Wenn die Finger in der Schulstunde nach oben schnellen, freuen sich die Lehrer. Für die freien Rektorenposten an den Schulen in Vaihingen und Möhringen gibt es unter den Pädagogen aber nicht so viele Meldungen. Foto: dpa

Derzeit sind im Stadtbezirk Stuttgart-Vaihingen an drei Schulen Führungsposten vakant. Mit einem Mangel an Bewerbern hat das nur teilweise zu tun. Auch in Möhringen drohen Lücken.

Vaihingen/Möhringen - Als sich Gerda Mendler im Sommer 2016 nach zwölf Jahren als Schulleiterin des Fanny-Leicht-Gymnasiums in Stuttgart-Vaihingen in den Ruhestand verabschiedet hat, konnte noch niemand ahnen, dass ihre Stelle im April immer noch unbesetzt sein würde. Nach wie vor ruhen Repräsentation und Verwaltung in den Händen der stellvertretenden Schulleiterin Antje Rannert. „Ich hoffe, dass diese Interimslösung bald Geschichte sein wird“, kommentiert sie die Situation. „Das Team fängt zwar vieles auf, aber man merkt doch, dass jemand fehlt.“ Die vakante Stelle ist aktuell bereits zum zweiten Mal ausgeschrieben. Christina Schleuer, Referentin beim Regierungspräsidium, räumt ein, dass sich das Prozedere durch das neue Verfahren, in das der Schulträger und die Schulkonferenz einbezogen werden, etwas langwieriger gestalte als bisher.

Für die Stellen am Gymnasium gibt es Bewerbungen

Für das Fanny-Leicht-Gymnasium wie auch für das Vaihinger Hegel-Gymnasium, dessen Schulleiterin Barbara Graf zum Ende des Schuljahres in Ruhestand geht, stünden aber Bewerber zur Verfügung. Die entsprechenden Personalien lägen zumindest teilweise bereits beim Ministerium. „Das ist alles auf einem sehr guten Weg“, sagt Schleuer. Auch für die Möhringer Riedseeschule, wo Ingrid Willemsen im Sommer ausscheidet, liegt eine Bewerbung vor. Seitens des Regierungspräsidiums geht man davon aus, dass die Stelle besetzt werden kann, „wenn der Bewerber den im Besetzungsverfahren gesetzten Erwartungen entspricht.“

An der Pestalozzischule in Rohr hält Peter Dünschede seit einem halben Jahr die Stellung, seit Sabine Nafe die Schule verlassen hat. Der Konrektor arbeitet bereits seit 1982 an der Krehlstraße und hat die Entwicklung der Grund- und Werkrealschule über Jahrzehnte miterlebt. „Dass ich die Kollegen und die Abläufe so gut kenne, war sehr hilfreich, da ich mich schnell einarbeiten musste“, blickt der kommissarische Schulleiter zurück. „Es ist trotzdem eine Doppelbelastung. Aber alle reden noch mit mir. Insgesamt funktioniert es also ganz gut. Das Kollegium hat auch viel an anfallenden Aufgaben abgefedert.“

Die Pestalozzischule bekommt am 1. August einen neuen Rektor

Das Schulleiterbesetzungsverfahren für die Pestalozzischule ist mittlerweile beendet. Laut Regierungspräsidium kann davon ausgegangen werden, dass die Stelle zum 1. August 2017 neu besetzt wird. Schlechter sieht es an der Steinbachschule in Büsnau aus, wo Gerhard Gödrich ausgeschieden ist. „Die vorliegende Bewerbung wurde aus persönlichen Gründen zurückgezogen“ sagt der Referatsleiter Wolfgang Riefler,. „Die Schulverwaltung spricht nun gezielt potenzielle Bewerberinnen und Bewerber an.“ Bis dahin muss der Konrektor Klaus Maier weiter seines vorübergehenden Amtes walten.

Nach der Gesamtsituation bei der Neubesetzung von Schulleiterpositionen befragt, sagt Riefler, der für Grund-, (Werk)real-, Haupt- und Gemeinschaftsschulen sowie Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentren zuständig ist, im Schuljahr 2014/15 habe man auf 61 Stellen 81 Bewerbungen erhalten. 2015/16 gab es 102 Bewerber für 77 ausgeschriebene Stellen. Das klingt zunächst gar nicht schlecht. Allerdings verteilen sich die Interessenten ungleichmäßig. „Insbesondere bei sehr kleinen Grundschulen ist das Bewerberfeld häufig eingeschränkt. Immer wieder gehen für diese Schulleiterstellen gar keine Bewerbungen ein“, sagt Riefler.

Rektorenposten an kleinen Grundschulen sind unbeliebt

Die Gründe sind naheliegend: „Schulleiter haben dort neben der Verwaltungsarbeit und den Repräsentationsverpflichtungen eine hohe Unterrichtsverpflichtung als Fach- oder Klassenlehrkräfte; es gibt keine offiziellen Stellvertreter, und die Bezahlung liegt nur unwesentlich über der Bezahlung einer Lehrkraft“, fasst der Regierungsschuldirektor die zentralen Punkte zusammen.

Das Kultusministerium reagiert auf die Situation – die durch eine jahrgangsbedingt hohe Zahl an Pensionierungen noch zusätzlich verschärft wird – mit Versuchen, Schulleiter-, und Rektorenstellen attraktiver zu machen. So wurde die Unterrichtsverpflichtung an kleinen Schulen seit diesem Schuljahr um zwei weitere Stunden reduziert. Außerdem soll das Qualifizierungsangebot „Fit für Führung“, das seit Herbst 2015 besteht, zur Übernahme einer leitenden Position motivieren. Nach Rieflers Worten wird es gut angenommen.

Gymnasien sind ein Sonderfall

Gymnasien sind allerdings ein Sonderfall, wie Christina Schleuer klarstellt: „Dort gibt es einen stellvertretenden Schulleiter, weil dieser tatsächlich als ständiger Stellvertreter vorgesehen ist. Die Vertretung erfolgt in diesem Fall nicht kommissarisch, sondern ist interimsweise durchaus bewusst einkalkuliert. Wer diesen Posten übernimmt, der weiß, dass er die entsprechenden Aufgaben im Krankheitsfall oder wenn eine Nachbesetzung länger dauert, übernehmen muss.“

Indirekt trifft das auch auf Konrektoren an anderen Schultypen zu. „Ich hatte im Grunde keine Wahl“, sagt Peter Dünschede. „Man fühlt sich ja auch irgendwie verpflichtet, dass es weitergeht. The show must go on. Ich finde, dass die Pestalozzischule eine tolle Schule ist, und da ich keinen Schulleiter herbeizaubern kann, werde ich bis auf Weiteres auch die zusätzlichen Aufgaben erledigen. Auch wenn es ein wenig länger dauert, die Zeit zu überbrücken: Im Team werden wir es schaffen.“

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