Parkschein ist Fahrschein. Foto: Lg/Piechowski

Ein Parkhaus in Stuttgart-Vaihingen ist seit zweieinhalb Jahren ein Testfeld. Was das bringen soll, haben sich viele in der Zwischenzeit gefragt. Doch obwohl es viel Kritik gehagelt hat, darf die Stadt das Pilotprojekt nun verlängern.

Vaihingen - Lange ist darum gezankt worden, jetzt ist es amtlich: Das Pilotprojekt im Parkhaus Österfeld wird um weitere fünf Jahre verlängert. So hat es der Gemeinderat in seiner jüngsten Sitzung bei einer Gegenstimme festgeklopft. Worum geht’s? Wer in dem Parkhaus im Gebiet Unterer Grund einen Parkschein löst, kann diesen gleichzeitig als Fahrschein nutzen. Parktickets ohne Fahrschein gibt es nicht mehr.

Seit Dezember 2016 testet die Stadt zusammen mit dem Betreiber, der Parkraumgesellschaft Baden-Württemberg, ob sich damit sogenannte Fehlbelegungen im Parkhaus Österfeld reduzieren lassen. Damit sind zum einen Leute gemeint, die dort ihr Auto abstellen und hernach zum Flughafen fahren, zum anderen Arbeitnehmer, beispielsweise aus dem nahen Step-Areal.

Ob dies funktioniert, ist allerdings fraglich. Der Bezirksbeirat von Vaihingen hatte Anfang dieses Jahres bemängelt, dass es an konkreten Erkenntnissen aus dem ersten Versuchszeitraum fehle. Für die Lokalpolitiker, die damals über die Verlängerung der Testphase um weitere fünf Jahre abstimmen sollten, eine schlechte Grundlage für eine Entscheidung. Auch deshalb lehnten die Bezirksbeiräte den Wunsch der Stadtverwaltung ab.

Kritikpunkte an dem Versuch in Stuttgart-Vaihingen gibt es viele

Kritikpunkte an dem Pilot im Parkhaus Österfeld gibt es indes noch weitere. So fühlen sich viele Vaihinger ungerecht behandelt, weil die Stadt es Fahrern von Euro-4-Dieseln erlaubt, dort ihr Auto abzustellen. Heißt, sie dürfen bis zum Parkhaus im Stadtgebiet fahren, während das Stuttgartern seit dem 1. April verwehrt ist. Zudem klagen Anwohner über zugeparkte Straßen vor ihrer Haustür. Der mutmaßliche Grund: Weil die Parktickets im Zuge des Pilotprojekts teurer geworden sind, spart sich so mancher die Gebühr und stellt sein Auto an den Straßenrändern im Wohngebiet ab. Zumal dann, wenn es sich um Beschäftigte bei nahegelegenen Firmen handelt, die gar keinen Fahrschein für Bus und Bahn brauchen. Das gilt im Übrigen auch für Besucher des Fußballstadions oder von Konzerten, bei denen das Bahnticket bereits im Eintrittsticket enthalten ist.

Kurz und gut: Im März hat der Vaihinger Bezirksbeirat die Verlängerung des Versuchs im zweiten Anlauf bewilligt – wenn auch sicherlich zähneknirschend. Allerdings mit der Maßgabe, dass 100 Stellplätze im Parkhaus an benachbarte Firmen vermietet werden. Dies sei aus Sicht der Bezirksbeiräte problemlos möglich, da die Kapazitäten des Parkhauses ohnehin nicht ausgeschöpft seien. Das Tiefbauamt hatte im Januar dazu verlautbart, dass von den 514 Parkplätzen im Schnitt 50 bis 60 Prozent ausgelastet seien. Diesem Wunsch aus Vaihingen sind die Stadträte nachgekommen. 100 Plätze werden für monatlich 50 Euro an Arbeitnehmer aus dem Step-Areal vermietet.

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