Nach dem Unwetter von Juni in Bisingen (Zollernalbkreis) liegt ein Verkehrsschild im Klingenbach in der Ortsmitte. Die Universität Freiburg hat unter Beteiligung anderer Einrichtungen einen Sturzflutindex (SFI) entwickelt. Foto: dpa/Silas Stein

Menschen sollen nicht nur vor Starkregen und Überschwemmungen, sondern auch vor Sturzfluten gewarnt werden. Dafür hat ein Freiburger Forscherteam nun einen eigenen Index entwickelt.

Die Universität Freiburg hat unter Beteiligung anderer Einrichtungen einen Sturzflutindex (SFI) entwickelt. Damit sollen Fluten besser vorhersagbar sein, wie die Universität mitgeteilt hat.

Prävention und Eindämmung

„Der SFI bietet einen deutlichen Mehrwert gegenüber bloßen Starkregenwarnungen“, erklärt Markus Weiler, Professor für Hydrologie an der Universität Freiburg, der das Projekt koordiniert. Mit Hilfe der Vorhersagen sollen die Bewohner betroffener Gebiete in Zukunft rechtzeitig gewarnt werden können.

Langfristig helfe der Index, vorzusorgen und die lokalen Gefahren durch Sturzfluten zu verringern, so Weiler. „Um seinen Einsatz voranzutreiben, sind wir bereits mit mehreren Landesämtern im engen Kontakt.“

Gefährlichkeit von Sturzfluten

Sturzfluten seien schwer vorherzusagen, weil viele Faktoren dafür entscheidend seien, hieß es seitens der Universität. So komme es unter anderem darauf an, ob Flächen versiegelt sind oder der Boden schon feucht oder gesättigt ist. Solche lokalen Gegebenheiten fließen demnach in die Berechnungen ein.

Laut der Studie sind Sturzfluten dann besonders gefährlich, wenn das Wasser mit hoher Geschwindigkeit fließt, der Wasserstand hoch ist, oder bei einer Kombination aus beiden Faktoren. In solchen Fällen könnten Fußgänger oder Fahrzeuge Halt verlieren und weggeschwemmt werden.

Risiko-Klassen von Sturzfluten

Um die Gefahr in einem bestimmten Gebiet abzuschätzen, haben die Wissenschaftler vier Risiko-Klassen definiert:

  • keine bis geringe Gefahr
  • mäßige Gefahr
  • erhebliche bis große Gefahr
  • sehr große Gefahr

Anfang Juni hatten Unwetter zu schweren Regenfällen und Überschwemmungen in Bayern und Baden-Württemberg geführt. Mehrere Menschen starben, Tausende mussten in Sicherheit gebracht werden, es kam zu Erdrutschen und Dammbrüchen.