort zu wenig Geld haben.“

Doch damit kann sie sich weder Erzieherinnen noch Handwerker für die Schulsanierungen kaufen – der Fachkräftemarkt ist leer. So steht sie weiter vor großen Herausforderungen. Ihr Plus: Sie kennt die Akteure, kommt mit allen gut aus. Die Gemeinderatsfraktionen werden auf Kontinuität setzen – auch, weil es guter Brauch ist, Bürgermeister nicht ohne schwerwiegenden Grund abzuwählen. „Wir sind gut beraten, daran nicht zu rütteln“, meint Vittorio Lazaridis (Grüne). Auch Iris Ripsam (CDU) signalisiert Unterstützung. Und SPD-Chef Martin Körner kündigt an: „Wir werden Frau Fezer wiederwählen. Wir sind froh, dass die Struktur mit Schulverwaltungs- und Jugendamt so geschaffen wurde.“ Das biete „neue Möglichkeiten im Zusammenspiel zwischen schulischer und vorschulischer Bildung – da erhoffen wir uns mehr Impulse“. Mehr Taten wünscht sich Körner auch bei der konkreten Umsetzung eines bildungsgerechten Stuttgarts.

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