Am 27. März 1954 zündeten die USA auf dem Bikini-Atoll im Pazifik die Wasserstoffbombe „Castle Romeo“. Sie hatte eine Sprengkraft von elf Megatonnen. Foto: Wikipedia commons/United States Department of Energy

Die Angst vor einem Atomkrieg ist zurück. Amerikanische Forscher belegen: Schon ein regionaler Konflikt mit nuklearen Waffen – etwa zwischen Indien und Pakistan – könnte die Welt in eine neue Eiszeit stürzen. Mit verheerenden Folgen für die gesamte Menschheit.

Boulder - Bei einem Atomkrieg gibt es keine Gewinner. Dieses Credo aus dem Kalten Krieg hat bisher nukleare Waffengänge verhindert. Bereits in 1950er Jahren prophezeiten Wissenschaftler, dass ein atomarer Konflikt zwischen den Supermächten verheerende Folgen für die gesamte Menschheit hätte.

Rauch und Aerosole der thermonuklearen Explosionen würden die Sonne verdunkeln und das Weltklima über viele Jahre abkühlen. Die Folge: ein nuklearer Winter. Doch all diesen Schrecken zum Trotz haben die USA und Russland ihren Vertrag zu atomaren Mittelstreckenwaffen aufgekündigt. Nordkorea testet immer neue Atomwaffen. Und Indien und Pakistan rüsten atomar immer weiter auf.

Atomkrieg zwischen Pakistan und Indien

Angesichts dieser eskalierenden Lage und des schwelenden Konflikts um Kaschmir zwischen den Atommächten Indien und Pakistan ist ein Forscherteam um den US-Klimawissenschaftler Owen Toon von der University of Colorado in Boulder der Frage nachgegangen, welche Auswirkungen ein regionaler nuklearer Krieg für die gesamte Welt haben könnte.

Ihre Studie haben sie jetzt im Fachmagazin „Sience Advances“ veröffentlicht.

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„Ein in der Geschichte der Menschheit beispielloser Krieg“

„Unser Szenario beginnt mit einem Terrorangriff auf die indische Regierung“, erläutern die Experten. Daraufhin startet Indien zunächst einen konventionellen Vergeltungsangriff auf die pakistanische Grenzregion Kaschmir. Pakistan beschießt indische Städte mit Atomwaffen, Indien reagiert mit Gegenangriffen. Innerhalb von einer Woche haben beide Länder mehr als 200 Atomschläge durchgeführt.

„Dies wäre ein in der Geschichte der Menschheit beispielloser Krieg“, erklärt Owen Toon. Schon in der ersten Woche könnten durch die Explosionen, Verstrahlung und verheerende Brände zwischen 50 und 125 Millionen Menschen in den betroffenen Regionen sterben.

Durch Explosionen und Brände würden gewaltige Mengen an Rauch freigesetzt. Eine radioaktive Wolke aus 16 bis 36 Milliarden Kilogramm Ruß würde sich innerhalb weniger Wochen über den gesamten Globus verteilen. Toon: „Dadurch wird die Sonneneinstrahlung um 20 bis 35 Prozent verringert und die Erdoberfläche kühlt sich ab.“

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Die Zahl der Opfer wäre astronomisch

Die globalen Temperaturen würden um zwei bis fünf Grad und die Niederschläge um 15 bis 30 Prozent sinken. Die Folgen wären Missernten und weltweite Hungersnöte. Klimaforscher Toon geht davon aus, dass die Nahrungsmittelproduktion über mehrere Jahre um 15 bis 30 Prozent sinken könnte.

„Zum ersten Mal in der Geschichte könnte dadurch ein regionaler Krieg mehr Menschenopfer fordern als weltweit in einem Jahr aus natürlichen Gründen sterben.“

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