Am Automaten geht nichts schief. Online dagegen lauern Bahnticket-Betrüger. Jetzt steht ein Mann vor Gericht. Foto: dpa

Mehr als 500 Bahntickets soll ein 31-Jähriger betrügerisch im Internet gekauft und weiterverkauft haben. Jetzt steht der Mann vor dem Landgericht Stuttgart.

Stuttgart - Der erste Prozesstag ist nach wenigen Minuten vorbei. Vor der 7. Strafkammer des Landgerichts verliest der Oberstaatsanwalt lediglich den Anklagesatz. Doch der hat es in sich.

Auf der Anklagebank sitzt ein 31 Jahre alter Mann aus Kamerun, der vor seiner Untersuchungshaft in Murrhardt im Rems-Murr-Kreis gewohnt hat. Der Mann soll zwischen Mai 2017 und Februar 2019 insgesamt 520 Bahntickets online betrügerisch gekauft und weiterverkauft haben. Sein „Firmensitz“ waren dabei meist Internet-Cafés in Stuttgart. Der Wert der Tickets: knapp 120 000 Euro. Zudem wirft ihm der Ankläger vor, er habe auf Online-Verkaufsportalen Waren im Wert von rund 15 000 Euro bestellt. Bezahlt hat er die Waren nicht, aber offenbar weiterverkauft.

Kreditkartendaten aus dem Internet

Die Masche ist nicht mehr ganz taufrisch. Auf einer Internetplattform können sich Gauner die Kreditkartendaten von Personen beschaffen, die davon nichts wissen. Mit diesen Kreditkarten werden dann an verschiedenen Computern online Fahrkarten der Deutschen Bahn gekauft. Diese Tickets werden dann, ebenfalls übers Internet, zu unschlagbaren Preisen weiterverkauft – meist für gerade einmal die Hälfte des Normalpreises. Da schlägt so mancher Reisewillige zu. Und die geprellten Kreditkarteninhaber wundern sich über Abbuchungen für Tickets, die sie nie gekauft haben.

So soll auch das Geschäft des Mannes aus Jaunde, der Hauptstadt Kameruns, gelaufen sein. Ihm wird hundertfacher Computerbetrug, Fälschung von beweiserheblichen Daten und Missbrauch von Ausweispapieren vorgeworfen, weil er auch noch im Besitz eines gestohlenen französischen Reisepasses gewesen sein soll.

Der Angeklagte wird wohl gestehen

Und was mit Bahntickets funktioniert, geht offenbar auch mit Rucksäcken, Bettwäsche, Uhren, Kleidung und Handtaschen. Derlei Waren soll der 31-Jährige, der von Verteidiger Markus Bessler vertreten wird, im Internet bestellt haben. Er soll die Personalien von Personen im Internet recherchiert haben, in deren Namen er dann die Waren bestellt hat und die er zu Paketstationen nahe den Wohnadressen der Ahnungslosen liefern ließ. In einigen Fällen bevollmächtigte er auch mutmaßliche Komplizen zur Abholung der Waren.

Der Verkauf von Bahntickets über das Internet oder per Handy-App ist ein boomender Markt. Die Bahn teilt mit, dass 2018 bundesweit rund 42 Millionen Online-Tickets verkauft worden seien. Insgesamt verkauft die Bahn 45 Prozent ihrer Tickets übers Internet und Handy.

Vor der 7. Strafkammer haben Oberstaatsanwalt und Verteidiger signalisiert, sich einer Verständigung nicht zu verschließen. Soll heißen, Strafrabatt bei Geständnis und schnellerer Prozess. Die Verhandlung wird am 27. August fortgesetzt.

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