Im April 1815 wurden Millionen Tonnen an Asche in die Luft geschleudert. Die Aschewolke zog auch über Europa hinweg. Foto: dpa

Tausende Kilometer von Stuttgart entfernt führte der Ausbruch des Vulkans Tambora im Jahr 1815 zur Gründung der Universität Hohenheim. Der Hochschulpfarrer der Uni, Matthias Burger, hat in einem Vortrag die Geschichte erzählt.

Hohenheim - Zu Beginn ist der Hörsaal der Uni Hohenheim am Dienstagabend noch viel zu groß erschienen. Doch dann füllte sich der Raum, schließlich waren so gut wie alle der mehr als 130 Sitzplätze belegt. Vereinzelte Gäste hatten es sich sogar auf Stühlen hinter der letzten Reihe gemütlich gemacht. Obwohl die Mehrheit dem älteren Semester angehörte, schrieben einige mit – als wären sie zurück an der Uni.

Alle wollten wissen, was ein Vulkanausbruch in Indonesien mit der Gründung der Universität Hohenheim vor 200 Jahren zu tun hatte. Mit dem Thema hat sich Matthias Burger, evangelischer Hochschulpfarrer in Hohenheim, beschäftigt. Auf die Frage, warum ihn das Thema so interessiere, sagte er: „Es ist faszinierend, wie ein einzelner Vulkanausbruch so viele unterschiedliche Entwicklungen auslösen kann.“ Über diese Entwicklungen und die Entstehung der Uni Hohenheim klärte Burger am Dienstagabend auf.

Die Aschewolke zog auch über Europa hinweg

Im April 1815 brach in Indonesien der Vulkan Tambora aus und besiegelte das Schicksal von rund 100 000 Bewohnern. Das Ausmaß der Explosion war so gigantisch, dass der einst 4200 Meter hohe Berg auf eine Größe von nur 2700 Metern zusammenschrumpfte. Millionen Tonnen an Asche wurden in die Luft geschleudert.

Die Aschewolke zog über Indien und Europa hinweg bis nach Amerika. Sie verdunkelte überall den Himmel und reflektierte die Sonnenstrahlen. So kam es zu einer weltweiten Abkühlung des Klimas, was wiederum zu Ernteausfällen, Hungersnöten, Wirtschaftskrisen und Aufständen führte. Das Jahr 1816 ging als das „Jahr ohne Sommer“ in die Geschichte ein. Burger berichtete: „Die Menschen wussten nicht, was los war, nur, dass etwas nicht stimmte. Der Winter war komisch, zu nass.“

Das Königreich Württemberg war besonders betroffen

Besonders schlimm getroffen wurde das Königreich Württemberg. „Doch die Menschen ergaben sich nicht ihrem Schicksal. Sie kämpften und suchten nach Lösungen“, berichtete Burger. Auch die Königsfamilie überließ die Menschen nicht ihrem Schicksal. König Wilhelm I. und seine Frau Katharina setzten sich nicht nur für die Hilfe der Armen ein, sie planten auch für die Zukunft. Um späteren Hungersnöten nicht hilflos ausgeliefert zu sein, sollte erforscht werden, wie die Landwirtschaft verbessert werden kann. Dafür stellte die Königsfamilie die Gebäude und Felder rund um das Schloss Hohenheim der Wissenschaft zur Verfügung. So wurde im Jahr 1818 die Landwirtschaftliche Schule Hohenheim gegründet, die sich später zur Universität wandelte. Wissenschaftler konnten hier Geräte ausprobieren und erforschen, wie Böden am besten zu bearbeiten sind. Ziel war es, zukünftige Ernteausfälle zu verhindern.

Der etwas mehr als einstündige Vortrag beantwortete scheinbar alle Fragen der Zuhörer, sie strömten aus dem Saal wie Schüler nach dem Läuten der Pausenglocke. Ein Besucher, Hans-Heinrich Schmid, meinte noch: „Der Vortrag war sehr umfassend, das hat mir sehr gefallen.“

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