Ein Altar (Ausschnitt), der in den 1450-er Jahren entstanden sein muss, zeigt Margarethe (rechts), die dritte Frau von Graf Ulrich V. von Württemberg Foto: Landesmuseum Württemberg

Als Tochter des Papsts war sie eine gute Partie: das Hauptstaatsarchiv zeigt eine Ausstellung zu Margarethe von Savoyen. Sie hat in Stuttgart viel bewirkt.

Stuttgart - Das muss man erst mal hinbekommen: Als Margarethe Witwe wird, ist sie gerade 14 Jahre alt. Mit elf Jahren hatte sie Ludwig III geheiratet, als er nach drei Jahren starb, hat sie ihn allerdings nicht einmal persönlich zu Gesicht bekommen. Gelohnt hat sich die Ehe dennoch, sie brachte ihrer Familie, dem Haus Savoyen den königlichen Titel.

Vor 600 Jahren ist Margarethe von Savoyen geboren worden, in einer Zeit, in der es selten um Liebe ging, wenn geheiratet wurde. Margarethe, die im Stuttgart in der Stiftskirche begraben liegt, war eine gute Partie. Sie ist am Genfer See aufgewachsen und war gebildet, musisch, belesen, mehrsprachig. Vor allem aber hat ihr Vater es zum Papst gebracht. Nachdem der Herzog 1439 gewählt wurde und sich danach Felix V nannte, wurde „die Tochter des Papstes“ auf dem europäischen Heiratsmarkt hoch gehandelt. „Die Tochter des Papstes“ nennt sich nun auch eine Ausstellung im Hauptstaatsarchiv Stuttgart, die eintaucht in die Vergangenheit mit zahlreichen Objekten und Dokumenten aus dem ausgehenden Mittelalter – sei es dem Münzstempel, mit dem die Schaumünzen geprägt wurden, die der neue Papst bei seiner Krönung verteilte, oder auch einer der Eheverträge Margarethes, die drei Mal geheiratet hat.

Eine Papsttochter poliert das Image des Hauses Württemberg auf

Schachern gehörte zum Heiraten dazu. So sicherte sich Margarethe ab, dass ihr zweiter Mann keinen Zugriff auf die Güter aus erster Ehe hat. Er starb allerdings bereits mit 25 Jahren. Die dritte Ehe führt sie nach Stuttgart. Graf Ulrich V. und das Württemberg polieren ihr Image durch Heirat mit der Tochter des Papstes auf. Sie lebt fortan im Stuttgarter Schloss und in Nürtingen, ist mildtätig, initiiert eine Almosenstiftung für Bedürftige und unternimmt Pilgerfahrten, auch nach Santiago de Compostela.

150 Exponate wurden zusammengetragen. Die Ausstellung schlägt große Bögen zu den dynastischen Verbindungen und der Karriere von Margarethes Vater. Viele Aspekte interessieren wohl eher Wissenschaftler als das breite Publikum – sei es ein Brokatmuster mit „stilisierten Rosetten und nach innen gekerbten Blätter“ oder die Frage, wie sich savoyische und päpstliche Insignien vermischten. Es wird auch vorausgesetzt, dass die Besucher wissen, was „Littera“, „Bleibulle“ oder „Missale“ ist. Auch die vielen Texte mit kleiner Schrift sind nicht publikumsfreundlich.

Trotz unterhaltsamer Elemente wird Margarethe nicht plastisch

Trotzdem sieht man der Ausstellung das Bemühen an, die Historie lebendig zu vermitteln. Hier kann man Musik von Guillaume Dufay anhören, der zeitweise der savoyischen Hofkapelle vorgestanden haben soll. Dort wurde eine Buchmalerei wie ein Zeichentrick-Clip animiert und ein Galan überreicht seiner Angebeteten in Dauerschleife ein Geschenk.

Und doch wird die Figur der Margarethe nicht allzu plastisch. Die Ausstellung widmet sich in weiten Teilen nicht ihr, sondern der Weltgeschichte und ihrem Vater. Anstelle der vielen Bücher, die in den Vitrinen liegen und deren Texte man ohnehin nicht lesen kann, würde man gern mehr erfahren von dieser offensichtlich außergewöhnlichen Frau, die gerade auch in Stuttgart soviel Gutes bewirkt haben soll.

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