Der Santiago-de-Chile-Platz ist bereits jetzt ein beliebter Ort zum Verweilen. Foto: Tilman Baur

Die Planungen für ein dreistöckiges Gebäude mit Lebensmittelladen und Panorama-Café am Haigst in Stuttgart-Degerloch verunsichern die Eigentümer der angrenzenden Häuser. Sie fürchten, dass die stolzen Bauten dadurch weniger wert würden – und dass ihnen Cafébesucher ins Haus schauen können.

Degerloch - Am geplanten Neubau auf dem Haigst scheiden sich weiterhin die Geister. Während die Bezirksbeiräte den Plänen von Stadt und Privatinvestor wohlwollend gegenüberstehen, machen Anwohner gegen das Projekt mobil. Auf dem schmalen Grundstück gegenüber des Santiago-de-Chile-Platzes könnte ein Neubau mit Laden und Panorama-Café entstehen. Derzeit steht auf dem Grundstück ein 70 Jahre altes Behelfsgebäude mit Feinkost-Kiosk.

Anwohner fürchten sich vor fremden Blicken

Christina Vaih-Baur befürchtet, dass durch das Café noch mehr Trubel entsteht als ohnehin schon. Als direkte Anwohnerin hat die Professorin vor allem einen Wunsch: „Ich will meine Ruhe.“ Schließlich sei der Haigst ein Wohngebiet, und mit lauter Partymusik auf dem Santiago-de-Chile-Platz habe man vor allem im Sommer bereits genug zu tun. Außerdem drohe den Anwohnern mit dem Panorama-Café ein Eingriff in ihre Privatsphäre: „Die Gäste könnten dann einfach in die Wohnungen gegenüber schauen“, sagt Vaih-Baur.

Durch den Neubau könnten die Häuser auf dem Haigst zudem einen Wertverlust erleiden: „Es könnte sein, dass man plötzlich keinen Stadtblick mehr hat.“ Stutzig macht Vaih-Baur zudem, dass die Stadt offenbar einfach einen Bebauungsplan ändern könne und dass die Grünfläche und der Baum vor dem Gebäude zur Disposition stehen. „Es gab schon früher Interessenten für das Grundstück. Denen hat die Stadt aber mit der Begründung abgesagt, dass die Grünfläche nicht bebaut werden dürfe“, berichtet sie.

Auch Peter Breideneich stößt die Sache übel auf: „Man hätte uns in die Sitzung einladen sollen, wir sind nicht gefragt worden.“ Dazu muss angemerkt werden: Anwohner werden in aller Regel nicht aktiv zu Gemeinderats- oder Bezirksbeiratssitzungen eingeladen. Im Bezirksbeirat haben sie die Möglichkeit, sich in den ersten fünf Minuten zu einem Thema zu äußern.

Parkplätze sind schon jetzt Mangelware

Peter Breideneich fürchtet einen Wertverlust seines Hauses durch einen Neubau, der seiner Ansicht nach gegen den Denkmalschutz der Häuserzeile verstoße. Denn dieser sei daran gebunden, dass die Häuserzeile von der Stadt aus sichtbar ist. „Ich würde einen Neubau als kleinen Tante-Emma-Laden bevorzugen“, sagt der Antiquitätenhändler. Ein Café würde außerdem das Parkplatzproblem verschärfen. Für Breideneich ist klar: Der Haigst ist ein Wohngebiet – und soll auch eines bleiben.

Die Autos treiben auch Dieter Zacharias um. Sein Parkplatz ist neben dem Lebensmittelladen – und ist schon jetzt oft von Unbefugten belegt. Im ganzen Gebiet gebe es zu wenige Parkplätze, sagt er. Wenn das Restaurant Wielandshöhe gut besucht sei, könne man nicht mal mehr im absoluten Halteverbot parken. Weniger kritisch ist Roland Stock. Die Strukturen könnten nicht ewig so bleiben wie sie sind, findet der Anwohner. „Mir ist vor allem wichtig, dass der Inhaber des Kiosks, Herr Bati, nicht einfach vertrieben wird.“ Diese Forderung wurde auch im Bezirksbeirat laut.

Unterdessen legt Eberhard Klink, Vorsitzender des Gewerbe- und Handelsvereins (GHV) Degerloch, Wert darauf, dass nicht alle Haigst-Anwohner gegen den Neubau sind: „Im Bezirksbeirat sind viele der Befürchtungen glaubhaft widerlegt worden und anfänglich skeptische Anwohner haben die Sitzung fröhlich verlassen“, sagt er. „Und wenn einige in ihrer Aussicht auf die Stadt eingeschränkt werden, so haben sie das mit unzähligen Bürgern gemeinsam, die im Zuge der Nachverdichtung Einschränkungen hinnehmen müssen.“ Er glaubt, dass sich viele Menschen freuen, wenn zur Nahversorgung ein Café hinzukomme und den Bezirk bereichere.

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