Der des versuchten Totschlags Angeklagte sagt vorerst nichts zum Vorwurf. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Ein 25-Jähriger hat einem Bekannten in der Stuttgarter Innenstadt in den Hals gestochen. Jetzt steht er vor Gericht. Die Hintergründe sind völlig unklar.

Stuttgart - Eigentlich ist der blutige Vorfall vom 28. Mai dieses Jahres schnell erzählt. Gegen 4 Uhr treffen sich vier junge Männer in der Stuttgarter Innenstadt. Es kommt zum Streit, ein 25-Jähriger soll dabei einem 19-Jährigen mit einem Stichwerkzeug einen zehn Zentimeter langen, klaffenden Schnitt in die linke Halsseite beigebracht haben. Der mutmaßliche Täter steht jetzt vor dem Landgericht.

Staatsanwältin Isabelle Schmid wirft ihm versuchten Totschlag vor, weil er den Tod des 19-Jährigen durch sein Tun billigend in Kauf genommen habe. So einfach kann es sich die 19. Strafkammer unter Vorsitz von Richter Norbert Winkelmann natürlich nicht machen. Warum trifft man sich um 4 Uhr in der Innenstadt? Warum hat man eine Stichwaffe bei sich? Was hat den Streit ausgelöst? Waren Alkohol oder Drogen im Spiel? Zu all dem will der von Strafverteidiger Matthias Sigmund vertretene Angeklagte vorerst nichts sagen.

Der Zeuge ist verstockt

Also wird der junge Mann in den Zeugenstand geholt, der so schwer am Hals verletzt worden war. Doch aus dem Libyer ist nur schwer etwas herauszubekommen. Er sagt, im Islam sei alles wieder gut, wenn man sich versöhnt hat. Er schlafe gut, habe keinen Schock, er wolle nach vorn schauen, die Vergangenheit sei vorbei. Es sei nicht relevant, dass der 25-Jährige ins Gefängnis komme. „Sie wissen aber schon, dass der Angeklagte schon fast sechs Monate in Untersuchungshaft sitzt – und zwar wegen Ihrer Aussage“, sagt Richter Winkelmann.

Man habe sich zufällig getroffen, lässt der Zeuge übersetzen. Weil der algerische Angeklagte nach Alkohol gerochen habe, habe er ihn mit einer Hand weggeschoben, so der 19-Jährige. Und seine Verletzung am Hals? „Die kam einfach so, es ist halt passiert“, sagt er. Und überhaupt könne er sich gar nicht mehr erinnern.

Andere Version bei der Polizei erzählt

„So bekommen Sie Probleme“, gibt der Richter zu bedenken. Denn bei der Polizei hatte der 19-Jährige noch gesagt, man habe sich verabredet, es seien noch zwei Andere dabei gewesen, die den Angeklagten aufgefordert hätten, ihn zu attackieren. Sein Handy habe man ihm auch abgenommen. „Ich erinnere mich nicht“, sagt der Zeuge. Seit wann er in Deutschland sei? „Ich erinnere mich nicht.“

Der Angeklagte gibt erst einmal nur über seine Vita Auskunft. Er habe 2015 500 Euro investiert, um mit einem Boot nach Spanien zu kommen. Dort habe er aber keinen Asylantrag gestellt, denn es sei sein Traum gewesen, nach Deutschland zu kommen. Sein Asylantrag ist abgelehnt. Seit Oktober 2018 ist er mit einer Deutschen muslimischen Glaubens verheiratet, allerdings nur nach muslimischem Recht. Der Mann hat eine kleine Tochter. Der Prozess wird fortgesetzt.

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