Stuttgart ist unübersehbar eine Automobilstadt – doch die Nähe zu zwei Automobilherstellern könnte im Rennen um die IAA auch ein Nachteil sein, meinen manche sorgenvoll. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Stadt, Land und Landesmesse wollen die reformbedürftige Automobilmesse IAA an den Neckar holen. In Berlin hat eine Stuttgarter Delegation nun das Konzept präsentiert.

Stuttgart - Das Rennen um die Internationale Automobil-Ausstellung (IAA) ist jetzt so richtig losgegangen. Am Donnerstag haben am Sitz des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) in Berlin die ersten vier von sieben konkurrierenden Städten ihre Vorstellungen präsentiert. Darunter war auch die Delegation aus Stuttgart, zu der neben OB Fritz Kuhn (Grüne) und Florian Stegmann, Chef der Staatskanzlei, auch Stefan Lohnert gehörte, der neue Geschäftsführer der Landesmesse Stuttgart. An ihrer Entschlossenheit war nicht zu zweifeln. „Wir unterstützen die Bewerbung nach Kräften“, sagte Rudi Hoogvliet, Sprecher der baden-württembergischen Landesregierung. Und das hatte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) kürzlich auch schon beim Neujahrsempfang der Landesmesse versichert.

Am Donnerstag galt zwar bei allen Beteiligten in Stuttgart und Berlin die höchste Geheimhaltungsstufe, was die Präsentation anging. Doch das Profil, mit dem Stuttgart die IAA erobern will, war längst klar: Man wirbt damit, dass hier das Automobil erfunden worden sei und hier auch die Transformation zu einem zukunftsfähigen Automobil vollzogen werde. Kuhn spricht aber nicht nur von der Heimatstadt der Mobilität, sondern auch von einem „der dichtesten Ladesäulennetze für Elektroautos“ und von ersten Schnellladesäulen für Taxis.

Hannover, Berlin und Hamburg waren auch schon dran

Neben Stuttgart konnten jeweils anderthalb Stunden lang auch Hannover, Berlin und Hamburg ihre Vorschläge für eine neue IAA präsentieren, nachdem die IAA in Frankfurt zuletzt als eine etwas überkommene Automobilschau unter geschrumpftem Publikumsinteresse gelitten hatte. An diesem Freitag treten beim VDA Frankfurt, Köln und München an.

Der VDA will die IAA zur Mobilitätsplattform machen, die der austragenden Stadt Impulse für ein neues Mobilitätskonzept gibt. Das Auto sowie die „nachhaltige individuelle Mobilität“ sollen aber weiterhin eine tragende Rolle spielen. Der Verband strebt eine Öffnung an. Die Veranstaltung soll nicht nur auf einem Messegelände stattfinden, sondern in die Stadt hineinstrahlen, auch Teststrecken und Parcours aufweisen. Deshalb hat Stuttgart neben dem Areal der Landesmesse unter anderen den Cannstatter Wasen vorgeschlagen, wo es nebenan ein Daimler-Werk und eine Einfahrbahn des Automobilherstellers gibt.

Vermutlich bis 29. Januar stehen die Finalteilnehmer fest

Berlin will inhaltlich vor allem auf seine Forschungs- und Hochschullandschaft mit ihren Impulsen für eine neue Mobilität werben. München verweist auf einen Großflughafen, Automobilindustrie sowie Zentralen von Technologiekonzernen. Frankfurt pocht auf viel Erfahrung mit der IAA und seinen Charakter als europäisches Mobilitätsdrehkreuz. Hamburg versteht sich als künftiges Reallabor für digitale Mobilität. Die Messe Hannover setzt auf ein 5G-Netz, das autonomes Fahren ermöglicht, und viele Freiflächen. In Köln meint man, die IAA müsse alle Facetten der Mobilität einbeziehen, auch emotional sein wie die Online-Spielemesse.

Vermutlich bis 29. Januar wird geklärt, welche zwei oder drei Städte ins Finale kommen. Bis April wird wohl entschieden, wo 2021 die neue IAA stattfindet. Das Rennen sei offen, es gebe keine Vorfestlegung, versicherte VDA-Geschäftsführer Martin Koers vor den Präsentationen. In Stuttgart war hinter den Kulissen allerdings die Sorge unüberhörbar, dass man als Automobilstadt, die klar mit bestimmten Herstellern in Verbindung gebracht wird, im Wettbewerb um die IAA auch einen Nachteil haben könnte. Doch das würde in ähnlicher Weise dann wohl auch für München und Hannover gelten.

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