Wirtschaft tritt bei Förderung an Stelle des Staates - Fonds ale Generationenvertrag.

Stuttgart - Peter Elkenkamp hat es geschafft: Anstatt nebenher zu jobben, kann der Stuttgarter sich auf sein Studium konzentrieren. Da staatlich geförderten Stiftungen das Geld knapp wird, zeigt der Festo-Bildungsfonds, wie die Industrie dem Nachwuchs unter die Arme greifen kann.

Das neue Stipendiumgesetz des Bundes trat am 1. August in Kraft. Seither können nur noch höchstens acht Prozent der 275000 Studenten in Baden-Württemberg ein Jahr lang monatlich 300 Euro für ihr Studium erhalten. "Die Erreichung dieser Höchstgrenze erfolgt schrittweise", heißt es im Gesetz.

Zurückgezahlt wird, wenn der Student einen Job hat

Nur die Hälfte der Mittel kommt laut Gesetz aus der Staatskasse. Die anderen 50 Prozent sollen Firmen und Sponsoren aufbringen, die sich die Unis allerdings selbst suchen müssen. Deshalb dringt Margret Wintermantel von der Bonner Hochschulrektorenkonferenz auf Unterstützung der Wirtschaft für die Studienfinanzierung, aus der sich der Staat zunehmend zurückziehe. Um das nationale Stipendienprogramm mit Erfolg zu krönen, müssten sich mehr private Geldgeber an Stipendien beteiligen, fordert die Vorsitzende der Konferenz.

Aber ohne Beteiligung an den Investitionen spende kein Unternehmer gern Beträge für den Unterhalt anonymer Studenten, weiß Rolf Zipf, Vorstand von Career Concept und Experte in Sachen Studienfinanzierung. Deswegen hat sein Unternehmen zusammen mit Partnern aus der Wirtschaft acht Bildungsfonds aufgelegt, die sich von Studienkrediten hinsichtlich der Rückzahlung unterscheiden.

Beispiel: Der Festo-Bildungsfonds, der sich an naturwissenschaftlich-technische Studenten wendet. "Wer hochmotiviert studiert und ein berufliches Ziel damit verfolgt, kann während des Studiums Geld für Unterhalt, Auslandssemester oder Computerausrüstung leihen. Das muss er erst zurückzahlen, wenn er einen Job hat, in dem er genügend verdient", erklärt der Leiter des Festo-Bildungsfonds, Peter Speck.

Bildungsfonds als Generationenvertrag

Rolf Zipfs Unternehmen wählt Hochschüler besonders nach dem Kriterium Zielstrebigkeit aus und erstellt zusammen mit den Studenten das individuelle Konzept zur Finanzierung. Zipf hat Nachfragen in Höhe von 80 Millionen Euro, die er leider nicht bedienen kann. Wurden 2008 bundesweit noch 2500 Studenten gefördert, so sind es derzeit nur noch 1500. "In der Wirtschaftskrise sind Investoren sehr vorsichtig geworden", sagt der Münchner, "obwohl sich die Anlageklasse Student unabhängig von Inflation, Währung sowie anderer Märkte entwickelt." Die allgemeine Verunsicherung bessere sich mittlerweile. Zumal nur 0,6 Prozent der Bildungsfonds-Teilnehmer ihr geliehenes Geld nicht vollständig zurückzahlen konnten. Zum Vergleich: Kredite für Autos oder Fernsehern haben laut Schufa eine Ausfallquote von bis zu 2,5 Prozent.

Insbesondere nach der Wirtschaftskrise ist nun der Markt für Bildungsfonds wieder im Kommen. Ähnlich arbeitet die Aktiengesellschaft "Deutsche Bildung", die nach einer Insolvenz wieder hofft, in diesem Jahr 100 Studenten durch private Investoren finanzieren zu können. Career Concept und der Esslinger Kooperationspartner aus der Industrie erhielten beim aktuellen Studienkredittest Bestnoten vom Gütersloher Centrum für Hochschulentwicklung für ihren Fonds, der 2007 aufgelegt wurde. 250 Studenten nehmen die Unterstützung des Automationsspezialisten seither in Anspruch.

"Ein gutes Gefühl, anderen Studenten zu helfen"

Einer davon ist Peter Elkenkamp aus Stuttgart. Der 29-Jährige studiert Maschinenbau, fand nach seinem Diplom 2009 keine Anstellung und wollte den Master draufsatteln. Doch das Geld fehlte. "Auf den Fonds bin ich durch einen Bekannten gestoßen", sagt er. Das Modell Bildungsfonds statt Studienkredit hat ihn überzeugt, denn es basiert auf einem Generationenvertrag. "Die Bedingungen der Rückzahlung sind sehr fair und transparent. Es ist ein gutes Gefühl, dass ich damit anderen Studenten helfe, die in derselben Situation sind wie ich", argumentiert der Stuttgarter.

Kürzlich hat er an einem Workshop teilgenommen. Zusammen mit 15 anderen Studenten musste er einen Waldspielplatz bauen. Das Ziel der Projektverantwortlichen: Bei der praktischen Arbeit mehr über die Persönlichkeit ihrer Stipendiaten zu erfahren, die später Führungspositionen erreichen sollen. Elkenkamp wurde hinterher als "führungskompetent" wahrgenommen, doch über so viel Jobstrategie macht sich der 29-Jährige noch wenig Gedanken: "Aber es hat mich persönlich weitergebracht."

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