Sarah Gekeler hat Großes vor mit ihren Bienen. Foto: Caroline Holowiecki

Für Sarah Gekeler, gerade mal 26, steht fest: Wirtschaft und soziale Verantwortung schließen sich nicht aus. Die Studentin ist schon lang in der Stuttgarter Gründerszene aktiv und betreut nun ein Projekt, in dem 300 indische Frauen zu Imkerinnen ausgebildet werden.

Sillenbuch - Achzig Kilo Honig. Die Gläser türmen sich im Wohnzimmer der Gekelers. Hergestellt haben die süße Masse die Familienbienen. Die meisten schwirren durch den großen Garten in Sillenbuch. Fast alle Völker gehören Elisabeth Gekeler, eines aber, das in einem Kasten auf der Garage wohnt, pflegt die Tochter Sarah Gekeler. Und diese schwäbischen Bienen helfen nun Menschen und Pflanzen in den indischen Sundarbans, einem der größten Mangrovenwäldern der Welt. Zumindest indirekt.

Sie ist in der Gründerszene in Stuttgart aktiv

Sarah Gekeler hat drei Leidenschaften. Die eine betrifft Bienen, ihre Bedeutung fürs Ökosystem und den Umweltschutz allgemein. Die zweite dreht sich um Wirtschaft. Noch während der Schulzeit hat sie sich mit dem Thema Entrepreneurship auseinandergesetzt, ist schon viele Jahre in der rührigen Stuttgarter Gründerszene aktiv. Unter anderem gehört sie zu jenen, die 2013 den Verein Entrepreneurtalente ins Leben gerufen haben. Fast sah es denn auch so aus, als würde die junge Frau nach dem Abi eine klassische Wirtschaftslaufbahn einschlagen, zwei Semester BWL hat sie immerhin gemeistert. Doch dann ging es anderswo hin – in ein Kinderheim nach Madagaskar. „Das holt einen sehr auf den Boden der Tatsachen zurück. Wohlbehütet in Sillenbuch aufzuwachsen, das ist nicht der Standard.“ Die Studentin suchte nach dieser Erfahrung Antworten auf ihre Sinnfragen. Und fand sie im Studium der Religionswissenschaften und Ethnologie; Leidenschaft Nummer drei. „Mich interessiert, warum Menschen handeln, wie sie handeln, was sie antreibt und auf welcher Wertebasis sie Entscheidungen treffen.“

Aktuell arbeitet die 26-Jährige an ihrer Masterarbeit, die die Aspekte Wirtschaft, Entwicklungszusammenarbeit und Religion beziehungsweise Ethik vereint. Im Mittelpunkt ihrer Forschung stehen indische Frauen, die in Selbsthilfe-Gruppen Mikrokredit finanzieren, lernen, unternehmerisch zu denken, und kleine Businesses gründen. Vier Monate war die Deutsche in ihrem Auslandssemester vor Ort und führte Interviews. „Mein Eindruck ist, dass Menschen, denen die Möglichkeit gegeben wird, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und etwas voranzutreiben, was sie inspiriert, einen unglaublichen Schwung entwickeln.“ Noch in diesem Jahr, so hofft Sarah Gekeler, wird sie ihre Masterarbeit abgeben.

Ein nachhaltiger Win-win-Kreislauf

Ihr Herzensprojekt will sie aber weiterbegleiten. Als Werkstudentin hat sie über die Soceo gGmbH „300 x 110“ initiiert. Über drei Jahre werden in Indien 21 000 Mangrovenbäume gepflanzt. Parallel werden 300 Frauen in der Imkerei und im Obstanbau ausgebildet. Die Idee: Die Frauen pflegen die Pflanzen und tragen somit zum Erhalt des Nationalparks und zum Klimaschutz bei. Die Bienen finden dort ausreichend Nahrung, bestäuben die Blüten, was zu mehr Honig und Obst führt und letztlich das Einkommen der Frauen sichert. Ein nachhaltiger Win-win-Kreislauf. „Ich kenne die Frauen persönlich. Sie liegen mir am Herzen, ebenso die Bienen. Und seitdem ich mich mit Mangroven beschäftige, merke ich, wie cool Mangroven sind. Sie sind so etwas wie die hidden champions“, sagt Sarah Gekeler, lacht und erklärt, wie die Pflanzen große Mengen an CO₂ aufnehmen, Böden stabilisieren, Flut abhalten und im Salzwasser überleben.

„Ich glaube, dass sich Ethik, soziale Verantwortung und Wirtschaft nicht ausschließen, sondern bedingen“, resümiert Sarah Gekeler. Aktuell akquiriert sie über die Plattform betterplace.org Spenden für „300 x 110“. Im nächsten Jahr will sie ein- bis zweimal nach Indien reisen, um zu sehen, wie das Projekt anläuft und wie es den indischen Imkerinnen geht, die ihre Jobs ein bisschen auch Sillenbucher Bienen zu verdanken haben.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: