Seit Jahren wird das Areal des Katharinenhospitals völlig neu geordnet. Foto: Stadtmessungsamt Stuttgart

Das Katharinenhospital ist das größte Krankenhaus der Stadt. Seit Jahren läuft dort nun schon die Umgestaltung. Es ist bereits der dritte Komplettneubau auf dem Gelände, wie der Rückblick in unserer Luftbilder-Serie zeigt.

Stuttgart - Es ist nur wenig übertrieben, wenn man das Gelände zwischen Kriegsbergstraße, Herdweg und Sattlerstraße als Dauerbaustelle bezeichnet. Dies gilt keineswegs erst, seit dort vor nunmehr gut zehn Jahren die völlige Umstrukturierung des städtischen Klinikums begonnen wurde. Im Grunde ist das schon so, seit das Katharinenhospital (KH) gegründet worden ist.

Weil in den 1790er Jahren in Stuttgart ­Klinikbetten fehlten, kam der Gedanke für einen Krankenhausneubau auf. 1817 beschloss König Wilhelm I., ein neues Kranken- und Gebärhaus bauen zu lassen. Dass damit schon drei Jahre später begonnen wurde, lag am plötzlichen Tod der mildtätigen Königin Katharina 1819, der damit ein Denkmal gesetzt werden sollte.

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1827 war das von Hofbaumeister Nikolaus Friedrich von Thouret im klassizistischen Stil errichtete „Catharinen-Hospital“ mit 230 Betten fertig. In den folgenden Jahrzehnten ging die Bautätigkeit auf dem Areal weiter. Eine Reihe von Gebäuden fügten sich mit der Zeit zu einem ansehnlichen Ensemble. Im Zweiten Weltkrieg zählte das KH mehr als 720 Betten. Bis am 25. und 26. Juli 1944 mehrere Bombenangriffe das Hospital fast völlig in Schutt und Asche legten.

Trümmerfeld mit einigen Überresten

Die Luftaufnahme von 1955 zeigt das Trümmerfeld mit einigen Überresten vergangener Tage. An der Nordseite des Areals an der Sattlerstraße ist ein ursprünglich als Landeshebammenschule gebautes Langhaus zu sehen. Es war ebenfalls ausgebrannt, 1948 hatte man mit dem Wiederaufbau begonnen. Es existiert bis heute, genutzt unter anderem durch die Kiefer- und die Gesichtschirurgie sowie die Augenklinik des KH. Ebenfalls zu den Überlebenden des ­alten Klinikensembles gehört die Prosektur an der Ecke Herdweg und Sattlerstraße, die bis heute als Pathologie genutzt wird. Der Winkelbau im nordöstlichen Bereich, ein Wirtschaftsgebäude mit Kesselhaus, erkennbar am hohen, einen Schatten werfenden Kamin, diente noch bis ins Jahr 2010 als Energiezentrale und als Kantine.

Die Umrisse des zerstörten Haupthauses mit seinen drei Flügeln sind oberhalb des Krankenhausgartens mit seinen Wegen erkennbar. „Erst kürzlich sind die letzten Fundamente davon aufgetaucht“, sagt Steffen Walz, der Abteilungsleiter Krankenhausbau beim städtischen Hochbauamt. Bei den laufenden Arbeiten am jüngsten Neubau, dem sogenannten Haus F, wo sich künftig der Haupteingang ins KH befinden wird. Es ist Teil des 2005 gefassten Masterplans, mit dem die Stadt die vormals auf sechs Standorte verteilten Krankenhäuser an zwei Stellen konzentriert hat, in Bad Cannstatt und eben am Katharinenhospital.

Die Tage des Katharinenhofs sind gezählt

Nach den Zerstörungen des Weltkriegs musste das KH fast komplett neu errichtet werden. Der Wiederaufbau dauerte von 1957 bis 1967. Der Riegel der Bettenhäuser, auf denen sich heute der Hubschrauberlandeplatz befindet, stammt noch aus dieser Zeit. Auch danach ging die Bautätigkeit weiter. 1993 wurde der Katharinenhof an der Kriegsbergstraße eingeweiht, der jetzige Haupteingang des KH mit seinem großzügigen Lichthof. In diesen Jahren wurden auch die Gebäude der Sana-Herzchirurgie entlang des Herdwegs errichtet.

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Auch im Zuge der jüngsten Neuordnung des Klinikstandorts wird zuletzt kaum ein Stein auf dem anderen bleiben. Das neue Doppelprojekt des Kinderhospitals Olgäle und der Frauenklinik mit den sechs versetzt angeordneten Pavillons am Fuße des Kriegsbergs steht schon. Das Haus F, der künftige Haupteingang, ist im Bau. Und wie es aussieht, sind auch die Tage des Katharinen­hofes gezählt. Aus energetischen wie aus funktionalen Gründen wird dieser wohl einem Neubau weichen müssen. Das gesamte Investitionsvolumen für die Neuordnung beziffert die Stadt inzwischen mit mehr als einer Milliarde Euro.

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