Ob Kaffee, Schokolade, Gewürze oder aber T-Shirts und Hosen – die Auswahl an fair gehandelten Produkten ist groß. Foto: dpa

Seit 2012 ist Stuttgart-Vaihingen Fairtrade-Town. Eine Steuerungsgruppe rückt den fairen Handel mit Aktionen und Veranstaltungen in den Fokus. Damit das weiterhin gelingt, braucht das Team dringend Verstärkung.

Vaihingen - Drei Personen sind derzeit in der Steuerungsgruppe. Damit ist das Soll gerade so erfüllt. „Wenn einer ausfällt, gerät der Fairtrade-Bezirk Vaihingen ins Schwanken“, sagte Gabriele Leitz im Bezirksbeirat am Dienstag. Zusammen mit Peter Frommer vom Weltladen und Marion Langohr-Kolb bildet sie die Steuerungsgruppe. „Ein Ausfall in der Gruppe könnte auch dazu führen, dass wir den Titel Fairtrade-Town verlieren“, sagte Leitz. Denn für dieses Siegel müssen die Kommunen beziehungsweise Stadtbezirke fünf Kriterien erfüllen – eines davon ist eben eine Steuerungsgruppe, die aus mindestens drei Personen aus den Bereichen Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft besteht. Diese Gruppe steuert die Aktivitäten vor Ort, die den fairen Handel ins Bewusstsein der Bürger rücken und den Verkauf von fair gehandelten Produkten vorantreiben sollen.

Der Aufwand ist überschaubar

Seit April 2012 erfüllt Vaihingen alle Kriterien und ist Fairtrade-Town. Im Frühjahr ist das Siegel für weitere zwei Jahre verlängert worden. Damit es auch künftig weiter gehen kann, braucht die Steuerungsgruppe Verstärkung, sowohl aus der Verwaltung, respektive Politik als auch aus der Wirtschaft und der Bürgerschaft. „Der Aufwand ist überschaubar“, warb Peter Frommer. Zwischen vier- und sechsmal im Jahr treffen sich die Mitglieder der Gruppe; die Termine dauern meist nicht länger als zwei Stunden. Dazu kommt die Mitwirkung an Veranstaltungen und Aktivitäten, die allerdings für niemanden verpflichtend ist.

In der Vergangenheit war die Gruppe unter anderem mit Ständen auf dem Weihnachtsmarkt vertreten oder hat ein faires Frühstück in der Alten Kelter veranstaltet. Im vergangenen Jahr holte die Steuerungsgruppe das Musical „Global Playerz“ nach Vaihingen, um Schulkindern das Thema Fairer Handel näherzubringen. „Wir brauchen vor allem Ideen“, sagte Frommer. Bei nur drei Köpfen sei das oft schwierig.

Angefangen hat alles mit wesentlich mehr Engagement. Der Verbund Vaihinger Fachgeschäfte (VVF) unterstützte die Steuerungsgruppe ebenso wie Vertreter aus Parteien, Kirchen, Vereinen und dem Bezirksrathaus. „Die Kampagne hat uns gefallen, weil sie versucht, alle Menschen mitzunehmen und in den Prozess Fairtrade-Town einzubeziehen“, erzählte Frommer. Doch der Aufwand scheint einigen zu viel geworden zu sein; andere sind aufgrund beruflicher Veränderungen ausgestiegen, so wie Pfarrer Stefan Cohnen, der inzwischen geschäftsführender Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Oberesslingen ist. Auch die stellvertretende Bezirksvorsteherin Ursula Schrödl unterstützte die Gruppe, tritt nun aber etwas kürzer.

Bezirksamt hat keine Kapazitäten

„Das Thema Fairtrade liegt mir sehr am Herzen“, sagte Bezirksvorsteher Kai Mungenast in der Sitzung am Dienstag. Er selbst könne aber aus zeitlichen Gründen die Steuerungsgruppe nicht verstärken. Das Personal im Bezirksamt sei auf Kante genäht. „Vaihingen ist in den vergangenen Jahren unglaublich gewachsen, die Einwohnerzahlen ebenso wie die Beschäftigtenzahlen, und Großprojekte wie Allianz, Daimler und die Aufsiedlung des Eiermann-Campus kommen erst noch“, sagte Mungenast. „Die Stellen im Bezirksamt aber wurden nicht erhöht.“ Er wolle das zum nächsten Doppelhaushalt 2020/21 beantragen.

Das befürwortete der CDU-Sprecher Ulrich Bayer. Die Verwaltung solle die Kapazitäten schaffen, die Steuerungsgruppe zu unterstützen. Bayer, der selbst schon Mitglied der Gruppe war, bot an, erneut einzutreten, wenn der Bedarf bestehe. Bis zur nächsten Sitzung wollen die Bezirksbeiräte außerdem einen Antrag formulieren, in dem sie die Stadtverwaltung um eine Erhöhung der Stellenzahl im Bezirksamt Vaihingen bitten.

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